17.02.2013

Juan Román Riquelme ist zurück bei Boca

»Die Bombonera hat gesprochen«

Seite 2/3: Die Entfremdung
Text:
Kai Behrmann
Bild:
Imago

Die Entfremdung
»Wenn ich 80 Jahre alt bin, dann stehe ich Boca wieder zur Verfügung. Aber ich habe nie gesagt, dass ich nochmal in kurzen Hosen zurückkehren werde.« Juan Román Riquelme

Nach seinem Abschied zieht Riquelme sich ins Private zurück. Der bis Mitte 2014 laufende Kontrakt wird auf Eis gelegt. In seinem Domizil in Don Torcuato am Rande der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires genießt der Boca-Spielmacher a.D. Mate-Runden mit Freunden und Grillabende im Kreise der Familie. Gelassen wartet er auf Angebote. Die Anfragen lassen auch nicht lange auf sich warten. Kaum ein Tag vergeht, in dem nicht über den künftigen Arbeitsgeber von Riquelme spekuliert wird. Die meisten Spuren führen nach Brasilien. Cruzeiro und Palmeiras sind heiß auf den Argentinier. Ein Wechsel scheitert aber. Riquelme bleibt in Lauerstellung, hält sich in Eigenregie fit. Interessenten in Argentinien schreckt derweil die Abfindung ab, die Boca für die Freigabe an einen Ligakonkurrenten aufruft: 2,1 Millionen US-Dollar.

Die Wochen verstreichen. Während Riquelme den Privatmann gibt, stümpert Boca ohne seinen Taktgeber im Mittelfeld bieder durch die Saison. Vielleicht bereut der Star seine Entscheidung schon ein bisschen, als er Mitte November überraschend sagt: »Wenn Boca mich will, stehe ich zur Verfügung. Im Dezember schauen wir weiter.« Die Tür für eine Rückkehr scheint sich überraschend einen Spalt zu öffnen. Etwa mangels Alternativen? Oder spekuliert Riquelme gar auf eine baldige Entlassung des ungeliebten Falcioni? Immer wieder kursiert der Name des legendären Boca-Trainers und Riquelme-Intimus Carlos Bianchi rund um die Bombonera.

Tatsächlich muss Falcioni Mitte Dezember seine Koffer packen. Der Vertrag wird nicht verlängert. Trotz eines 2:1 gegen Godoy Cruz wird Falcioni gnadenlos vom eigenen Publikum ausgepfiffen. Boca-Boss Angelici gibt anschließend dem Fan-Votum statt: »Die Bombonera hat gesprochen.«
Kommt Riquelme nun zurück? Nein. Bereits wenige Tage zuvor hatte dieser sich selbst widersprochen und erklärt: »Wenn ich 80 Jahre alt bin, dann stehe ich Boca wieder zur Verfügung. Aber ich habe nie gesagt, dass ich nochmal in kurzen Hosen zurückkehren werde.« Einmal so richtig in Fahrt, legt Riquelme nach: »Auch wenn Bianchi zurückkehrt, komme ich nicht zurück. Ich glaube ohnehin nicht, dass das eintreten wird.« Er soll sich täuschen.

Der Superstar in der Zwickmühle
»Ich kann mein Wort nicht brechen. Zu Boca kehre ich nicht zurück.« Juan Ramón Riquelme

Kaum ist der Bianchi-Deal perfekt, fordert dieser von der Klubführung: Holt mir Riquelme! Ende 2012 kommt es zu einem Treffen im Haus von Bianchi. Riquelme erklärt hinterher trocken: »Ich bin nur zum Mate-Trinken dagewesen.« Doch er liebäugelt mit der Aussicht, unter seinem großen Mentor und väterlichen Freund zu spielen. Gemeinsam hatten sie unter anderem zweimal die Copa Libertadores gewonnen.

Kurz nach dem Jahreswechsel soll der Coup besiegelt werden. Doch dann das: Es gibt Unstimmigkeiten bei Vertragslaufzeit und Gehalt. Am Tag, als Bianchi offiziell seine dritte Amtszeit als Boca-Trainer antritt, macht Riquelme einen Rückzieher: »Ich kann mein Wort nicht brechen. Zu Boca kehre ich nicht zurück.« Eine Aussage, die er aber im nächsten Satz wieder mit einem Fragzeichen versieht. Man weiß ja nie. »Ich habe Carlos gesagt, dass es sehr schwer sein wird, mich umzustimmen«, so Riquelme. Argentiniens Ex-Nationalspieler in der Zwickmühle. Ein Gefangener seiner eigenen Worte.

Die Vorbereitung beginnt ohne Riquelme. Schnell zeichnet sich ab, dass Bianchi mit dem vorhandenen Personal den Abgang von Riquelme nicht kompensieren kann. Die Fans werden unruhig. Boca verliert das erste Testspiel gegen den Erzrivalen River Plate. Riquelme ätzt: »Boca hat keinen herausragenden Spieler in seinen Reihen.« Äußerungen, die bei seinen Ex-Teamkollegen nicht gut angekommen sein dürften. Besonders bei Augustín Orion, in dessen Richtung Riquelme abschätzig nachlegt: »Heute kann jeder Kapitän von Boca sein.«

 
 
 
 
 
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