Isländer verlängert Vertrag in Bolton um 18002 Jahre

Bis der Bart abfällt!

Marco Bode: 14 Jahre Werder Bremen. Axel Roos: 22 Jahre 1. FC Kaiserslautern. Doch sie können beide einpacken. Gretar Steinsson definiert Vereinstreue neu. Der 30-Jährige wird bei den Bolton Wanderers alt – sein Vertrag läuft noch 18002 Jahre!

Im Jahre 15990 vor Christus waren die Menschen noch dabei, über den Nahen Osten und den Kaukasus nach Mitteleuropa zu wandern. Profifußball, hoch dotierte Verträge, die Bolton Wanderers, einen isländischen Fußballer namens Gretar Steinsson – all das gab es noch nicht. Die Homines Sapientes hatten im Jungpaläolithikum – so wird dieser Abschnitt der Menschheitsgeschichte genannt – freilich andere Sorgen, als sich um 22 Spieler, zwei Tore und 90 Minuten Kickerei Gedanken zu machen.

Wäre indes im Jahre 15990 genau das passiert, was sich nun im Nordwesten Englands zugetragen hat, müsste sich der Isländer namens Steinsson heute einen neuen Arbeitgeber suchen. Sein Vertrag würde im Sommer auslaufen – nach stolzen 18002 Jahren.

Scheiden tut weh. Doch nach so langer Zeit gibt es auch positive Aspekte an einer Trennung. Die Knochen machen irgendwann nicht mehr mit, der Bart wird länger und länger und überhaupt: Wer will schon bis in alle Ewigkeit bei einem Verein spielen? 18002 reichen doch vollkommen aus! Bis zum Vertragsende wäre er den Wanderers aber ganz gewiss treu geblieben. Was hätte er seit 15990 BC in seinem Beruf denn auch anderes erleben wollen? 753 v. Chr. kroch Rom aus dem Ei. Na und? Ein Angebot von AS oder Lazio annehmen? Abgewunken hätte er, der Steinsson. Mit Christoph Kolumbus Amerika erobern? Um Himmels Willen – Loddar war damals doch noch gar nicht bei den NY Metro Stars. Abgelehnt! Und auch der französischen Revolution hätte Steinsson ein Schnippchen geschlagen. Ballhausschwur hin, Generalstände her. Alles spannende Eckdaten der frühen Neuzeit. Doch sind wir ehrlich: Paris St. Germain wartete seinerzeit noch darauf, aus der Taufe gehoben zu werden. Und selbst wenn: Die Kohle, die neuerdings eine Investorengruppe aus Katar in der Seine versenkt, floss damals ohnehin noch nicht. Nein, Steinsson liebt Bolton, er trägt die Farben der Trotters mit Stolz. Damals in der Fiktion. Heute in der Realität.

Die Verantwortlichen des Premier-League-Klubs haben dies erkannt. Vorstandsvorsitzender Phil Gartside legte Steinson deshalb einen Vertrag vor die Nase, bei dem selbst Krassimir Balakows Berater Dušan Bukovac die Kinnlade heruntergepurzelt wäre. Wenn ein Profi seinen Kontrakt heutzutage bis, sagen wir mal, 2020 verlängert, handelt es sich um einen Rentenvertrag. Die Spielerfrau jubelt, der Verein atmet im ersten Moment durch und bangt danach unentwegt. Was, wenn es der Spieler nach einem Jahr nicht mehr bringt, sich verletzt oder urplötzlich die Karriere beenden will? Unwägbarkeiten, nichts als Unwägbarkeiten! Doch bei den Bolton Wanderers und Steinsson spielten Gedankenspiele dieser Couleur keine Rolle.

Und somit haben sich die Wanderers getraut und ihren isländischen Abwehrspieler bis 20014 an sich gebunden! In Worten: Zwanzigtausendundvierziehn. 20014! Also für die nächsten 18002 Jahren! Ein Vertrag, auf den Matuzalém von Lazio Rom seit seiner Künstlernamensfindung hoffte, der schätzungsweise 15 Milliarden Euro abwirft – Steinsson hat ihn abgegriffen! Und macht jetzt keinerlei Anstalten, einen verspäteten Aprilscherz in seinem neuen Arbeitspapier zu erkennen. »Ich bin natürlich glücklich mit dem neuen Vertrag. Ursprünglich hat mir der Verein einen Einjahres-Vertrag angeboten und es freut mich sehr, dass es schließlich doch die vollen 18.000 Jahre geworden sind«,  gab er artig zu Protokoll. Taufrische 18.032 Jahre wäre er dann jung. »Das richtige Alter, um die Schuhe an den Nagel zu hängen.« Kicken bis der Bart abfällt. Wer war nochmal Klaus Fichtel?

„Natürlich ist dieser Vertrag etwas länger, aber in 18000 Jahren kann viel passieren«, rechtfertigt Phil Gartside die ungewöhnliche Länge des Angestelltenverhältnisses. Und wirft zugleich ein Blick in die Geschichtsbücher: »Wer hätte vor 18000 Jahren zum Beispiel gedacht, dass die Landbrücke zwischen Asien und Amerika heute nicht mehr existiert oder dass der Mensch den Wolf domestiziert.« Steinsson sicherlich nicht. Er hätte immer nur Bolton im Kopf gehabt. Auch damals, als die Menschen erst noch nach Mitteleuropa einwandern mussten.

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