Jose Mourinho trifft Louis van Gaal

Dem Himmel so nah

Mit Blick auf die Protagonisten ist das Champions-League-Finale von fast sakraler Bedeutung. In der Stadt, in der viele Einheimische den Namen Jesús tragen, treffen zwei Trainer mit scheinbar übernatürlicher Aura aufeinander. Jose Mourinho trifft Louis van GaalImago Das Champions-League-Endspiel in Madrid ist nicht nur ein Spiel zwischen dem FC Bayern und Inter Mailand, es ist das Kräftemessen zweier Fußballlehrer, die sich von Kindesbeinen an zu Höherem berufen sahen. Beide Trainer sind streng katholisch und mischen ihrem eigenen Selbstverständnis beharrlich etwas Spirituelles bei.

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So sagte Louis van Gaal zu Beginn der Saison, er sei wie Gott, ruderte dann aber aufgrund öffentlicher Kritik zurück. Auch José Mourinho ließ einst wissen, dass er gleich nach Gott komme – zumindest was seine Popularität in Portugal angehe. Und dass er außerhalb Portugals nicht immer everybody’s darling sei, störe ihn nicht weiter. Denn er stellte fest: »Auch Jesus wurde nicht von jedem geliebt.« Geliebt zu werden, ist zweitrangig für die Fußballschöpfer. Was sie interessiert, ist der Erfolg. Und davon haben sie reichlich: Van Gaal und Mourinho sammeln Titel wie andere Panini-Bilder. Sie zählen zu den erfolgreichsten Trainern der Welt – und zu den streitbarsten.

»Selbstbewusst, arrogant, dominant.« So beschreibt sich der exzentrische Niederländer selbst. Gleiches könnte man auch über Mourinho sagen.
In der Fachwelt hört sich dieser Dreiklang mitunter anders an: »Selbstverliebt, aufgeblasen, distanziert«, urteilen Kritiker. So nannte der niederländische Nationaltrainer Marco van Basten seinen Vorgänger van Gaal einmal den wohl schlechtesten Bondscoach der vergangenen 20 Jahre.
Für Bayern scheint er der Richtige, und das weiß er auch, lässt er doch keinen Zweifel daran, wem der Erfolg zu verdanken ist: ihm selbst.

Mourinho gilt als Ziehsohn Van Gaals


Inter-Coach Mourinho ist mit einem ähnlichen Selbstvertrauen gesegnet. Seitdem er beim FC Barcelona drei Jahre lang als Co-Trainer an der Seite von van Gaal gelernt hat, gilt er als eine Art Ziehsohn des Niederländers. Seither ist es schwieriger, Unterschiede zwischen den beiden zu finden, als die de-Boer-Zwillinge auseinander zu halten. Einen der Gegensätze zeigt van Gaal selbst auf. Mourinho verstehe es, die Ordnung des Gegners zu zerstören: »Er kann die Ordnung organisieren, um Bayern München kaputtzuspielen«, sagte der FCB-Coach im «Aktuellen Sportstudio« und erklärte weiter, dass er selbst zwar auch auf Disziplin setze, aber nicht, um zu zerstören. Er lasse lieber attraktiven Angriffsfußball spielen.

Also: Der Puritaner gegen den Feingeist? Ganz so einfach ist es nicht. Mourinho versteht sich zwar auf wenig wertgeschätzte Mittel der Defensivkunst, doch das ist nur eines seiner Erfolgsrezepte. Denn Attraktivität ist dem Inter-Spiel nicht fremd. Nur, wenn nötig, lassen sie die Puderdose stecken.
Mourinho hat angekündigt, dass er und Van Gaal sich umarmen wollen, vor und nach dem Spiel – unabhängig von dessen Ausgang. Beide wissen aber: Auf dem Weg zu Europas Fußball-Olymp zählt nur ein Sieg. Der Portugiese scheint allerdings schon weiter zu denken. Angeblich steht er vor einem Wechsel zu Real Madrid. Dort wäre es sein Job, die einst »Galaktischen« zurück in ihre Galaxie zu führen.

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