Im Portrait: Hannovers Gegner UD Levante

Die Katze auf der Palme

UD Levante mit dem Deutschen Christian Lell spielt zum ersten Mal in der Europa League. Der Klub stand lange im Schatten des mächtigen Stadtrivalen FC Valencia, hat sich inzwischen aber mit einem eigenen Erfolgsrezept in den Vordergrund gespielt.

Der Norden Valencias ist traditionelles Arbeitergebiet. Dort in den Bloques, den Hochhaussiedlungen, ereignete sich vor vielen Jahren einer der makabersten Scherze der spanischen Fußballgeschichte. Unweit des Stadions Ciutat de Valencia, wo UD Levante seine Heimspiele austrägt, banden Anhänger des Stadtrivalen FC Valencia eine tote Katze an eine Palme. Daneben befestigten sie ein Schild: »Quan el gat puge a la palmera, el Levante estara a Primera« – wenn die Katze die Palme hochgeklettert ist, wird Levante in der Ersten Liga sein!

Inzwischen lachen die Fans des FC Valencia nicht mehr. Levante ist längst in der Primera Division angekommen und steht dort in dieser Saison meist vor dem mächtigen Stadtrivalen. Aktuell ist man Achter, Valencia nur Zwölfter. Das Stadtderby vor einigen Wochen gewann Levante 1:0, das Ciutat de Valencia tobte. Beim FC wurde Trainer Mauricio Pellegrino am vergangenen Wochenende gegen Ernesto Valverde ausgetauscht, dazu der Ärger um das fast fertige Millionengrab Nou Mestalla. Fünf Kilometer Luftlinie nördlich schaut man nicht ganz ohne Schadenfreude auf das chaotische Treiben des Nachbarn.

Lange Zeit im Schatten des großen Rivalen FC Valencia

Levante ist so ziemlich all das, was der FC Valencia nicht ist: Klein, bescheiden, unscheinbar. Der Klub stand stets im Schatten des Rivalen, in Spanien wurde UD kaum beachtet. Noch nie konnte der Verein einen offiziellen Titel gewinnen. 1937 gewann man die Copa de Espana Libre, einen Pokalwettbewerb, der zu Zeiten des Bürgerkrieges im republikanischen Teil Spaniens ausgetragen wurde. Der spanische Verband erkennt diesen Titel aber bis heute nicht an. Umso bitterer, weil der Finalsieg damals ausgerechnet gegen den FC Valencia (1:0) gelang.

Die aktuelle Erstliga-Saison ist erst die achte der Vereinsgeschichte, meist spielte man in der zweiten Liga. 2010 gelang zuletzt der Aufstieg in die Primera Division. In der vergangenen Spielzeit gab es dann gleich mehrere Meilensteine zu bejubeln. Zum ersten Mal qualifizierte sich Levante für einen Europapokal-Wettbewerb. Als Sechster zog man in die Europa League ein. Dort trifft Levante heute Abend zum Abschluss der Gruppenphase auf Hannover 96. Beide Teams sind längst für die nächste Runde qualifiziert. Auch das ist, zumindest was Levante angeht, eine Überraschung. Viele hatten den Erfolg aus der letzten Saison als One-Hit-Wonder abgetan.

Dabei hätte Levante beinahe um die Qualifikation zur Champions League mitgespielt. Für eine kurze Zeit und zum ersten Mal in der 102-jährigen Klubgeschichte stand der Klub 2011/12 sogar an der Tabellenspitze. Dass Levante dort längerfristig vor Real Madrid und dem FC Barcelona hätte bestehen können, glaubte niemand. Auch Rafa Marín nicht. »Im Grunde war nur wichtig, dass die Mannschaft so schnell wie möglich die nötigen Punkte gegen den Abstieg beisammen hatte«, sagt Marín, der als Journalist für die Zeitung »Superdeporte« in Valencia arbeitet und Levante seit sechs Jahren begleitet. 

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