17.02.2013

Juan Román Riquelme ist zurück bei Boca

»Die Bombonera hat gesprochen«

Bei so viel Hin und Her hatten am Ende wohl selbst die eingefleischtesten Boca-Fans große Mühe zu folgen. Nachdem Juan Román Riquelme im vergangenen Jahr seinen endgültigen Abschied erklärt hatte, kehrt er nun nach einer siebenmonatigen Posse doch in die Bombonera zurück. 

Text:
Kai Behrmann
Bild:
Imago

Die Beziehung schien am Ende. Nichts ging mehr zwischen Juan Román Riquelme und den Boca Juniors. Er fühle sich leer und ausgebrannt. In knapp 400 Partien hatte er die Farben des Klubs seines Herzens verteidigt. Nun sei das Feuer erloschen, sagte Riquelme im vergangenen Jahr nach dem verlorenen Finale der Copa Libertadores gegen den brasilianischen Klub Corinthians. Die Boca-Fans weinten.

Nun ist Riquelme plötzlich wieder da. Vorausgegangen war eine siebenmonatige Posse, auf die jeder Drehbuchautor einer südamerikanischen Telenovela stolz gewesen wäre. Leidenschaft, Eitelkeiten und Intrigen. Eine argentinische Seifenoper in mehreren Akten.

Die Trennung
»Ich fühle mich leer und kann dem Klub nichts mehr geben.« Juan Román Riquelme

São Paulo, 4. Juli 2012. Aus der Traum. Zu gerne hätte Riquelme seine Karriere mit dem elften Titel im Dress der Boca Juniors gekrönt. Noch einmal die Copa Libertadores gewinnen. Vielleicht hätte er dann an gleicher Stelle sogar seinen sofortigen Rückzug vom Profifußball verkündet. Doch dann kommt alles ganz anders. Seine Kollegen stehen noch unter der Dusche, als Riquelme in den Katakomben der Corinthians-Arena versucht, die 0:2 Niederlage im Rückspiel in Worte zu fassen. Die Spielanalyse gerät allerdings schnell zur Nebensache. Mit brüchiger Stimme verkündet Riquelme plötzlich seinen Abschied von Boca: »Ich werde nicht weitermachen. Ich fühle mich leer und kann dem Klub nichts mehr geben.« Adios, der Kapitän geht von Bord.

Nie wieder Boca. Die Fans sind geschockt. Ihr großes Idol dankt ab. Voller Zuneigung ruft er ihnen im Gehen noch zu: »Ich liebe die Boca-Anhänger«. Das Herz geht auf. Und verkrampft sich zugleich wieder beim Gedanken, den genialen Spielmacher künftig im Trikot eines anderen Klubs zaubern zu sehen. Denn die Lust am Fußball an sich hat Riquelme nicht verloren. Nur bei Boca ist ihm unter der Ägide des stets grimmig dreinblickenden Trainers Julio César Falcioni der Spaß zusehends abhanden gekommen. Was Riquelme nie ausspricht, macht Boca-Präsident Daniel Angelici schließlich öffentlich: »In den zwischenmenschlichen Beziehungen gab es Probleme.« Also doch. Vielleicht missfällt Riquelme aber auch, dass die Klubführung eher auf der Seite des humorlosen Taktikers Falcioni steht, statt ihm, dem begnadeten Lustfußballer, den Rücken zu stärken. Riquelme, ein gekränkter Narziss, der schmollend das Weite sucht?

Sei’s drum. Die wahren Gründe für seinen Rückzug wird er irgendwann vielleicht in seiner Biographie offenbaren. Seine sportliche Zukunft legt er derweil in die Hände seines Sohnes Augustín: »Wenn er mich darum bittet, spiele ich noch eine Weile weiter. Aber nicht bei Boca.«

 
 
 
 
 
123
Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden