Jugendfußballer im Ausland
21.12.2008

Jugendfußballer im Ausland

Erwachsenwerden

In der aktuellen Ausgabe von 11FREUNDE berichten wir von Christopher Schorch, der nach zwei Spielen für Hertha zu Real Madrid wechselte. Der Traum vom großen Fußball im Ausland. Ihn träumten auch andere Jugendspieler.

Text:
Milan Jaeger und Andreas Bock
Bild:
Imago
Kolja Afriyie

Nicht dass Kolja Afriyies Karriere bis dato so richtig schlecht verlief, doch wer auf seine ersten Gehversuche im Profifußball blickt, wird sagen: sie hätte durchaus besser laufen können. Und vielleicht fragt sich Kolja Afriyie gelegentlich selbst, was gewesen wäre, wenn er am 12. Februar 2003 das Spiel seines Lebens gespielt oder zumindest eine solide Leistung abgeliefert hätte. Afriyie war damals Teil der deutschen U21-Nationalmannschaft, der Gegner hieß Spanien und sein Trainer Jürgen Kohler. Afriyie war aufgeregter als sonst, denn er wusste, dass Michael Skibbe auf der Tribüne saß, um ihn, die Neuentdeckung von Kohler, zu beobachten. Afriyie galt als einer von diesen großen Unbekannten auf dem Weg zur WM 2006, ein Spieler, der in den deutschen Medien nicht stattfand, obgleich er seine Karriere beim Hamburger SV gestartet hatte und nun im Ausland spielte. Doch Afriyie stand eben nicht bei Juventus Turin, Real Madrid oder Manchester United unter Vertrag, sondern beim AC Horsens, einer Mannschaft aus der Viasat Sport Division, der zweiten dänischen Liga. Afriyie galt dennoch als Perspektivspieler, als ein potentieller Kandidat für das Projekt 2006.



An diesem Tag im Februar 2003 gelang Afriyie allerdings gar nichts und so war das Spiel nach 25 Minuten für ihn beendet. Die Spanier hatten soeben das 3:1 geschossen – wieder einmal über die rechte, über seine Seite. Kohler schickte Hinkel aufs Feld. Afriyie verschwand mit gesenktem Kopf auf der Auswechselbank – und bald darauf auch wieder in der Versenkung.

Heute spielt Kolja Afriyie für den aktuellen dänischen Vizenmeister FC Midtjylland, gelegentlich schwappen noch Gerüchte über eine Rückkehr aus den zahlreichen Webforen. Einmal war es Hannover 96, dann der 1. FC Nürnberg, die angeblich an seiner Verpflichtung interessiert waren. Alles Seifenblasen, so scheint es. Denn Kolja Afriyie verlängerte im Oktober seinen Vertrag in Midtjylland bis 2011.  


Kevin Pezzoni

Kevin Pezzoni wagte schon sehr früh den Schritt ins Ausland. Er war einer von jenen, die extrem jung, 14-jährig, in die verstärkt auf sehr junge Talente setzende Premier League ging. Im Jahr 2003 wechselte er von Eintracht Frankfurt in die Nachwuchs Akademie der Blackburn Rovers. Nach fünf Jahren in Blackburn stand fest, dass er nicht den Sprung von der Jugendabteilung zum Profikader schaffen würde. Daraus zog Pezzoni seine Konsequenzen und unterschrieb im Januar 2008 beim damaligen Zweitligisten 1.FC Köln. Dort erhielt der 19-jährige seinen ersten Profivertrag. Er sei ein absoluter Perspektivspieler, sagte der FC-Manager Meier zu seiner Verpflichtung. In der zweiten Liga noch selten im Einsatz, gehört er in der aktuellen Saison zum festen Stamm der ersten Mannschaft. Seit dem 6. Spieltag hat der Mittelfeldspieler jedes Spiel von Anfang an gemacht.


Markus Neumayr

Immerhin 17 Jahre alt war Markus Neumayr als er bei Manchester United einen Vertag unterschrieb. Er verließ ebenfalls im Jahr 2003 die Jugendabteilung der Frankfurter Eintracht, weil auf ihn, wie er sagte, eine einmalige Chance wartete. In Manchester stieg er tatsächlich ins Profiteam auf und wurde Kapitän der Reserve Elf, dauerhaft konnte sich Neumayr aber nicht durchsetzen. Im Sommer 2006 kehrte er nach Deutschland zurück zum MSV Duisburg. In der folgenden Saison kam er immerhin zu fünf Einsätzen, als er aber nach dem geglückten Aufstieg in der 1. Bundesliga nur zu sporadischen Kurzeinsätzen kam, ging er abermals ins Ausland und kickt seit Beginn der laufenden Spielzeit in Belgien bei SV Zulte-Waregem.


