Joachim Löw gratuliert dem »Spieler des Jahres«: Franck Ribery

Die Kunst der Verblüffung

»Er kommt dem Ideal nahe«, adelt Joachim Löw Franck Ribery, unseren Spieler der Saison 2012/13. In 11FREUNDE #140 gratuliert der Bundestrainer einem Spieler, für den alle gern ins Stadion kommen.

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140

Wie wünscht sich ein Trainer eigentlich den idealen Spieler? Dass er das Spiel beherrscht. Dass bei ihm also die Annahme und Mitnahme des Balls eine Bewegung sind und er dabei das gesamte Spielfeld im Auge hat. Dass er immer weiß, was zu tun ist, weil er die Spielidee verinnerlicht hat. Dass er ihr auch wirklich folgt und sich nicht über sie stellt.

Ein Trainer wünscht sich, dass ein Spieler dazu in der Lage ist, die gesamte Komplexität des heutigen Fußballs zu beherrschen. Verteidiger sind auch dann am Spiel beteiligt, wenn ihre eigene Mannschaft angreift, und Angreifer werden nach Ballverlust zu Verteidigern in vorderster Linie. Dazu ist das Tempo extrem hoch, und jeder ist permanent gefordert. Keiner kann sich nicht einmal kurz eine Auszeit nehmen.

Kontrolle, Tempo, Auge

Nur: All das beschreibt eine ideale Situation, und die werden wir nicht in jedem Spiel und dann auch nicht über 90 Minuten erleben. Genauso, wie es die hohe Kunst des Fußballs ist, wenn einem Spieler die Kontrolle des Balls auch in den schwierigsten Situationen quasi nebenbei, intuitiv, als Automatismus gelingt und er direkt die nächste Aktion einleiten kann.

Wenn wir hier aber Franck Ribéry ehren, dann auch dafür, dass er den Idealzustand in dieser Saison oft erreicht hat. Er zeichnet sich aus durch überragende technische Fähigkeiten und ein unglaubliches Gespür für den Rhythmus des Spiels.  Wohin er den Ball gespielt hat oder wann er zum Dribbling ansetzte, in welchem Moment er seine Position aufgab oder von wo aus er wieder ins Spiel eingriff, fast immer lag er damit richtig. Besonders bemerkenswert war sein Defensivverhalten, welches er ebenso leidenschaftlich zelebrierte wie seine unnachahmlichen Tempoläufe.

Mannschaftsspieler und Einzelkünstler zugleich

Wir haben ihn im höchsten Maße als Mannschaftsspieler erlebt, und zugleich war er überragender Einzelkünstler. Von ihm ging für den Gegner immer eine besondere Gefahr aus. Das zeigen mehr noch als seine 13 Tore in 52 Pflichtspielen, jene 27 Treffer, die er direkt vorbereitet hat.

Dazu kommen noch etliche weitere Tore, die indirekt auf seine Vorarbeit zurückgehen, weil Franck Ribéry durch ein Dribbling, einen geschickten Pass oder eine gute Flanke die gegnerische Abwehr ins Durcheinander gestürzt hat. Denn bei aller taktischer Disziplin hat er auch immer wieder seine Gegenspieler überrascht. Franck Ribéry ist ein Spieler, für den man gerne ins Stadion kommt, weil er uns alle zu verblüffen vermag.

Es mag dem einen oder anderen Fan vielleicht trotzdem etwas seltsam erscheinen, dass nach dieser für den deutschen Fußball so erfreulichen Spielzeit der Titel des »Spielers der Saison« mit Franck Ribéry an einen ausländischen Profi geht. Zumal unsere Nationalspieler nicht nur in der Bundesliga, sondern auf dem höchsten Niveau der Champions League herausragende Leistungen gebracht haben.

Doch wir alle wissen, wie nah sie beieinander waren und wie viel Spaß sie uns, vor allem auch mir, gemacht haben. Ich gratuliere daher allen zu einer begeisternden Spielzeit, aber Franck Ribéry ganz besonders zur Wahl zum »Spieler der Saison«.

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