Joel Matips Abgang wird auf Schalke alles verändern

Was hat dich bloß so ruiniert?

Özil, Neuer, Draxler, Matip: Regelmäßig verlassen den FC Schalke seine hoffnungsvollsten Talente, um in ihrer Karriere durchzustarten. Für den Verein wird das alles verändern.

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So richtig überrascht war eigentlich keiner, als die Nachricht von Joel Matips Wechsel zum FC Liverpool gestern über den Äther tickerte. Stolze 16 Jahre spielt der 24-Jährige nun schon in Gelsenkirchen und hat in diesen Jahren seinen Herzensklub in allen Aggregatzuständen erlebt. Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Er sah teure Stars kommen und schnell wieder gehen, erlebte Trainer, die die Grandezza der Königsklasse vor sich hertrugen und schon mit einem schnöden Bundesligaspiel überfordert waren.

Eine echte Leistung

Ja, man kann behaupten, dass Joel Matip auf Schalke alles erlebt hat, ohne groß zu klagen. Das an sich ist schon eine echte Leistung. Dass er nun einen Tapetenwechsel anstrebt ist nachvollziehbar. Für Schalke 04 ist es jedoch eine schallende Ohrfeige.

Der Verein ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt

Denn Matips Abgang ist mehr als das traurige Ende einer großen Liebe. Es ist eine Zäsur für den Klub. Seit Jahren produziert die hochgelobte Schalker Knappenschmiede in beeindruckender Regelmäßigkeit Talente, nach denen sich binnen kürzester Zeit halb Europa die Finger leckt. Da der Verein jedoch viel zu sehr mit sich und seinem Selbstverständnis als europäischer Topklub beschäftigt ist, merkt niemand, dass die Strahlkraft der Königsblauen für den Nachwuchs mehr und mehr nachgelassen hat. Vereinfacht gesagt, ist Schalke 04 schon lange keine Topadresse der Bundesliga (geschweige denn in Europa) mehr, sondern ein Ausbildungsverein wie etwa Mainz 05. Oder der VfL Bochum. Ein Verein, den junge Spieler als erste Stufe auf dem Weg an die Spitze sehen und trotz herzlicher Verbundenheit hinter sich lassen. Und um sich nicht von der Folklore, der Liebe und den in ihnen gesetzten Hoffnungen erdrücken zu lassen. Um zu wachsen.

Özils Abgang war dumm, Matips Transer normal

Müsste man die Königsabgänge der Schalker mit Schlagworten versehen, dann war Mesut Özils Verkauf zum Spottpreis nach einem bizarren internen Streit auf jeden Fall eine Dummheit, Manuel Neuers Abgang zum FC Bayern wurde indes zum Sündenfall stilisiert. Julian Draxlers Verkauf zum VfL Wolfsburg wirkte für Klub, Fans und Spieler wie eine Befreiung, da die Erwartungen an das »Jahrhunderttalent« alle zu erdrücken schienen. Matips Weggang in die Premier League ist jedoch die neue Realität. Auch treue Seelen aus der vermeintlich zweiten Reihe sind nicht mehr bereit, alles zu ertragen.

Schalke ist nur noch dritte Wahl

Denn es ist schwer vorstellbar, dass sich junge Spieler auch in Zukunft mit der Geschichte und der herzlichen Liebe ihrer Fans ködern lassen. In Zeiten, in denen aus aller Herren Länder mit Geldscheinen gewedelt und um Titel mitgespielt wird, ist Schalke maximal noch dritte Wahl. Traurig, aber wahr.

Und so ahnen die Anhänger, dass auch die verbliebenen Talente (Leroy Sané, Max Meyer, Leon Goretzka und Ralf Fährmann) bald gen Weltkarriere streben könnten und dabei erkennen, dass Schalke 04 ihnen dabei nicht mehr helfen kann. Einzig Benedikt Höwedes hat diesen Absprung offenbar verpasst. Vielleicht ist er zu verliebt. Oder zu realistisch.

Deswegen sollten Schalker jeden Moment genießen, in dem sie diese Jungs in ihrem Trikot auflaufen sehen. Denn irgendwann wird auch der stete Talentestrom der Knappenschmiede versiegen, wie es die dubiosen Geldquellen aus Russland (Gazprom) langsam tun und England (Schechter-Anleihe) getan haben. Und dann sagt niemand mehr: Der Nächste, bitte! Sondern: Was hat dich bloß so ruiniert?

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