Moritz Volz

Der Humorkritiker Hans Mentz sagte einmal über Moritz Volz: »Zwischen all den jungen und stockdummen Bravo Sport-Titelvorlagen wie Poldi oder Schweini ist Volz ein potentieller Nachfolger des drolligen Mehmet Scholl.« Und ein Journalist des britischen »Guardian« war so überrascht von der Tatsache, endlich mal einen lustigen Deutschen gefunden zu haben, dass er schrieb: »He is a German with a sense of Humor. What's more, he is a German footballer with a sense of humour.«

Und tatsächlich: Moritz Volz ist ein ziemlich lustiger Mensch. Um das festzustellen, braucht man sich nicht lange mit ihm zu unterhalten, es reicht ein Blick auf seine Internetseite: Hier glänzt fast jede Ecke mit doppelbödigen Witz oder (selbst-)ironischen Pointen. Mitunter mag man gar nicht glauben, dass die Seite volzy.com von einem Fußballspieler berichtet. Auf der Unterseite »Where it’s at«, einem kleinen England-Guide, findet sich zum Beispiel »Volzy’s German Phrase Book«. Hier kann sich der gemeine Deutsche vor seinem England-Urlaub über die gebräuchlichsten Phrasen informieren, etwa was der Satz »Wo kann ich mir meine VokuHila-Frisur blondieren lassen?« auf Englisch heißt (»Where can I get my mullet highlighted?«). Oder: »Wo kann ich die neue David Hasselhoff CD kaufen?« (»When is David Hasselhoff's new album out?«). In der Fotogalerie posiert Volz als Mitch Buchannon (»Baywatch«) mit Brusthaartoupet und roter Badehose, und in der Rubrik »A bit about me« plädiert Volz für die Olympische Disziplin Klappradfahren und berichtet von seinem Ziel, 2012 als professioneller Klappradfahrer die Goldmedaille zu gewinnen.

Doch Moritz Volz ist nicht nur lustig, er ist vor allem ein ziemlich guter Fußballspieler. Und ein außergewöhnlicher zugleich. Denn Volz verließ schon im Alter von 16 Jahren die Jugendmannschaft des FC Schalke 04, um die große Welt zu entdecken. Volz ging nach London, zum FC Arsenal. Nicht wenige hielten damals die Anfrage aus London für einen Aprilscherz, doch als klar wurde, dass hier niemand geflunkert hatte, stand das Telefon bei seinen Eltern im heimatlichen Siegen nicht mehr still. Später erzählte Volz, dass er sehr an Schalke 04 gehangen habe, doch die Neugierde in jenen Tagen einfach zu groß gewesen sei. Die Neugierde, etwas vollkommen Neues zu entdecken.

Beim FC Arsenal kam er allerdings nur in der zweiten Mannschaft zum Einsatz, für einen Monat wechselte Volz daher auf Leihbasis zum FC Wimbledon in die First Division, später, 2003, ging er zum FC Fulham. Hier feierte er seinen und des Klubs bis dato größten Erfolg: Der FC Fulham belegte am Ende der Saison den neunten Platz in der Premier League. Die Medien in Deutschland nahmen dennoch kaum Notiz von ihm: »Es war schon ein bisschen frustrierend, wenn im DSF unser Spiel gegen Liverpool gezeigt wird, ich mich ständig durchs Bild flitzen sehe und der Kommentator nur Dietmar Hamann erwähnt«, sagte Volz einmal über jene Zeit. 

Volz nahm es hin, spielte weiter, zumeist solide bis gut, und drängte sich angenehmerweise nie auf. Und das obwohl er mittlerweile ein gestandener Profi ist, der bis heute 105 Premier-League-Spiele machte. Den erhofften Anruf bekamen dennoch stets andere – Tobias Weis oder Marcel Schäfer nach ein paar Bundesligaspiele. Volz wird auch das hinnehmen, und weiter warten. 


Dennis Krol
Mit großen Erwartungen und erst 13-jährig war Dennis Krol 2003 zum FC Barcelona gewechselt. Damit war er der seit langem einzige deutsche Nachwuchsspieler in Spanien und wähnte sich auf Schusters Spuren. Er fiel den Scouts aus Barcelona auf, als er noch in der Jugend von Bayer 04 Leverkusen im zentralen Mittelfeld die Fäden zog. Leverkusen besitzt eine der besten Jugendabteilungen Deutschlands. Doch der große Traum an der Seite von Lionel Messi und Ronaldinho zu spielen gab dann den Ausschlag, dafür dass der Junge dann zusammen mit seinem Vater nach Barcelona zog. Mittlerweile steht er vor einer Rückkehr nach Leverkusen. Zuletzt hatte er in seiner Entwicklung stagniert. »Von 1.000 schafft bei Barca ein einziger den Durchbruch«, sagt der heute 17-jährige. Sein nächstes Ziel ist nun die Bundesliga, entweder in den Reihen in Leverkusen oder in Dortmund. Früher war er nämlich Borussia Fan.


Thomas Hitzlsperger

Dass nicht nur Spieler von kleineren Vereinen ihr Glück im Ausland suchen zeigt das Beispiel von Thomas Hitzlsperger. Mit 18 Jahren ging er von der Jugend des FC Bayern zum Aston Villa FC, weil er sich dort bessere Entwicklungsmöglichkeiten ausrechnete. Er schaffte dort auch tatsächlich den Durchbruch, machte in vier Jahren 99 Spiele und erzielte acht Tore. Als ihm 2005 der VfB Stuttgart ein Angebot unterbreitete griff er zu und kam mit dem Spitznamen »The Hammer« im Gepäck zu den Schwaben. Mit seinen 26 Jahren gehört Hitzlsperger mittlerweile zu den etablierten Kräften im deutschen Fußball und ist somit ein Beweis der guten Nachwuchsarbeit in England. 2007 hatte er großen Anteil am Gewinn der Meisterschaft der Stuttgarter und ist in der Nationalmannschaft zum Stammspieler aufgestiegen.
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