Im Rollstuhl: Klas Ingesson trainiert in Schweden

»Ich habe diese Scheiße am Hals«

Vor fünf Jahren diagnostizierten Ärzte eine unheilbare Krebs-Form. Doch Klas Ingesson hat beschlossen, sich nicht unterkriegen zu lassen. Er trainiert die schwedische Spitzenmannschaft Elfsborg Boras - bis es vorbei ist.

Peter Claesson
Heft: #
152

Es ist Halbzeit im Westküstenderby zwischen IFK Göteborg und IF Elfsborg in der ersten schwedischen Liga. Die Spieler sind bereits auf dem Weg in die Kabinen, dahinter kommt Elfsborgs Trainer Klas Ingesson. Der 57-malige Nationalspieler muss einen anderen Weg nehmen, denn er sitzt heutzutage im Rollstuhl. Plötzlich aber bleibt er an einem Kabel hängen und fällt vornüber aus dem Stuhl – ohne eine Chance, sich aufzufangen. Ingesson hat danach offensichtlich starke Schmerzen, medizinisches Personal eilt zur Hilfe und binnen Minuten kommt ein Krankenwagen, um ihn ins Hospital zu bringen. Wie sich herausstellt, hat er sich einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen.

Trotzdem weigert er sich zunächst, das Ullevi-Stadion zu verlassen. »Er wollte bleiben und abwarten, wie das Spiel ausging«, erzählte Elfsborgs Teamärztin später. »Er fragte nach dem Platzverweis und ob die Entscheidung korrekt war. Aber wir mussten ihn einfach ins Krankenhaus bringen.« Nein, von einem gebrochenen Oberschenkel wollte sich Klas Ingesson nicht kleinkriegen lassen. Und ebenso wenig, so hat er entschieden, von seiner Krankheit.

Anfang 2009 wurde bei Ingesson ein Multiples Myelom festgestellt, eine Krebserkrankung des Knochenmarks. Für die meisten Menschen gibt es keine Heilungschance.

Ingessons Karriere verlief märchenhaft

Der aus Südschweden stammende Mittelfeldspieler war nicht mit überragender Technik gesegnet, doch er war ein außergewöhnlicher Athlet, der noch rackerte und rannte, wenn andere längst aufgegeben hatten. Er spielte für IFK Göteborg, KV Mechelen, PSV Eindhoven, Sheffield Wednesday, Olympique Marseille sowie in Italien für Bari, Bologna und Lecce. Parallel dazu ackerte er ein Jahrzehnt lang im Mittelfeld der schwedischen Nationalelf, wo es ihm nach und nach gelang, das anfangs skeptische Publikum zu überzeugen.

Am Ende war er ein Kultspieler mit dem liebevollen Spitznamen »Klabbe«. Seinen größten Erfolg im Nationaltrikot feierte er mit dem dritten Platz bei der WM 1994. Weil Tomas Brolin auf der rechten Seite alle Freiheiten genoss, war Ingesson auf der linken für die Fleißarbeit zuständig. Trotz der Hitze in den USA spielte er das ganze Turnier hindurch überragend.

Die Diagnose kam urplötzlich

2001 beendete Ingesson seine aktive Laufbahn. Das erste Jahr danach war schwierig, wie er heute zugibt: »Als ich noch spielte, rief mich ständig Hans Linné, ein Journalist von ‚Expressen', mitten in der Nacht an. Dann habe ich ihn angeschnauzt. Im ersten Jahr nach meinem Rücktritt lag ich nachts um halb zwei wach und dachte: ‚Wie schön wäre es, wenn Linné jetzt anriefe!'«

Auf Anraten seiner Frau kehrte er zu seinem Stammverein zurück, dem Fünftligisten Ödeshög, dessen Trainer er schließlich wurde. Dann kam die Krebsdiagnose.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!