15.06.2013

Ingo Kahlisch trainiert seit 25 Jahren denselben Verein

Das Maß aller Dinge

Auch Optik Rathenow hofft am heutigen Samstag auf einen prominenten Gegner in der Auslosung der 1. Runde im DFB-Pokal. Trainer von Optik ist Ingo Kahlisch, eine waschechte Vereinslegende. Seit 25 Jahren trainiert er den Regionalligisten. Die Geschichte eines Mannes, der nicht weg will, weil er nicht weg kann.

Text:
Alf Burchardt
Bild:
Michael Sieber

Otto Rehhagel heißt das Maß der Dinge. Wann immer es um die Treue eines Trainers geht, um die langfristige Arbeit mit einem Spielerkader, dann fällt zwangsläufig der Name des Fußballlehrers, der von 1981 bis 1995 für Werder Bremen arbeitete. 14 Jahre: eine mittlerweile unvorstellbar lange Zeit. Nur nicht in der brandenburgischen Stadt Rathenow. Dort trainiert Ingo Kahlisch seit 1989, das sind fast zwei Rehhagel.

»Die Jungs halten mich frisch«

»Vier-, fünfmal hatte ich das Angebot zu wechseln«, sagt Ingo Kahlisch. »Aber es hätte jedes Mal von heute auf morgen sein müssen, das kann ich meinem Verein nicht antun.« Der 56-Jährige sitzt in seinem Sportgeschäft in der Berliner Straße in Rathenow, hinter dem Tresen steht sein Abwehrspieler Jerome Leroy, und es ist nicht nur der Laden, der ihn in der Stadt hält, nicht nur der Trainerjob. Kahlisch ist auch der Geschäftsführer von Optik Rathenow, er besorgt Sponsoren, er kümmert sich um Ausbildungs- und Arbeitsplätze für die Spieler. Natürlich, versichert er, habe er viele Helfer, es soll ja keiner denken, er nehme sich zu wichtig. Doch ohne ihn geht wenig hier, da kann man nicht mal so eben wechseln. Und warum sollte er auch? Schon gar nicht jetzt, wo er es mit einer jungen Mannschaft bis in die Regionalliga geschafft hat. »Die Jungs«, sagt er, »die halten mich frisch.«

Kahlisch stammt aus Potsdam, er hat dort für Empor gespielt, später in Köpenick für die Kabelwerke Oberspree, und als mit 28 Jahren die Knie nicht mehr mitmachten, begann er als Trainer in Luckenwalde, nicht weit von Potsdam. Hier, das hatte er seiner Frau versprochen, wollten sie wohnen bleiben. Fußball, viel Fußball, ja. Aber nicht immer wieder umziehen. Anfang 1989 wechselte Kahlisch dann nach Rathenow. Eine knappe Stunde Fahrt – auch in Ordnung.

Drei Aufstiege in den frühen Neunzigern

Als Kahlisch sein Amt antrat, lockten die Rathenower Optischen Werke, der größte Arbeitgeber in der Stadt, noch zuverlässig Spieler zum Verein. Mit der Wende zerfiel der Betrieb, Fußballer wanderten ab, Geld für neue war nicht da. »Wenn ich erklären sollte, wie ich damals elf Spieler zusammenbekommen habe …« Lange her, und Kahlisch blickt selten zurück. »Ich weiß nur, dass man immer wieder aufstehen muss.«

Trotz aller Widrigkeiten stieg er mit seiner Mannschaft in den frühen Neunzigern dreimal auf, so dass sich der Verein 1994 in der Regionalliga Nordost wiederfand, in der damals dritthöchsten Spielklasse. Endlich durfte Optik Rathenow, das früher unter dem Namen Motor vergeblich versucht hatte, bis in die DDR-Oberliga aufzusteigen, sich mit den großen Namen messen, mit Carl Zeiss Jena, Union Berlin, Rot-Weiß Erfurt. In der Saison darauf kam noch der achtmalige Meister Dynamo Dresden dazu.

 
 
 
 
 
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