Jürgen Klinsmanns ominöser Motivationscoach

Der Mann, der Bratpfannen zerdrückt

Der Guru in Jürgen Klinsmann ist zurück. Vor dem Spiel gegen Jamaika lud der Trainer der USA einen Motivationscoach ein, der im Beisein seines Teams Telefonbücher zerriss und Bratpfannen zerdrückte. Wir sind begeistert.

Donnie Moore ist 55 Jahre alt und ein Gewinnertyp. Er lacht, er scherzt, er spricht laut und eindringlich. Er wirkt wie einer dieser Fitnesstrainer a.D., die in US-amerikanischen Teleshopping-Sendungen Eiweißpräparate verkaufen. Irgendwann mittwochmorgens, 11 Uhr. Doch Donnie Moore kann viel mehr als das. Donnie Moore ist Motivationscoach.
 
Über den Mann gibt es etliche Videos im Internet. Eines zeigt ihn bei einer Veranstaltung, die sich »Reality Legends« nennt. Er steht da auf einer Bühne und zerrupft zwei Telefonbücher. Im Publikum sitzen Nachwuchs-Eiweißpräparatverkäufer. Sie tragen Tribal-Tattoos, Muskelshirts und Stirnbänder. Sie feuern Donnie an. Und sie applaudieren, als dieser am Ende seiner Show schreit: »Be yourself!«


 
In einem anderen Video sieht man Donnie auf einer Kanzel einer Kirche stehen. Er hat einen Baseballschläger in der Hand und erzählt, dass Gott ihm sehr viel Kraft gab. Dann ruft ein Ansager: »Come on! Let’s go!« Und Donnie nickt und bläst die Backen und zerteilt den Baseballschläger mit seinen bloßen Händen.

»Es ist wichtig, eine Vision zu haben«
 
Manchmal wird Donnie von Sportmannschaften eingeladen. Einmal, im März 2009, war er etwa zu Gast bei den New York Yankees. Vor ihrem Spiel gegen die Tampa Bay Rays wollte Manager Joe Girardi seine Spieler motivieren. Auch hier zerdrückte und zerteilte Donnie. Dieses Mal holte er sogar eine Bratpfanne hervor, die er wie einen Pfannkuchen einrollte. Danach sagte er: »Du kannst tun, was du tun willst.« Die Spieler applaudierten und Joe Girardi sagte: »Dank Donnie sehen wir, wo wir im Leben stehen. Es ist wichtig, eine Vision zu haben.«
 
Donnie ist mittlerweile eine dicke Nummer in den USA. Die Leute hängen an seinen Lippen und Donnie hat einen vollen Terminkalender. Wenn Donnie spricht, geht es den Menschen gut. Wenn Donnie predigt, weiß der Zuhörer: Alles wird gut. Vermutlich könnte Donnie Krisen im Südkaukasus befrieden oder Herztransplantation vornehmen – doch er zerreißt weiterhin Telefonbücher und rollt Bratpfannen ein. Donnie, der Guru, hat einen Auftrag.

»Ihr müsst an den Sieg glauben«
 
Wenig verwunderlich, dass Jürgen Klinsmann ein großer Fan von Donnie ist. Nun hat der US-Nationaltrainer den Mann endlich eingeladen. Er sollte die US-Nationalspieler für ihre kommenden WM-Qualifikationsspiele motivieren. Und so stand er vor ihnen, in einem Trainingsanzug, an den Handgelenken trug er Schweißbänder. Er sprach wieder laut und eindringlich. Er sagte: »Wenn ihr keine Ziele habt, werdet ihr im Leben nichts erreichen!« Und dann: »Wenn ihr keine Ziele habt, wird jemand anders euch dafür benutzen, seine Ziele zu erreichen!« Schließlich: »Ihr müsst an den Sieg glauben.«


 
Donnie zerriss wieder Telefonbücher, er zerteilte wieder einen Baseballschläger und er rollte wieder eine Bratpfanne ein. Die Spieler waren begeistert. Sie klatschten, sie jubelten, sie filmten. Maurice Edu, Mittelfeldspieler des US-Teams, war sich sicher, dass »jeder ein bisschen was mitgenommen hat«, und Jozy Altidore wusste nach dem Vortrag: »Man muss den Glauben haben, etwas Spezielles zu schaffen.« Das alles fand am Freitag statt. Am Samstag absolvierte die USA ihre dritte Partie in der WM-Qualifikation– und verlor zum ersten Mal in ihrer Fußballgeschichte gegen Jamaika. Donnie trifft allerdings keine Schuld an der Niederlage. Jürgen Klinsmann sagte: »Ich übernehme die Verantwortung.«

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