HSV-Werder in der Spielanalyse

Das unschöne Spiel

Fußball ist das schöne Spiel? Wer die erste Halbzeit zwischen Werder und dem HSV gesehen hat, wird diese alte Weisheit noch einmal überdenken. Die Spielanalyse zum Nordderby.

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HSV-Interimstrainer Cardoso setzte auf ein 4-2-3-1. Westermann ging für den verletzten Diekmeier auf die Position des Rechtsverteidigers, dafür rückte Talent Tah in die Innenverteidigung neben Djourou. Dadurch entstand eine asymmetrische Anordnung, da Jansen auf dem linken Flügel deutlich weiter vorschob als Westermann rechts. Werder spielte im 4-4-2, das auch mal zu einem 4-2-3-1 wurde, wenn Hunt zurückfiel. Die linke Seite wurde dabei von zwei Neulingen besetzt: In der Viererkette kam Neuzugang Garcia zu seinem Ligadebüt, vor ihm startete der Nachwuchsspieler Kobylanski, der immer wieder in die Mitte zog.

Probleme im Spielaufbau

Die erste Halbzeit war nichts für Fußballästheten. Beide Teams taten sich unheimlich schwer im Spielaufbau und pressten vorsichtig aus einer 4-4-2-Grundordnung heraus, wirklich großer Druck entstand dadurch jedoch nicht. Trotzdem gelang es keinem der kriselnden Teams, den Ball sauber ins Mittelfeld oder sogar ins Angriffsdrittel zu befördern.

Petersen und Hunt gelang es durch geschicktes Anlaufen der Innenverteidiger, Rückpässe auf Adler zu provozieren. Diesem blieben häufig nur lange Bälle auf van der Vaart und Beister: Ein gefundenes Fressen für die kopfballstarken Caldirola und Lukimya.

Die Bremer hatten im Aufbau ähnliche Probleme, auch sie taten sich gegen eine anlaufende Doppelspitze sehr schwer und mussten viele lange Bälle schlagen. Weil die Flügelspieler jedoch geschickt einrückten, konnte Petersen einige Male ablegen, das Mittelfeld war somit erfolgreich überspielt worden.



Wirklich torgefährlich konnte jedoch keine der beiden Mannschaften werden, Petersens Führungstreffer entstand durch ein katastrophales Verhalten der Hamburger, die den vorrückenden Fritz nicht vernünftig übergaben und so frei zum Flanken einluden.

Das Loch in der Hamburger Zentrale

Dem in Rückstand nun noch stärker geforderten HSV gelang es viel zu selten, die Mannschaftsteile ordentlich zu verbinden. Rincon fiel im Aufbau immer wieder zu Tah und Djourou zurück, um gegen Hunt und Petersen Überzahl herzustellen. Der Venezolaner hat seine Stärken jedoch in den athletischen Bereichen und konnte den Spielaufbau nicht befruchten.

Milan Badelj, der in dieser Hinsicht ein ganz anderes Kaliber darstellt und einer der ballsichersten und kreativsten Sechser der Liga ist, konnte kaum Einfluss auf das Spiel nehmen. Zwischen dem hoch stehenden van der Vaart und dem zurückfallenden Rincon stand er allein auf weiter Flur und wurde von den unzähligen langen Bällen schlichtweg überspielt. Wurde er mal mit eingebunden, gewann das Spiel gleich an Struktur und Kreativität – ein Dribbling des Tschechen hätte dem HSV sogar einen Elfmeter einbringen müssen, der Pfiff blieb jedoch aus.

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