Ist der BVB gut genug für die Champions League?

Die Bajuwarisierung der Borussia

Borussia Dortmund ist vor dem Finale der Champions League der Darling der englischen Medien. Aber wird der BVB zu einem Superklub der Champions League werden können?

Es ist wahrscheinlich sehr schön gewesen, gestern als Anhänger von Borussia Dortmund durch London zu laufen. Zwar war das Wetter grauenhaft, aber dafür scheinen die Engländer im Moment ja in Deutschland verliebt zu sein und in Borussia Dortmund ganz besonder. Das eine hat mit der zugleich soliden wie sozialen Marktwirtschaft zu tun und dem nicht ganz neuen Umstand, dass man ja in beiden Ländern so gerne Bier trinkt.

Dass die Bundesliga und dort vor allem der BVB hier gerade als der heißeste Scheiß gelten, dafür hat vor allem Jürgen Klopp gesorgt. Schon nach dem Halbfinalhinspiel gegen Real Madrid verließen die englischen Journalisten quiekend vor Vergnügen die Pressekonferenz und kündeten daheim von diesem unglaublich eloquenten, witzigen und die richtigen Sachen sagenden Trainer. In dieser Woche hat Klopp in einem Interview mit dem »Guardian«, dessen Website zu den meistgelesenen der Welt gehört, dann noch mal abgeräumt. Für deutsche Leser gab´s da nicht Neues, aber gleich einer der ersten der vielen enthusiastischen englischen Leserkommentare behauptete: »Best man in football. Ever.«

»Real Love«

Auch der Klub zeigt sich locker und schleppte einen Liegestuhl vor die Sehenswürdigkeiten der Stadt, legte ein Handtuch mit Vereinslogo drüber und warb mit diesem Motiv. Das war natürlich eine Anspielung auf die britische Dauerbeschwerde, dass die Deutschen am Pool die Liegestühle blockieren. Dazu gab´s den märchenhaften Hashtag #fairytale und das Vereinsmotto auf Englisch: »Real Love«.

Wer in diesem Finale also, jedenfalls in britischer Wahrnehmung, das coolere Team ist, daran besteht wohl kein Zweifel. Obwohl die traditionell deutschenskeptische Daily Mail den FC Bayern als eine Art trotzigen Underdog-Klub mit jüdischen Wurzeln präsentierte, dem schandhafter Weise zunächst die Aufnahme in die Bundesliga verweigert worden war. Aber insgesamt ist die Story des schwarz-gelben Comebacks in höchsten europäischen Höhen natürlich interessanter. So wird wohl kaum einer der von so viel Zuneigung überwältigten Fans der Borussia mit der Frage beschäftigen, ob er nach diesem Finale der Champions League wieder 16 Jahre auf das nächste warten muss, wie nach Endspiel 1997.

Doch die Frage stellt sich natürlich, auch wenn man dann bei so wenig märchenhaften Themen landet. Seit Jürgen Klopp 2008 das Traineramt beim BVB übernahm, hat der Klub ungefähr 800.000 Euro mehr für Transfers ausgegeben als es eingenommen hat. Im gleichen Zeitraum hat der FC Bayern 161.800.000 Millionen Euro mehr für Ablösesummen ausgegeben als er eingenommen hat, also das 200-Fache. Wer angesichts dieser Summen gleich hyperventiliert, dem sei gesagt: das ist nicht entscheidend. Viele Untersuchungen belegen, dass nicht die Transferausgaben darüber entscheiden, wie groß die Chance auf sportlichen Erfolg ist, sondern das Gehaltsvolumen. Hier liegt der FC Bayern nicht beim 200-Fachen, aber immer noch beim gut Zweieinhalbfachen dessen, was in Dortmund an Gehältern und Prämien an die Spieler gezahlt wird.

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