Inter-Legende Javier Zanetti und sein Achillessehnenriss

Reifenwechsel

Inter Mailands Javier Zanetti hat sich die Achillessehne gerissen und fällt mindestens sechs Monate aus. Eigentlich nur eine Meldung, wäre Zanetti nicht 40 Jahre alt, eine Serie-A-Legende und widerstandsfähiger als zehn Meter Stahlbeton.

Kurz nach dem Peitschenschlag tritt er ein letztes Mal mit beiden Beinen auf den grünen Rasen. Dann hebt er den Arm, schlägt sich beide Hände vor das Gesicht und fällt nach vorne, als hätte ihm jemand mit einer Axt die Schienbeine durchtrennt. Es ist Sonntagnachmittag, 15:18 Uhr und Italiens Fußball steht für ein paar Minuten still.



Inter Mailands Haudegen Javier Zanetti ist Sekunden zuvor in einen Zweikampf mit Palermos Salvatore Aronica gegangen. Routine. 100.000 Mal erprobt. Doch heute knallt es in Zanettis Ferse. Und um zu verstehen, was dieser Knall bedeutet, muss man einfach nur die Zahlen für sich sprechen lassen: Der Argentinier Zanetti ist 39 Jahre alt, absolviert zu diesem Zeitpunkt seinen 1101. Karriere-Einsatz, es ist sein 845. Spiel im Trikot von Inter Mailand. Rekord. Der Mann mit den Mamorgesichtszügen ist seit 18 Jahren Blau-Schwarz. Er ist die Mensch gewordene Vereinstreue. Er ist Inter Mailand. Deswegen haben die Fans haufenweise Spitznamen für ihn: Highlander, Grande Capitano, Pupi. Er selbst hat mal gesagt: »Ich bin wie ein Traktor.« Weil er lief und lief und lief. Bis zu diesem Nachmittag. Javier Zanetti hat sich die Achillessehne gerissen. Es drohen mindestens sechs Monate Pause. Oder länger. Dann wäre Javier Zanetti 40 Jahre alt. In Worten: Vierzig. So alt wie Sami Hyypiä. Oder Christian Nerlinger. Oder Ailton.

»Es gibt keine Superhelden«

Als die Nachricht von Zanettis Verletzung die Runde machte, schlug dem ewigen Javier eine Welle der Sympathie entgegen. Gianluigi Buffon twitterte: »Forza grande Capitano! Ich erwarte dich beim nächsten Duell zwischen Juve und Inter!« Romas Francesco Totti, ein weiteres Urgestein der Serie A, sagte: »Oh Javier, mach' keinen Blödsinn! Die Wimpel gegen Inter tausche ich nur mit dir und sonst niemandem!« Die »Gazzetta dello Sport« rief Fans im ganzen Land auf, Genesungswünsche für den Argentinier einzusenden. Binnen weniger Stunden liefen über 1000 Mails ein. Selbst die Fans des AC Mailand feierten beim Spiel gegen Catania Zanetti, den Kapitän des Erzfeindes, mit Sprechchören. Und die Zeitung »Repubblica« setzte spontan zur großen Desillusionierung des Mythos Zanetti an und schwurbelte: »Lasst uns das Licht ausmachen, denn auch das letzte Märchen ist zu Ende. Im Grunde müssen wir euch mitteilen, dass nichts davon stimmte: Leider, liebe Kinder, existieren doch keine Superhelden. Diese traurige Erkenntnis erreichte uns, als die Achillessehne, offensichtlich der einzig verwundbare Punkt des Capitano, nach über 1000 Spielen und dem abermillionsten Lauf über den gesamten Platz aufgab.«

Eine Musterprofi-Karriere

Gerüchte um das Karriereende von Javier Zanetti wurden laut. Kaum einer konnte sich vorstellen, dass ein Mann im besten Fußballrentneralter sich von so einer schwerwiegenden Verletzung erholen kann. Doch da kennen sie Javier Zanetti schlecht. Er hat sein ganzes Leben trainiert, sich frei von Skandalen und ausschweifenden Partys gehalten. Hat wie kein Zweiter verstanden, dass sein Körper sein Kapital ist. Er trainiert sogar an seinem Hochzeitstag, um sein eigens konzipiertes Fitnessprogramm nicht durcheinander zu bringen. Da ist nur eine Geschichte rund um die fantastische Musterprofi-Karriere des Javier Zanetti.

Der Traktor will weiterlaufen. Deswegen ließ er kurz nach seiner Verletzung folgendes Statement verbreiten: »Es ist normal, dass man nach so vielen Kilometer einfach mal die Reifen wechseln muss. Ich werde stärker als jemals zuvor zurückkommen.« Das Märchen ist also doch noch nicht zu Ende.

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