Hollands Sehnsucht nach 1988

Und ewig trifft van Basten

Der größte Moment des niederländischen Fußballs fand 1988 beim großen Nachbarn statt, und Deutschland versank in Orange. Von diesem Triumph und der Sehnsucht nach einem neuen erzählt das Oranje Voetbal Museum in Amsterdam. Hollands Sehnsucht nach 1988Imago Hollands ganzer Fußballstolz passt in ein schmales Gebäude mit gerade einmal vier Stockwerken. Nicht besonders verwunderlich, schließlich liest sich die Titelsammlung der niederländischen Nationalmannschaft bislang eher wie ein Lesebuch für Erstklässler – wenige Worte in Großbuchstaben füllen eine ganze Seite. Erst einen Titel konnten die stolzen Oranjes trotz ihrer unbestrittenen fußballerischen Qualitäten gewinnen, doch der sorgt im Nachbarland immer noch für die größtmögliche Genugtuung. 20 Jahre ist es her, dass die Holländer ausgerechnet in Deutschland Europameister wurden. Im Oranje Voetbal Museum von Amsterdam wird der Besucher auf Schritt und Tritt an dieses Ereignis erinnert.

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Bereits beim Betreten des Eingangsbereiches lachen einem die Helden von damals entgegen. Van Basten, Gullit, Koe-man, van Breukelen, alle sind sie da. Auf den deutschen Fußballfan wirkt ihr Lachen eher wie ein diabolisches Grinsen. Es lässt die Erinnerung an jenen Abend im Juni 1988 wieder aufleben, als der Autor dieser Zeilen auf einem Campingplatz an der italienischen Adria-Küste inmitten einer Horde Holländer die Schmach von Hamburg erleben musste. 1:1 stand es nach 88 Minuten, und ich hatte mir gerade eine weitere Fanta für die Verlängerung bestellt, als Marco van Basten uns aus allen Träumen riss. Ein langer Ball aus dem Mittelfeld, der Stürmer gewinnt das Laufduell gegen Kohler, und die Kugel kullert am heutigen Dschungelkämpfer Eike Immel vorbei ins lange Eck. Was blieb: 50 jubelnde Holländer um uns herum, 25.000 Oranje-Fans im Hamburger Volkspark außer Rand und Band sowie mehrere hunderttausend singende und tanzende Niederländer auf den Straßen ihrer Heimat. Historiker haben herausgefunden, dass an jenem 21. Juni 1988 mehr Menschen auf den Straßen den Sieg über Deutschland feierten als 43 Jahre zuvor den Tag der Befreiung von Nazi-Deutschland durch die Alliierten. So viel zum Thema sportliche Rivalität.

»Seht ihr, Deutschland, so wird das gemacht«


Im Fußballmuseum in der berühmten Kalverstraat 236, der niederländischen Monopoly-Version der Schlossallee, ist das Siegtor des heutigen Bondscoaches allgegenwärtig. Egal, ob man einen Film über das Leben der Trainerlegende Rinus Michels anschaut oder sich von Torwart Hans van Breukelen den Fußball erklären lässt, ob nun in den biografischen Texten über sämtliche Nationalspieler oder den Film-ausschnitten aus der niederländischen Fußballgeschichte: Ewig trifft van Basten. Ihm selbst ist natürlich auch ein Film gewidmet, in dessen Mittelpunkt die 89. Minute von Hamburg steht. Selbst aus der Jukebox im ersten Stock ertönt ein hämisches »Seht ihr, Deutschland, so wird das gemacht«, nachdem man sich den Kommentar zum EM-Halbfinale angehört hat. Wer schmerzfrei ist, kann sich im Hauskino im zweiten Stock immer und immer wieder die Erfolge der Niederlande anschauen.

Auch van Bastens Jahrhunderttor im Münchner EM-Finale gegen Russland darf natürlich nicht fehlen. Für Freude beim deutschen Besucher sorgen hingegen die Bilder vom WM-Finale 1974 oder vom EM-Achtelfinale 1990.

Für den Sommer ist geplant, in jenem kleinen Kino auch die EM-Spiele der »Elftal« zu zeigen. Geht es nach den Vorstellungen des Supportersclub Oranje, flackern dann andere Helden über die Leinwand. Arjen Robben, Ruud van Nistelrooy oder Dirk Kuijt heißen 20 Jahre nach van Basten die Hoffnungsträger. Auch abseits des von außen unscheinbaren Oranje-Tempels werden sie im Sommer in den Bars und Cafés das Treiben ihrer Lieblinge verfolgen. Tausende Fans werden sich zudem auf die Reise nach Österreich und in die Schweiz machen. Auf dem Bundesplatz in Bern und dem Marktplatz in Basel sind bereits wieder die berühmten Oranje-Feste geplant. Wie etwa 2004 in Porto, als die Holländer vor dem Vorrundenduell mit Deutschland die Stadt bevölkerten.

Auf einem riesigen Transparent über einer Gaststätte wiesen sie dort auf das wichtigste Datum ihrer Geschichte hin: den 21. Juni 1988.
In Amsterdam hoffen sie nach den Festtagen in den Alpenrepubliken auf Zuwachs für ihr schmuckes und mit viel Liebe gestaltetes Oranje Voetbal Museum. Schließlich gibt es im vierten Stock, wo die »Schatzkammer von Oranje« untergebracht ist, noch ein bisschen Platz. Im Zentrum der Vitrine: der EM-Pokal von 1988. Und in meinem Kopf trifft van Basten schon wieder…


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