10.12.2007

Jermaine Jones Rückkehr

Vom eigenen Bumerang getroffen

Eine falsch beschriebene Situation immer wieder falsch zu wiederholen, stellt sie nicht korrekter dar. Das sollten sich u.a. Wolf-Dieter Poschmann als auch Eintracht Frankfurt-Trainer Friedhelm Funkel einmal vergegenwärtigen.

Text:
Jörg Heinisch#www.fan-geht-vor.de
Bild:
Imago
Da wird in den Medien behauptet, die Eintracht-Fans seien sauer über Jermaine Jones, weil er die Eintracht wegen der höheren Verdienstmöglichkeiten verlassen hat – so wie es Jermaine Jones immer wieder zu erklären versucht, wenn er diesbezüglich angesprochen wird. Aber ausgerechnet dieser Spieler hat den Grund bis heute entweder nicht verstanden (und dürfte es dann auch nie verstehen) oder er hat nicht den Mut, zu dem Ärger zu stehen, den er ganz alleine verursacht hat.



Wenn ein Spieler den Verein wechseln möchte, weil er bei einem anderen Klub international spielen kann und ein ganz anderes Gehaltsniveau hat, dann ist das in der heutigen Zeit ein völlig normaler Vorgang. Auch ein Jermaine Jones, der sich trotz seiner Verletzungszeiten in der Vergangenheit fraglos seine Verdienste um die Eintracht erworben hat und entsprechend ein gutes Ansehen in der Eintracht-Fanszene hatte, hätte ganz einfach verkünden können, dass er aus den genannten Gründen Frankfurt verlassen würde. Jones, der bei einem Bleiben am Main auf lange Zeit ein beliebter Spieler hätte sein können, hat aber genau das getan, was man nicht tun darf. Er hat sich frühzeitig für einen Weggang entschieden (Stichwort Vorvertrag auf Schalke) und trotzdem behauptet, es sei alles offen. Wer sich zuvor als seelenverwandt mit der Fanszene gibt, kann es sich nicht erlauben, diese Fanszene wiederholt zu belügen, sogar in die Offensive zu gehen und die geäußerte Unwahrheit als „Nichts als die Wahrheit“ zu bezeichnen. Jermaine Jones warf den Bumerang und traf sich selbst.

Dass das Spiel der Schalker am gestrigen Samstag zu seinem persönlichen „Jermaine-Jones-Abschiedsspiel“ wurde und wie er empfangen wurde, hat er sich ganz alleine zuzuschreiben.

Andreas Hornung als letzter ehrenamtlich tätiger Fanbeauftragter der Eintracht ist bekannt dafür, dass er sich nicht verbiegen lässt und Dinge nicht so schönredet, wie man es von Offiziellen immer wieder erfährt. Lieber schweigt er einmal zu einem Thema, wenn daraus etwas Negatives entstehen könnte. Wenn aus einer Frage zur Einschätzung des Empfangs von Jones durch die Eintracht-Fans von einzelnen Pressevertretern völlig absurder Weise ein Aufruf zum Hass gegen Jones „gebastelt wird“, dann ist das absolut nicht hinnehmbar und eindeutig rufschädigend. Wenn Trainer Friedhelm Funkel auf Befragung von Journalisten dann auch noch in das gleiche Horn bläst, dann ist dies für ihn und die Eintracht beschämend. So beschämend, dass er sich bei Andreas Hornung dafür entschuldigen sollte.

Der einzige Vorwurf, der gegenüber Andreas Hornung bei diesem Thema zu „konstruieren“ wäre, ist der, dass er nicht vorsichtig genug sein könnte, als die Frage nach dem Empfang von Jones kam – wohlgemerkt eine Vorsicht gegenüber dem, wie Journalisten seine Information verdrehen könnten. Aber auch diese Konstruktion ist absurd. Wenn dann in einer „Sport-Bild“ auch noch zu lesen ist: „Der Mann wurde mittlerweile von den Eintracht-Bossen ermahnt...“ … dann leidet die Außendarstellung der Eintracht-Offiziellen noch mehr.

Der Original-Interview-Auszug aus dem Interview von Thomas Kilchenstein/Frankfurter Rundschau:

Herr Hornung, am Samstag kommt der in Ungnade gefallene Jermaine Jones zum ersten Mal nach seinem Wechsel wieder ins Stadion. Was hat er von den Fans zu erwarten?

Ich weiß nicht, was alles im Einzelnen geplant ist. Aber ich vermute mal stark: Es wird laut werden, es wird Pfiffe geben, es wird Plakate und Transparente geben, große und kleine. Es wird die Hölle werden. Damit muss man rechnen, alles andere wäre naiv.

Aber ein ganzes Stadion gegen ihn - das wird Jermaine Jones doch eher beflügeln.

Das befürchte ich auch. Aber das kann man den Fans nicht vermitteln. Mir wäre es am liebsten: Sie würden alle anderen Schalker auspfeifen und wären bei Jones totenstill.

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