Juni 1968: »Die Isar war rot«

Franz »Bulle« Roth wird 65

In 11FREUNDE #111 erinnerte sich Bulle Roth für uns an einen Badeunfall mit Sepp Maier im Juni 1968. Heute feiert er seinen 65. Wir wünschen einen unfallfreien Geburtstag und gratulieren mit einer Bildergalerie. Juni 1968: »Die Isar war rot«Illustration: Mario Wagner
Heft#111 02/2011
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Zur Saison 1968/69 bekamen wir bei den Bayern einen neuen Trainer: Branko Zebec. Mein lieber Mann, war das ein harter Hund! Die Vorbereitung verbrachten wir in der Sportschule Grünwald, hier bei uns in München. Dreimal am Tag hat uns Zebec trainieren lassen, es war mitten im Juni und das Thermometer zeigte 40 Grad im Schatten! Dem Branko war das egal, um halb elf Uhr morgens schickte er uns zum Runden laufen. Sprinten an der Torauslinie, zügiges Joggen an der Seitenlinie. Branko hatte bei diesen Aufwärmübungen einen besonderen Tick: Seine Jackentaschen waren gefüllt mit kleinen Kieselsteinen und nach jeder Runde ließ er ein Steinchen auf den Boden fallen. Erst wenn seine Taschen leer waren, durften wir auch aufhören zu laufen. Und an diesem Tag schien er das halbe Isarufer eingesammelt zu haben – wir mussten sage und schreibe 62 Runden laufen.

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Es war 12 Uhr, als der Trainer die erste Übungseinheit beendete, um 13 Uhr sollte es Essen geben, bis dahin hatten wir Freizeit. Aber was sollten wir schon groß machen? Ich habe Sepp Maier gefragt: »Seppi, hast du eine Idee?« »Bulle«, hat er gesagt, »wir fahren an die Isar!« Seppl hatte seinen Wagen am Hintereingang geparkt, wir stiegen über die Mauer an den Tennisplätzen und fuhren runter nach Höllriegelskreuth ans Isarufer, knapp einen Kilometer von der Sportschule entfernt. Wir ab ins kühle Nass, ach, war das herrlich! Nach einer Dreiviertelstunde wollten wir wieder zurück zum Auto, weil aber das Ufer an dieser Stelle so steil und hoch war, versuchten wir uns an einem Ast aus dem Wasser zu ziehen. Das bisschen Holz war natürlich nicht gemacht für zwei schwere Jungs wie uns, krach!, wir klatschten zurück ins Wasser. Als ich wieder auftauchte, war die Isar rot – irgendein scharfer Gegenstand hatte mir zwei Zehen böse aufgeschnitten, ich konnte froh sein, dass die überhaupt noch dran waren!

Bulle Roth und der Scherbentrick


Wir schnell ins Auto, der Seppi band mir ein Handtuch um die Zehen, aber als wir in der Sportschule ankamen, war der ganze Boden vor dem Beifahrersitz schon voller Blut. Es sah aus, wie in einem Schlachthaus. Wie sollten wir jetzt unbemerkt wieder auf das Gelände kommen, der Trainer durfte doch nicht merken, dass wir unerlaubt stiften gegangen waren! Also habe ich zum Sepp gesagt: »Komm, park du den Wagen, ich spring über den Zaun und lass mir was einfallen.« Ich schleppte mich irgendwie wieder aufs Gelände und schrie dann: »Aua, ich bin in eine Glasscherbe getreten!« Sofort kam Manager Robert Schwam mit unserem Masseur angelaufen, die beiden brauchten nur einen kurzen Blick auf die Wunde werfen und rasten mit mir ins Krankenhaus.

Erfundene Gespräche: Mit Branko Zebec im Trainerhimmel>>

Eine fürchterliche Operation, mit einem dicken Gips bin ich anschließend wieder in die Sportschule gehumpelt. Dort war schon der Teufel los, Branko Zebec hatte von der angeblichen Glasscherbe erfahren und ließ die ganze Belegschaft samt Mannschaft auf die Suche nach zerbrochenem Glas gehen. Natürlich haben sie nichts gefunden. Noch am gleichen Tag stellte Zebec ein handgemaltes Schild auf: »Ab sofort ist das Barfußgehen in der Anlage verboten!« Branko hat nie erfahren, was wirklich passiert ist. Der hätte mich sonst wahrscheinlich mit seinen Kieselsteinen aus München fortgejagt.

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