Die zahlreichen technischen Fehler beider Teams lagen auch am Hamburger Schietwetter. Der Rasen im Volksparkstadion glich einem Kreisliga-Acker, der Nieselregen machte die Sache nur noch schlimmer. Besonders für die Bremer Konterversuche war der holprige Untergrund Gift. Doch die widrigen Platzverhältnisse waren nicht die einzige Erklärung, warum Werder in Halbzeit Eins nur 68% der Pässe an den Mitspieler brachte. Oft wirkte das Team nicht konzentriert.
Diese Unkonzentriertheit rächte sich kurz nach der Pause: Der HSV rückte nun aggressiv mit den Mittelfeldspielern auf. Dennis Aogo schoss aus dem Mittelfeld nach vorne und blieb halblinks ungedeckt. Das 2:1 erzielte er noch regelwidrig mit seiner Hand (46.), das 3:1 bereitete er mustergültig für Artjoms Rudnevs vor (52.). Besonders beim 2:1 glich die Bremer Abwehr eher einem 30er-Jahre-Slapstick-Film denn einer Bundesliga-Abwehr.
Trotz Rückstand durfte Bremen noch kontern
Nach der Führung hätte es für den HSV so einfach werden können: Einen Gang zurückschalten, sich verschanzen und auf Konter warten. Einzig: Sie taten es nicht. Weiterhin rückten die Mittelfeldspieler weit auf. Das führte zur kuriosen Situation, dass Werder trotz Rückstandes gegen nur fünf hinten bleibende Hamburger kontern konnte. Nach dem Anschlusstreffer durch Sokratis (54., auch hier Slapstick durch Rene Adler) konnte Werder sich gegen die verunsicherten Hamburger einige Chancen erspielen, traf aber das Tor nicht.
Mit der Einwechslung Tolgay Arslans (62. für Per Skjelbred) stabilisierten sich die Hamburger. Fink stellte auf ein 4-4-1-1 um, Son ging auf den rechten Flügel, van der Vaart in den Sturm. Gegen zwei kompakt stehende Viererketten fanden die Bremer kein Mittel, nach dem Hamburger Systemwechsel hatten sie nur noch drei Torschüsse.
In der letzten halben Stunde sorgte nur noch Schiedsrichter Kinhöfer für Furore, als er binnen kurzer Zeit Clemens Fritz (80.) und Marko Arnautovic (90.) mit Gelb-Rot vom Platz warf. Besonders die Karte gegen Arnautovic war umstritten; er täuschte an, den Schiedsrichter mit dem Ball abschießen zu wollen. Allerdings täuschten die kuriosen Schlussminuten nicht über die eklatanten Defensivschwächen hinweg, die sich durch die gesamte Bremer Saison ziehen.