04.09.2012

Ivan Klasnic ist zurück in der Bundesliga

Der Stehaufmann

Seite 2/3: Schlechte Nierenwerte
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Ivan Klasnic wird damals zu einem der begehrtesten Spieler der Bundesliga. »Wer weiß, wo ich ohne die Nieren-OP gelandet wäre?«, fragt er heute. Die Bayern, das bestätigt Felix Magath, sind 2005 an ihm interessiert, doch die Gespräche seien irgendwann im Sande verlaufen. Ivan Klasnic erinnert sich genau an jene Tage. Die Anfrage erreicht ihn im Spätsommer. Der Buttjer aus Hamburg-Altona steht kurz davor, zum besten Fußballverein Deutschlands zu wechseln. Doch dann, am 2. November 2005, muss er plötzlich per Notarzt ins Krankenhaus gebracht werden. Er hat große Schmerzen im Bauchbereich, die Diagnose: Blinddarmentzündung. Während der Untersuchung fällt den Ärzten erstmals auf, wie schlecht seine Nierenwerte sind. Klasnic sagt Magath ab.

Statt in der Allianz Arena zu spielen, sitzt der Stürmer in Bremen nun häufiger auf der Bank, in der Rückrunde 2005/06 alleine neun Mal. Die Werder-Verantwortlichen und die Fans erfahren nur das Nötigste, der Spieler hält Details seiner Krankheit weitgehend geheim. Die Presse schreibt von »lustlosen Auftritten«. Gesundheitlich geht es ihm von Tag zu Tag schlechter, doch erst am 23. Januar 2007 wird das Ausmaß seiner Krankheit öffentlich. Über die Vereinshomepage informiert Werder Bremen, dass für Ivan Klasnic »die Verpflanzung einer neuen Niere erforderlich ist«. Er ist zu dem Zeitpunkt gerade mal 26 Jahre alt.

Die Anklage: Werders Teamärzte ignorierten Klasnics Nierenwerte

Ein Grund für die schlechten Nierenwerte soll die jahrelange Behandlung des Spielers mit Voltaren gewesen sein, ein gängiges Schmerzmittel im Profifußball, doch mit seinem Wirkstoff Diclofenac nierenschädigend. Später wird sein Anwalt Matthias Teichner beim Bremer Landesgericht eine 21-seitige Klageschrift gegen Werders Teamärzte Dr. Götz Dimanski und Dr. Manju Guha einreichen. Sie hätten, so der Vorwurf, die Blutwerte von Ivan Klasnic über Jahre ignoriert und damit bewusst die Gesundheit des Spielers gefährdet. Der Prozess dauert bis heute. Es geht um einen Streitwert von mehr als einer Million Euro.

Vor dem Bremer Klinikum-Mitte spielen sich Ende Januar 2007 tumultartige Szenen ab, der Platz wird von Fans, von kroatischen Kamerateams und deutschen Reportern belagert. Klasnic, dem hier die Niere seiner Mutter transplantiert wird, verschanzt sich in seinem Zimmer, irgendwann zieht er nicht mal mehr die Gardinen zur Seite. Anderthalb Monate später muss er erneut operiert werden, sein Körper hat das neue Organ nicht angenommen. Die Zwischenzeit verbringt er mit Warten, versucht zu regenerieren. Am 16. März 2007 soll er eine Niere seines Vaters erhalten. Dieses Mal bleibt der Ort geheim. In einer Hannoveraner Klinik lassen sich Ivan Klasnic und sein Vater unter falschem Namen aufnehmen: Ivan junior nennt sich Ingo Seeler, Ivan senior ist Uwe Seeler. Die Operation verläuft erfolgreich, und wenige Wochen später zeigt sich Klasnic erstmals in der Öffentlichkeit. Im Weserstadion hält er ein Plakat hoch, auf dem steht: »Danke, dass ihr an mich glaubt. Euer Ivan.«

Die ehemals heile Werder-Welt verwandelt sich im Inneren indes zu einem Schein­idyll. Klasnic ist weiterhin Spieler in Bremen, der auf sein Comeback hofft, zugleich aber gehen sich Verein und Spieler über die Presse an. Sportdirektor Klaus Allofs zeigt sich etwa über die Plakataktion verärgert, sie sei nicht abgesprochen gewesen. Seine Frau Patricia schimpft derweil auf den Klub, der sich während der Leidenszeit kaum um ihren Ehemann gekümmert habe.

Er kniet an der Eckfahne und dankt Gott

Seine erste Partie nach der Nieren-OP bestreitet Ivan Klasnic im Oktober 2007 in einem Pokalspiel für Werders zweite Mannschaft. Es geht gegen seinen alten Klub, den FC St. Pauli, Klasnic ist glücklich, für ihn schließt sich ein Kreis. Doch noch vor dem Anpfiff droht ihm ein Gegenspieler: »Ich weiß, wo ich dir weh tun kann!« Seine Frau sagt, sie habe Angst bei jedem Zweikampf. Aber Klasnic will das Comeback, auch um Dr. Dimanski zu widerlegen, der ihm zum Karriereende rät. Am 15. Dezember 2007 ist Klasnic erstmals nach seiner Rückkehr wieder in der Bundesliga erfolgreich. Gegen Bayer Leverkusen erzielt er beim 5:2 zwei Treffer, am Ende kniet er an der Eckfahne und dankt Gott.

 
 
 
 
 
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