Irans Kapitän Javad Nekounam

Der schöne Feldherr

Javad Nekounam wechselte einst als erster Iraner überhaupt in die spanische La Liga. Für den Kapitän und Mittelfeldmotor des Iran ist das Turnier in Brasilien die letzte Möglichkeit sich endgültig in den Geschichtsbüchern seines Landes zu verewigen.

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»Nek-ou-nam, Nek-ou-nam, Nek-ou-nam«, schrie der Junge und klopfte immer wieder auf seine Brust. »Nek-ou-nam, Nek-ou-nam, Nek-ou-nam«, schrie er wie von Sinnen und rannte zur Außenlinie, um das Tor zu feiern, das die WM-Hoffnung des Iran am Leben hielten. Fernsehkommentatoren rangen um Atem, 80 Millionen Iraner lagen sich vor den TV-Bildschirmen in den Armen. Es war der 17. Juni 2009 und selbst die 100.000 Fans, die auf den Rängen des Teheraner Azadi Stadion durchdrehten, hätten diesen Hinweis ganz sicher nicht benötigt. Sie wussten, wem sie da zu Füßen lagen. Denn sie alle kannten den Jungen, der als der Glücksbringer der iranischen Mannschaft gilt: Javad Nekounam.

In diesem Moment ahnte noch niemand, das jenes Tor gegen Südkorea, das den Iran sicher zur Weltmeisterschaft 2010  in Südafrika geführt hätte, nur Minuten später von Park Ji-Sung egalisiert werden würde. Der Mittelfeldmann traf in der 81. Minute, legte sich den Finger auf die Lippen, die Hand ans Ohr und lauschte der Schockstarre des Azadi. Ein Moment, der die ohnehin aufgeheizte Atmosphäre des ewigen Duells der fußballerisch besten Teams auf dem asiatischen Kontinent zum Überkochen brachte. Minuten zuvor hatte der Iran die Tür zur WM aufgestoßen, doch kurz vor Schluss vergessen, sich durch den schmalen Spalt der Hoffnung zu schieben. Aus der Traum.

Siegerfäuste in Ulsan

Nur drei Jahre später ähnelten sich die Bilder. 16. Oktober 2012, Azadi, Teheran. In der 76. Minute trifft wieder Nekounam zum 1:0-Siegtreffer für die iranische Nationalmannschaft gegen Südkorea, wieder steht das ganze Land Kopf. Im Rückspiel in Ulsan-Munsu-Stadion im südkoreanischen Ulsan, dort, wo schon bei der WM 2002 der deutsche Keeper Oliver Kahn im WM-Viertelfinale gegen die USA unsterblich wurde, machte die Elf die Sensation perfekt. Nach dem 1:0-Sieg des Iran brechen die Spieler auf dem Rasen zusammen, Nationaltrainer Trainer Carlos Queiroz schwingt die Siegerfaust in Richtung südkoreanischer Bank. Der Traum ist Realität. Der Iran fährt nach Brasilien.



Nach dem Abpfiff steht Queiroz lächelnd in der Mixed Zone und beantwortet ausdauernd die Fragen der Journalisten. Langsam füllen sich die Katakomben des Stadions mit den Jubelschreien aus der Kabine seiner Mannschaft, er blickt gelassen ins Nichts und sagt: »Nekounam ist der perfekte Kapitän. Je größer die Spiele sind, umso bessser ist er. Einen wie ihn braucht jede Mannschaft.« Nur zum besseren Verständnis: Der Portugiese trainierte in Diensten von Real Madrid und Manchester United bereits Weltstars wie Zinedine Zidane, Raul oder Ronaldo. 

Noch Monate später muss Javad Nekounam grinsen, wenn er an die Geschehnisse von Ulsan denkt. »Wir waren so glücklich, dass wir bei der Weltmeisterschaft dabei sind. Egal ob du ein Star bist oder ein Niemand, jeder Spieler hat von diesem Turnier in Brasilien geträumt.« Sitzt man dem 33-jährigen Kraftpaket gegenüber wirkt er trotz der mächtigen Schultern beinahe fragil. Im Iran gilt er als derzeit attraktivster Sportler.

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