John Barnes und das Cantona-Trikot

Jäger, kein Sammler

Ihr braucht eine Pause in all dem Champions-League-Wahnsinn? Dafür sind wir doch da. Und erzählen euch die kleine Geschichte von John Barnes, »Razor« Ruddock und dem Trikot von Eric Cantona.

Fußballtrikots waren schon immer viel mehr, als nur ein Kleidungsstück. Sie sind die optische Verbindung zwischen Spielern und Verein, zwischen Spielern und Fans. Fußballer mögen austrainierte Athleten, Fußballfans aufgeschwemmte Faulpelze sein, das Trikot ihres Vereins tragen sie beide. Kein Wunder, dass es schon immer Trikots waren, die als größtes Souvenir dieses Sports galten.

Dabei gilt die nachvollziehbare Regel: Je berühmter der Träger des Trikots, je legendärer das Spiel, bei dem er es trug, desto wertvoller ist es. 2002 wurde das Leibchen, dass Pelé 1970 im WM-Finale gegen Italien vollschwitzte, für sagenhafte 260.000 Euro versteigert. Zwei Jahre später kam auch das Trikot unter den Hammer, das der Brasilianer 1958 bei seinem ersten WM-Titel getragen hatte. Verkaufswert: 86.500 Euro.

30.000 Euro für die Tränen von Paul Gascoigne

An Trikots und ihrem Sammlerwert lässt sich auch wunderbar der ganz normale Fußball-Wahnsinn beobachten. Hierbei gilt die zweite nachvollziehbare Regel: Je kurioser, spektakulärer oder tragischer die Geschichte eines Trikots ist, desto wertvoller wird es für seinen alten oder neuen Besitzer. Knapp 30.000 Euro brachte 2004 ein WM-Jersey von Paul Gascoigne ein. Und zwar nicht irgendein Leibchen, dass der exzentrische englische Mittelfeldstar bei seinem einzigen WM-Turnier 1990 getragen hatte, sondern das Trikot aus dem Halbfinale gegen Deutschland. Ein Wahnsinns-Angebot deshalb, weil allein die Tränen, die »Gazza« nach seiner zweiten gelben Karte (die ihn für ein mögliches Finale gesperrt hätte) den Schätzwert verdoppelten.

Insofern ist es geradezu fahrlässig, was sich John Barnes am 11. Mai 1996 leistete. Seine Mannschaft, der FC Liverpool, hatte soeben das FA-Cup-Finale gegen den großen Rivalen von Manchester United verloren. Uniteds Superstar Eric Cantona war nach 85 Minuten der einzige Treffer des Tages gelungen: Ein herrlicher Volleyschuss, den der Franzose cantonaesk von der Strafraumgrenze verwandelte. Nach dem Spiel tauschten die Kapitäne Cantona und Barnes ihre Trikots. Cantona ging feiern, Barnes unter die Dusche.

John Barnes, dürfen wir Dein Hemd haben?

In Liverpools Kabine, so hat es der »Watford Observer« nun erfahren, spielte sich dann folgende Szene ab: Barnes, immer noch stinkwütend, schmiss das rote Leibchen auf den Boden, brüllte noch ein paar unfeine Dinge und verabschiedete sich unter die Dusche. Als er auch nach der Ganzkörperreinigung keine Anstalten machte, das Tauschobjekt vom Boden aufzuheben, bat Kollege Neil »Razor« Ruddock darum, es einstecken zu dürfen. Barnes, weiterhin auf 180, schiss seinen Verteidiger daraufhin zusammen. Was der wohl als »ja« wertete und Cantonas Manchester-Hemd einsackte.

Vor wenigen Tagen hat Neil Ruddock das Trikot von Eric Cantona bei einer Versteigerung in London zum Verkauf angeboten. Die Experten schätzten das Teil mit dem markanten Kragen auf 9.000 bis 14.000 Euro. Ein Käufer bot 17.500 Euro und bekam den Zuschlag. Nicht ganz so viel wie das Finaltrikot von Pelé, aber doch eine stattliche Summe für ein verweigertes Souvenir, das schon auf den kalten Fliesen in den Kabinen des Wembley-Stadions zu enden drohte. Ob John Barnes geweint hat, als er von dieser Geschichte hörte? Und: Ob wir wohl das Hemd haben könnten, in das Barnes seine kostbaren Tränen vergoss?

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!