28.04.2013

John Westwood: Ein Doppelleben zwischen Büchern und Fussball

Hobbys: Lesen und Fußball!

Seite 3/4: »Fußball ist die beste Schule fürs Leben«
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Alan Powdrill

»Ja, im Stadion laufen nur noch Touristen herum!«, schaltet sich Mike ein. Er ist nur einer von vielen, die hier in Westwoods Wohnzimmer ein- und ausgehen, als wäre es ein Pub. Dort sitzen Typen, die sich einen Kaffee holen, während ihre Tätowierung trocknet. Denn wenn John Westwood zu seiner Wohnung gelangen will, muss er durch ein Tattoo-Studio gehen. An den Kabinen vorbei, die Nadeln surren, die Türen quietschen. Für ihn ist das alles kein Problem. Während er an der Spüle Wasser in die Kanne gießt, sagt er: »Je mehr Typen hier rumhängen, umso besser ist die Stimmung. Sie sind eh alle Pompey-Fans, von daher kommen wir klar.« Es gibt eine Dartscheibe, Barhocker, einen Ventilator, Zapfhähne, drei Pay-TV-Boxen. Sie kosten Westwood an die 90 Pfund im Monat, aber so kann eben jeder das Spiel schauen, nach dem ihm gerade ist. Oder was sonst so in der Glotze läuft.

Westwood geht in den Garten, während seine Kumpels sich eine Dokumentation über den römischen Dichter Persius auf dem History-Channel und dann auf dem Discovery-Channel eine über Schwertfische ansehen. »Was ist das eigentlich wieder für eine Scheiße mit den Steuern?«, fragt einer. An diesem Tag kursiert die Meldung, dass Portsmouth FC 1,6 Millionen Pfund an Steuern nachzuzahlen habe. 2008 feierte der Klub mit dem Gewinn des FA-Cups den größten Erfolg in der jüngeren Vereinsgeschichte. Er wurde zum Spielball von Investoren, nur ein Jahr später stellte er als erster Verein der Premier League einen Insolvenzantrag und stieg ab. Heute kämpft Pompey gegen den Abstieg aus der zweiten Liga.

Gab es jemals einen Punkt, an dem Sie dem Fußball und Pompey den Rücken kehren wollten?
Nein, niemals! Je schlimmer es mit dem Verein wurde, umso mehr fühlte ich mich ihm verbunden. Man muss nun einmal für seinen Verein einstehen. Schon damals war das so, in den harten achtziger Jahren. Damals gab es bei jedem Spiel Krawall, da haben wir häufig auf die Fresse bekommen. Doch deswegen lässt du es doch nicht bleiben, dorthin zu gehen. Du gehst erst recht hin. Fußball ist wie eine Achterbahn, die beste Schule fürs Leben. Je mehr schlechte Zeiten du mitmachst, umso mehr schätzt du die guten. An einem Wochenende haust du den Spitzenreiter weg, am anderen verlierst du gegen den Letzten. An einem Tag lernst du die Frau deines Lebens kennen, am anderen verlässt sie dich. Der Fußball lehrt dich: Bleib am Ball, hau dich rein, dann wird schon alles gut.
 
Aber gerade die letzte Zeit war für Sie und Ihren Verein doch sehr hart. In Manchester haben die Fans ihren Verein selbst neu gegründet. Würden Sie so etwas auch in Erwägung ziehen?
Für die Investoren waren wir nur ein Spielzeug. Doch wenn man den Klub zugrunde gehen lassen würde, dann würde man auch 114 Jahre Historie verlieren, all die Erinnerungen, die zwei FA-Cup-Siege, die großartigen Spieler. Ich kann diesem Klub nicht den Rücken kehren, eher sollten wir die Investoren wegjagen und ganz unten wieder anfangen. Ganz egal, wie weit wir heruntergereicht werden, diese Stadt wird immer für den Verein leben. Das ist es, was den Klub unkaputtbar macht: die Bedeutung, die er für die Menschen hat.

Wie meinen Sie das?
Portsmouth ist eine Stadt mit einer starken Outsider-Mentalität. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs haben sie in England die anderen Städte wieder aufgebaut, Portsmouth wurde links liegengelassen. Es ist eine bettelarme, aber eine aufrechte Stadt. Eine Arbeiterstadt. Und die einzige Stadt Englands auf einer Insel. Also verhalten die Leute sich hier auch wie auf einer Insel: Wir gegen den Rest der Welt. Wir sind Portsmouth! Wir sind noch nicht einmal England, wir sind Portsmouth! Ganz egal, wie viel Geld du verdienst oder wie du aussiehst, du bist hier willkommen, wenn du dich respektvoll verhältst. Aber behandelst du die Leute von oben herab, dann, glaub mir, klatschen sie dir ein paar. Die Leute sind rau, aber ehrlich. Und sie schätzen nichts mehr als ein gutes Bier und Pompey. So einfach ist das.

 
 
 
 
 
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