Jerzy Dudek und die Bank

Schon lange satt

Es gab mal eine Zeit, in der Torwart Jerzy Dudek so erfolgreich seinem Job nachging, dass man in seiner Heimat einen Tanz nach ihm benannte. Inzwischen hat der Pole eine neue Heimat gefunden: Die Ersatzbank von Real Madrid. Jerzy Dudek und die Bank »Wir müssen sie fürchten, sie uns aber auch«. »Wir müssen angreifen, denn Ballbesitz und Pressing werden Spiel entscheidend sein«. Mit solchen Fußballweisheiten war der Torwart Jerzy Dudek in der vergangenen Woche sehr oft in der polnischen Presse vertreten gewesen. Eigentlich wie vor jedem »El Clasico«, das in den letzten drei Jahren stattfand. Denn Jerzy Dudek, Torhüter Nummer zwei bei Real Madrid, ist momentan der wahrscheinlich beste polnischsprachige Kenner der Primera Division. Tag für Tag hat er Kontakt mit Cristiano Ronaldo, Kaka, Raul oder Gonzalo Higuain. Bei den Duellen zwischen Real Madrid und FC Barcelona hat Dudek, wie zuletzt am Samstag, immer einen Sitzplatz in der ersten Reihe garantiert.  

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Dieser Sitzplatz ist aber auch das größte Dilemma des Jerzy Dudek. Würde Werder Bremens Trikotsponsor auf dem polnischen Markt aktiv werden wollen, wäre Dudek das perfekte Werbegesicht: »So geht Bank heute«. Kaum ein anderer polnischer Fußballer verkörpert diesen Spruch so gut wie der 37-jährige Torhüter.  

Nur zehn Spiele in den vergangenen drei Jahren

Seit Juli 2007 steht der ehemalige Schlussmann des FC Liverpool bei den Königlichen unter Vertrag. In den ganzen drei Jahren absolvierte Dudek aber nur zehn Spiele. Zuletzt hütete er im November das Tor der Madrilenen, als diese von dem Drittligisten AD Alcorcon aus der Copa del Rey gekickt wurden. Seitdem saß er nur noch auf der Bank. Und das war von Anfang an auch seine eigentliche Aufgabe bei den »Galaktischen«. Eine wichtigere Rolle als die des Ersatzmanns von Iker Casillas war für Jerzy Dudek in Madrid nie vorgesehen.  

Für diesen eigentlich undankbaren Job war Dudek der perfekte Mann. Weil sein Vertrag im Sommer 2007 beim FC Liverpool auslief – wo er sich mit seinen im Finale der Champions League gehaltenen Elfmetern bei den Fans unsterblich gemacht hatte – kostete er die Spanier keinen Cent Ablöse. Und dass Dudek gegenüber seinem Arbeitgeber loyal ist und keinen Stunk macht, bewies er bereits bei dem englischen Traditionsverein. Obwohl er 2005 einen entscheidenden Anteil am Gewinn der Champions League gegen den AC Milan hatte, muckte Dudek in der englischen Presse nicht auf, als einige Wochen nach dem Triumph von Istanbul der aus Villareal gekommene Pepe Reina von Rafael Benitez den Vorzug erhielt.  

Nicht Weltklasse, aber überdurchschnittlich

Das wichtigste Argument bei der Verpflichtung von Dudek waren trotzdem seine Fähigkeiten. Auch wenn der Pole kein Weltklassetorhüter war und ist, gehörte er im Sommer 2007 doch zu den Überdurchschnittlichen seines Fachs. Während seiner Zeit bei Feyenoord Rotterdam, wurde er zum besten Torhüter der niederländischen Liga und in seiner Heimat zum »Fußballer des Jahres« gewählt. Mit Feyenoord gewann er in den Niederlanden die Meisterschaft und den Superpokal. Und mit dem FC Liverpool holte er nicht nur die Champions League, sondern auch den Ligapokal, den FA-Cup, sowie den englischen und europäischen Superpokal. Zudem kann Dudek in seiner Vita noch die Teilnahme an der WM 2002 vorweisen. Eine stattliche Bilanz für einen polnischen Fußball-Profi. 

Doch darf sich ein soclher Spieler mit mit der Rolle des Ersatzmanns zufrieden geben? In seiner Heimat, wo man 2005 sogar einen Tanz nach ihm benannte, sind die Meinungen jedenfalls gespalten. Einerseits ist man stolz darauf, dass ein Landsmann in so einem renommierten Verein wie Real Madrid gelandet ist, anderseits wird Dudek in der Sportpresse vorgeworfen, es sich in Madrid nur gemütlich zu machen. Im Zuge dieser Kritik fällt immer wieder der Name des Niederländers Edwin van der Sar, der trotz seiner 39 Jahre auf höchstem Niveau spielt und dadurch einen anderen Polen, Tomasz Kuszczak, bei Manschester United auf die Bank verdrängt hat.  

»Er trainiert mit den besten der Welt«

Nicht ganz unbegründet sind die Vorwürfe der polnischen Presse aber noch aus einem anderen Grund. In fast jedem seiner Interviews betont Dudek seine Bereitschaft, in die Nationalmannschaft zurückkehren zu wollen. Unter dem Interimstrainer Stefan Majewski durfte er im Herbst sogar noch einmal ran, »weil Dudek bei Madrid täglich mit den besten Spielern der Welt trainiert«, wie Majewski damals erklärte. Sein Nachfolger Franciszek Smuda stellte allerdings klar, dass bei ihm nur Spieler mit Spielpraxis mit einer Berufung in die Nationalmannschaft rechnen können. Die Begründung für diese Berufungspraxis ist so simpel wie logisch. »Wer in seinem Verein um einen Stammplatz kämpft, ist hungrig. Und ich will hungrige Spieler haben«, sagte Smuda zur Beginn seiner Amtszeit. Eine Ankündigung, an die sich der Nationaltrainer bisher auch hält. Ob aber Dudek noch den Hunger verspürt, den Smuda von seinen Spielern verlangt, darf momentan stark bezweifelt werden.  

Im Sommer läuft der Vertrag des Torhüters bei Real Madrid aus. Wie sein niederländischer Manager Jan de Zeeuw erklärte, soll es bereits die ersten Angebote aus der Premier League, den Niederlanden und aus Polen geben. Von Vereinen, bei denen Dudek angeblich eine Stammplatzgarantie hätte. Doch für die polnische Ekstraklasa, in der Dudek nie spielte, ist es nach Meinung des Managers noch zu früh. Sein ehemaliger Verein Feyenoord Rotterdam, mit dem Dudek in den letzten Wochen in Verbindung gebracht wurde, hat wiederum selbst klargestellt, kein Interesse an dem Torhüter zu haben. Und ob Dudek in der nächsten Saison in der Premier League spielen wird ist mehr als fraglich.  

»Wir haben hier ein wunderbares Leben«

Auf seine Zukunft angesprochen, erklärt Dudek, dass er sich über jedes Angebot freue. Gleichzeitig stellt er aber auch klar, dass bei den anstehenden Vertragsverhandlungen Real Madrid den Vorzug erhalte. »Wir haben hier ein wunderbares Leben. Meiner Familie geht es hier besser als in Liverpool und Rotterdam. Deswegen drängt meine Frau auf eine Vertragsverlängerung bei Real«, erklärte Dudek mehrmals in den letzten Wochen. Falls dies der Fall sein sollte, hätte Jerzy Dudek auch beim nächsten »El Clasico« einen Platz in der ersten Reihe sicher.

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