Holger Hieronymus über das beste Publikum der Saison

Borussia Dortmund

Ein Grollen, ein Gewitter direkt über den Köpfen. Die Fans von Borussia Dortmund sind ein mächtiges Naturereignis. Für die Gegner ist das beeindruckend, aber nie beängstigend: Hier geht's nämlich um Liebe. Laudatio von Holger Hieronymus. Holger Hieronymus über das beste Publikum der SaisonPressefoto Ulmer

1. Platz: Borussia Dortmund
36 Punkte

Ich erinnere mich noch genau an die Auswärtsspiele mit dem Hamburger SV im Westfalenstadion Anfang der achtziger Jahre. Wir standen im Tunnel, warteten auf den Anpfiff, und draußen brodelte diese sagenhafte Kulisse. Das tiefe Grollen, durchsetzt von Gesängen und Trommelrhythmen, hatte etwas Urwüchsiges. Es war eine Naturgewalt, ein Gewitter direkt über unseren Köpfen.

Man könnte meinen, dass uns das Angst gemacht hätte – aber nein: Die BVB-Fans waren nie vom Hass auf den Gegner getrieben, sondern immer von der Liebe zur eigenen Mannschaft. Das ist auch heute noch so, dreißig Jahre nach meinen Erlebnissen als Spieler im Westfalenstadion – allem Wandel zum Trotz. Zwar sind die meisten Zechen in und um Dortmund längst geschlossen, das Westfalenstadion heißt Signal Iduna Park und ist keine Kirche der Bergarbeiter mehr, wie man damals so schön sagte. Doch die Liebe zur Borussia ist von den Vätern auf die Söhne übertragen worden. Insofern ist Fußball in Dortmund noch immer eine Art Religion.

Wenn Norbert Dickel, der alte Pokalheld und heutige Stadionsprecher, vor der Südtri-büne steht, dieser riesigen schwarz-gelben Wand, und die Fans auf die kommenden 90 Minuten einstimmt, dann sind Zehntausende auf den Rängen geeint durch das Ziel, ihre Mannschaft zum Sieg zu tragen. Der Anteil der Fans an der diesjährigen Deutschen Meisterschaft des BVB kann also gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Auch wenn das Wort vom »zwölften Mann« etwas überstrapaziert sein mag – auf die Dortmunder Fans passt kaum eine bessere Beschreibung. Sie waren wahrscheinlich oft das entscheidende Momentum, das den Erfolg sicherstellte.

Mit Jürgen Klopp arbeitet nun ein Trainer in Dortmund, der seinen enormen Enthusiasmus vollkommen unverkrampft nach außen tragen kann. Das spürt das Publikum. Der Trainer funktioniert dadurch wie ein Verstärker der Atmosphäre im Stadion. Und bestimmt gilt das auch andersherum: Das Publikum treibt ihn zu Höchstleistungen an. Klopp und die Fans von Borussia Dortmund – das ist eine Verbindung, die einfach passt.

Und dann sind da noch die Jungs aus der eigenen Jugend: Kevin Großkreutz oder Mario Götze. Durch sie besteht eine direkte Verbindung zwischen der Mannschaft auf dem Platz und dem Publikum. Wenn die beiden Dortmunder keine Profis geworden wären, stünden sie heute mit Sicherheit selbst in der Kurve. Und andersherum wünschen sich die Fans wohl nichts sehnlicher, als für ihren BVB auf dem Platz zu stehen.

Auch wenn es nur den Allerwenigsten vergönnt ist, wie Götze oder Großkreutz zu Akteuren der Borussia zu werden, so sind die Fans doch ein entscheidender Faktor. Sie schießen zwar keine Tore, aber sie treiben die Mannschaft zu Treffern und zum Sieg. Durch ihre Liebe zum Verein und ihren Glauben an die Mannschaft. Das war bereits 1980 so. Das ist auch heute noch so. Und das wird hoffentlich immer so bleiben.

2. Platz: FC St. Pauli
28 Punkte
Das Publikum am Millerntor ist nicht kleinzukriegen, weder von Abstiegen noch von Sozialromantikern. Angst muss man nur vor der Haupttribüne haben: Bierbecher wegräumen!

3. Platz: Hertha BSC
14 Punkte
Will ja niemand glauben, aber: Berlin liebt Hertha. Jedenfalls tun es so viele, dass die Weiten des Olympiastadions mit etwas gefüllt sind, das man echtes Leben nennen könnte.

Im Doppelpass mit:

Liga total!VWCastrol

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