Italiens Giorgio Chiellini: Harter Hund, aber eigentlich ganz zahm

Der verkannte Boss

Eigentlich wollte er Basketballer werden, kam schließlich doch noch zum Fußball. Giorgio Chiellini von Juventus Turin ist einer der Anführer der Italiener – und muss mit Vorurteilen kämpfen.

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Über Giorgio Chiellini könnte man vieles schreiben. Man kann dem Verteidiger in einigen seiner Aktionen Böswilligkeit unterstellen oder in einigen Situationen sogar Fairness und Cleverness absprechen. Vor einigen Wochen gab es eine solche Szene. Am vorletzten Spieltag der Serie A hatte Chiellini Romas Spielmacher Miralem Pjanic mit dem Ellenbogen im Gesicht getroffen, der Schiedsrichter hatte die rüde Aktion nicht geahndet. Nach dem Spiel stellte sich der Bösewicht jedoch den TV-Kameras, gab die unbedachte Aktion unumwunden zu und entschuldigte sich in aller Öffentlichkeit bei Pjanic. Die ehrlichen Worte dürften wohl dazu beigetragen haben, dass der Verband die Sperre auf »nur« drei Spiele taxierte. Man kann also einiges über Giorgio Chiellini schreiben, aber nicht, dass er böse oder ein schlechter Verteidiger ist. Das tun aber einige italienische, vor allem aber ausländischen Medien.

Unterhält man sich mit Experten und Nationalmannschafts-Reportern, die Chiellini häufiger begleiten, sprechen diese genau vom Gegenteil. Der 29-Jährige habe immer ein offenes Ohr, sei freundlich und zuvorkommend. Das sei in der »Squadra Azzura« nicht bei jedem Spieler so. Chiellini, darauf schwören die Journalisten, sei ein echter Gentleman und so gar nicht der zuweilen leicht arroganten Spezies italienischer Fußballprofis zuzurechnen. Sie feiern ihren Anführer.

»Er ist eine Kraft der Natur«

Vielleicht ist die Art des Verteidigers in seinem guten Elternhaus begründet. Am 14. August 1984 kam der Sohn eines Orthopäden und einer Geschäftsführerin in Pisa zur Welt. Die Familie hatte immer schon ein Faible für den AC Mailand, das gaben die Eltern ihrem Filius von Anfang an mit auf den Weg. Für Fußball interessierte sich der kleine Giorgio trotzdem kaum. In Livorno, wo die Familie lebte, gab es zwei bekannte Basketballmannschaften. Chiellini war zunächst öfter zwischen zwei Körben als zwei Toren zu finden. Weil er irgendwann mit seinen 1,87 Metern aber nicht mehr mit den Kumpels mithalten konnte, stieg er auf den grünen Rasen um.

Beim AS Livorno, dem Verein des legendäre Ausputzers Armando Picchi, avancierte Chiellini zwischen 2000 und 2004 zum Stammspieler und Leistungsträger. Sein ehemaliger Trainer Walter Mazzari sagte Anfang der 2000er, nachdem der Verteidiger in den Profikader aufgerückt war: »Er ist eine Kraft der Natur, die jeder Trainer gerne in seinem Team hätte. Giorgio ist von einem anderen Planeten.«

Ein Buch über das eigene Idol

Schnell warf Juventus Turin eine Auge auf den auffälligen Verteidiger, der sich übrigens auch abseits des Platzes zu verkaufen weiß. Während er die Jugendmannschaften des AS Livorno durchlief, ackerte er nebenbei für das Abitur. Eine besondere Hilfe bei der täglichen Lernerei war seine Großmutter, bei der er täglich nach dem Training zu Mittag aß. Nach dem Schulabschluss absolvierte Chiellini noch ein Vordiplom in Betriebswirtschaft, später trat der Italiener sogar als Buchautor in Erscheinung.

Gemeinsam mit dem Journalisten Pierangelo Sapegno schrieb er das Buch »Der schwarz-weiße Engel – Mein Meister Scirea« über sein Idol, den ehemaligen Weltklasseverteidiger Gaetano Scirea von Juventus Turin, der 1989 bei einem Autounfall schon mit 36 Jahren ums Leben kam und für dessen Spielweise Chiellini stets schwärmte.

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