HSV-Werder in der Spielanalyse

Das Slapstick-Derby

Es sollte eigentlich Fußball sein, den der HSV und Werder Bremen im Nordderby zeigen wollten. Und doch glich die Partie eher einem Slapstick-Film aus den dreißiger Jahren, wie unser Taktikexperte Tobias Escher erschrocken feststellen musste.

Das Nordderby versprach bereits vor dem Anpfiff viel offensives Spektakel, schließlich waren beide Teams in dieser Saison nicht für ihre sattelfeste Defensive bekannt: Werder Bremen stand zuletzt offen wie ein Scheunentor und fing durchschnittlich knapp zwei Tore pro Spiel. Der HSV hat zwar weniger Gegentore auf dem Konto, dafür ließ kein anderes Bundesliga-Team so viele Chancen zu. Dass beide Teams aber derart eklatante Defensivmängel offenbaren, war jedoch nicht zu erwarten.

Dem HSV mangelte es im 4-1-3-2 an der defensiven Kompaktheit. So stand die eigene Viererkette recht tief, während das Mittelfeld und die Stürmer weit aufrückten. Die Folge waren freie Räume neben Sechser Milan Badelj, der nicht alle Löcher stopfen konnte. Besonders wenn Marcell Jansen nach vorne rückte, boten sich den Bremern Konterräume auf Hamburgs linker Seite. Zudem fehlte den Hamburgern die Aggressivität in den entscheidenden Situationen, so vor der Flanke von Aleksandar Ignjovski zum 1:0-Treffer durch Assani Lukimya (9.).

Werder hatte noch Glück, dass van der Vaart so unauffällig agierte

Auch Werder Bremen war defensiv anfällig. In ihrem 4-1-4-1-System hatten sie kein rechtes Gegenmittel gegen den zurückfallenden Rafael van der Vaart. Mal rückte Mehmet Ekici aus der Ordnung, mal Zlatko Junuzovic, doch so richtig dynamisch wirkte das nicht. Vielmehr offenbarten die Bremer in diesen Situationen Schwächen in den Abständen, gerade auf dem Flügel boten sie ein ums andere Mal Räume für die Hamburger. Sie hatten Glück, dass van der Vaart keinen sonderlich kreativen Tag erwischte.

Große Probleme hatten die Bremer auf ihrer rechten Seite. Thomas Schaafs war besagte wohl, Ignjovski Hamburgs Jansen bei dessen Offensivläufen verfolgen zu lassen. Dafür sollte der nominelle Rechtsverteidiger Theodor Gebre Selassie weiter nach innen rücken. Diese Aufgabenteilung funktionierte in der Praxis jedoch nicht: Oft blieb Ignjovski zu hoch, sobald Selassie nach außen rückte, bekam er keine Unterstützung vom Mittelfeld und der eigenen Viererkette.

Das 1:1 war in dieser Hinsicht besonders kurios: Heung-Min Son bekam den Ball auf dem linken Flügel, umkurvte Selassie – und hatte einen völlig freien Schusswinkel auf das Tor (23.). Ein No-Go für ein verteidigendes Team, den Winkel zwischen Tor und ballführenden Spieler offen zulassen.

Trotz der defensiven Schwächen blieben es die einzigen Tore in der ersten Halbzeit. Beide Teams haderten mit ihrer Offensive: Der HSV versuchte das Spiel zu machen, hatte aber wie in der Vorwoche Probleme mit der offensiven Aufteilung. Bremen lauerte hingegen auf Konter,  die allerdings von zum Teil haarsträubenden Fehlpässen unterbrochen wurden.

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