Entgegen dem vor allem in Deutschland ausgebrochenen Jugendwahn zählt UD auch in diesem Jahr zu den ältesten Teams Spaniens – und hat trotzdem Erfolg. »Die meisten Spieler hatten ihre beste Zeit bei anderen Klubs, sind in ein Karriereloch gefallen und finden im Trikot von Levante zu alter Stärke zurück«, erklärt Marín. So ähnlich trifft das auch auch Christian Lell zu. Der ehemalige Verteidiger vom FC Bayern und Hertha BSC verschwand im Sommer fast unbemerkt aus Berlin Richtung Levante und schaffte dort den Neuanfang. Lell ist Stammspieler in der Viererkette und erzielte bisher ein Saisontor. Bis vor wenigen Tagen spielte auch Theofanis Gekas, der ehemalige Torschützenkönig der Bundesliga, für Levante. Sein Vertrag wurde aber aufgelöst. Der Grieche fühlte sich in Spanien nicht wohl. »Er hat nie mit übermäßigem Engagement geglänzt«, rief ihm Präsident Francisco Catalan hinterher.
Ein weiterer Bekannter aus der Bundesliga ist Obafemi Martins. Der galt mal bei Inter Mailand als riesiges Talent, landete dann beim VfL Wolfsburg und hat nun scheinbar sein Glück an der spanischen Ostküste gefunden. Der Nigerianer ist Levantes bester Torjäger, nicht erst seit seinem Tor zum 1:0-Derbysieg gegen den FC Valencia erfreut er bei den »Granotes« größter Beliebtheit. Los Granotes, die Frösche, werden Levantes Fans in Spanien genannt. Trotz seiner fünf Saisontore reicht Martins Beliebtheit aber nicht an die von Sergio Ballesteros heran. Der Innenverteidiger mit der Statur eines Bären erlebt im Alter von 37 Jahren ein spätes Karrierehoch. Beim sensationellen 1:0-Sieg gegen Real Madrid vor einem Jahr erlangte der Kapitän bei den eigenen Anhängern Kultstatus, weil er trotz seiner 93 Kilo Körpergewicht ein Sprintduell gegen Cristiano Ronaldo gewann. Ballesteros stammt wie die Hälfte des Kaders aus der Umgebung Valencias, die Identifikation der Spieler mit dem Klub ist hoch.
Erinnerungen an Johan Cruyff
Auch Trainer JIM stammt aus der Region Valencia. JIM wird Juan Ignacio Martínez, wegen seiner Initialen genannt. Lange war er in Spanien nur Fachleuten bekannt, beinahe im Jahresrythmus hangelte er sich von Verein zu Verein, bis er 2011 bei DU Levante anfing. Dort muss er mit wenig auskommen. Anders als die meisten Rivalen in der Primera Division betreibt der Verein einen klaren Sparkurs. Vor der Saison wurden nur 650.000 Euro für neue Spieler investiert. Der Verkauf von Stürmer Arouna Kone, früher bei Hannover 96, brachte dagegen allein 5,5 Millionen Euro, Konus hohes Monatsgehalt nicht mitgerechnet.
Es gab einmal eine Zeit, da versuchte auch Levante sich mit Stars und Glamour zu umgeben. In den Achtzigern kam Johan Cruyff zum Ende seiner Karriere und ließ sich vertraglich zusichern, nur bei Heimspielen aufzulaufen. Auch der Chilene Carlos Caszely spielte früher bei Levante, genau wie Predrag Mijatovic zum Ende seiner Karriere. Bernd Schuster war mal Trainer des Klubs, hatte aber wenig Erfolg. 2008 musste der Klub gar die Zahlungsunfähigkeit anmelden. Damals glaubte in Valencia niemand, dass Levante in die Erste Liga zurückkehren würde. Bis die Katze dann tatsächlich die Palme hochkam.