Jose Maria Bakero in Polen

Im Exil

Einst war Jose Maria Bakero strahlender Star und Kapitän vom FC Barcelona. Mittlerweile trainiert der Spanier einen Verein im weniger ruhmreichen Polen – mit allerdings mäßigem Erfolg, wie unser Polen-Experte Thomas Dudek weiß. Jose Maria Bakero in Polen Als deutscher Journalist kann man es sich einfach machen, wenn man einen Artikel über Jose Maria Bakero schreibt. Es reicht das Wort »Kaiserslautern-Schreck« und schon hat man einen Opener, der die ganze Karriere des ehemaligen Kapitäns des FC Barcelona auf ein einziges Tor reduziert: 1991 erzielte Bakero auf dem Betzenberg das entscheidende 3:1 und beendete so die europäischen Träume der »Roten Teufel«, die in Kaiserslautern den 2:0 Rückstand aus dem Hinspiel egalisierten und schon von der nächsten Runde im Pokal der Landesmeister träumten.

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Doch Bakero hat es nicht verdient, nur auf dieses eine Tor reduziert zu werden. Sechs spanische Meisterschaften, zwei Pokalsiege, fünf Erfolge im spanischen Superpokal, sowie alle Titel in den europäischen Vereinswettbewerben, inklusive des heute nicht mehr existierenden Pokals der Pokalsieger, schmücken die Vita des 47-jährigen Spaniers.

Bakero hat nur die glorreiche Vergangenheit

Weniger erfolgreich verlief jedoch die bisherige Trainerlaufbahn des Basken, der bei Barcelona zunächst Assistent von Luis van Gaal war. Während seine einstigen Mitspieler Ronald Koeman, Michael Laudrup und allen voran Josep Guardiola auch als Trainer ihre Duftmarken im Weltfußball setzen konnten, gehört Bakero zum Heer der ehemaligen Profifußballer, deren einzige Reputation in dem Trainerjob die glorreiche Vergangenheit als Spieler ist. Real Sociedad trennte sich 2006 nach nur sieben Spieltagen von seinem einstigen Schützling. Beim FC Valencia, wo Bakero ab Ende 2007 als Co-Trainer arbeitete, wurde der Baske im April 2008 zusammen mit dem Cheftrainer Ronald Koeman davongejagt.

»Wäre ich wirklich gut, würde ich heute in der Primera Division arbeiten«, sagte Bakero schlussfolgernd im Dezember vergangenen Jahres. Zu dem Zeitpunkt saß der ehemalige Mittelfeldspieler jedoch nicht untätig in seinem Wohnzimmersessel herum, sondern ging seinem Job als Trainer nach. Dies allerdings in einer Liga, die in den vergangenen Jahren mehr durch Korruptionsskandale, als durch sportliche Erfolge auf sich aufmerksam gemacht hat. Im November wurde Bakero Trainer des polnischen Erstligisten Polonia Warschau.

Die Kameras sind immer auf ihn gerichtet

Die polnischen Medien stürzten sich auf den einstigen Weltstar. Bei Bakeros Ankunft in Warschau war jede Redaktion, die nur etwas von sich hält, mit mindestens einem Journalisten am Flughafen vertreten. Und diese ließen den Spanier in den ersten Wochen seines Schaffens auch nicht mehr aus den Augen. Egal ob bei Trainingseinheiten oder den Ligaspielen, eine Kamera war mindestens immer auf den Spanier gerichtet.

Das Interesse der polnischen Presse lässt sich aber nicht allein mit den einstigen Ruhm des Jose Maria Bakero erklären. Auch Jozef Wojciechwoski, Präsident von Polonia Warschau, spielt bei dem Medienrummel eine ganz wichtige Rolle.

Der Millionär, der sein Geld in der Baubranche verdient und im vergangenen Jahr Platz 43 in der Rangliste der 100 reichsten Polen belegte, ist der exzentrischste Klubeigner im polnischen Fußball. 2006 übernahm Wojciechowski die Aktienmehrheit bei dem ältesten Klub der polnischen Hauptstadt, der seit Jahrzehnten im Schatten des Lokalrivalen Legia steht und zu dem Zeitpunkt in der 2. Liga vor sich hindümpelte. Da der Aufstieg in die 1. Liga sportlich nicht gelang, kaufte Wojciechowski 2008 von dem fußballmüde gewordenen Millionär Zbigniew Drzymala kurzerhand die Aktien des Erstligisten Groclin Dyskobelia Grodzisk, mitsamt der Erstligalizenz und einer Mannschaft, die stets um einen UEFA-Cup-Platz mitspielte.

Der Gil y Gil Polens

Es war eine Investition, die sich auszahlte. In der Saison 2008/09 errang Polonia einen internationalen Startplatz. Ein Erfolg, den Wojciechowski in der darauf folgenden Saison wiederholt sehen wollte. Doch anstatt um einen Podiumsplatz, spielte der Klub gegen den Abstieg. Ein Saisonverlauf, der Wojciechowski dazu brachte, seinen Ruf als Jesus Gil y Gil des polnischen Fußballs zu festigen. Allein im Jahr 2009 entließ der Bauunternehmer vier Trainer.

Um nicht auch noch Bakero eine Abfindung zahlen zu müssen, galt der Vertrag zunächst nur für die letzten vier Spiele der Hinrunde. Doch der Spanier nutzte seine Chance und überzeugte den exzentrischen Klubeigner von sich. Wojciechowski gab Bakero nicht nur einen Vertrag bis zum Sommer 2012, sondern auch gleich mehrere Millionen Zloty für Neuverpflichtungen.

Nach den ersten Spielen der Rückrunde bekam Wojciechowski jedoch die ersten Zweifel an den Fähigkeiten Bakeros. Von den vier Neuverpflichtungen, die der ehemalige Barca-Spieler empfahl, erwiesen sich drei als Flops. Und auch spielerisch machte die Mannschaft keine Fortschritte. Statt sich vom Tabellenende abzusetzen, kämpfte der Hauptstadtverein weiterhin gegen den Abstieg. Erst am vorletzten Spieltag konnte Polonia Warschau den Klassenerhalt sichern, und dies ausgerechnet mit einem 1:0 gegen den großen Stadtrivalen. Dem ersten Heimsieg gegen Legia seit 60 Jahren.

Klubaktion statt Zloty

Zu diesem Zeitpunkt war Bakero angeblich aber nicht mehr allein für die sportlichen Belange verantwortlich gewesen. Wie die Presse munkelt, soll mittlerweile Stefan Majewski, Trainer der polnischen U-23-Auswahl, bei der Mannschaftsaufstellung und Taktik kräftig mitreden, was von der Klubführung bis heute weder bestätigt noch dementiert wurde. Und das ist nicht besonders überraschend. Da durch Bakero das Interesse der Medien an Polonia Warschau gestiegen ist, plant man auch für die nächste Saison mit dem Spanier als Cheftrainer.

Noch einmal gegen den Abstieg möchte der erfolgshungrige Wojciechowski seine Mannschaft aber nicht spielen sehen. Als Zielvorgabe für die nächste Saison wünscht sich der Millionär die Meisterschaft. Und falls dieses Kunststück gelingt, bot er Bakero eine ganz besondere Prämie. Zwischen eine Million Zloty, umgerechnet 250.000 Euro, und 25 Prozent der Klubaktien durfte Bakero auswählen. Der Spanier entschied sich für die Klubaktien.

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