Hoffenheims neues Vereinslied

Wir sind Hoffe!

Der Akademiker-Fanclub Hoffenheim nennt das Machwerk ein Beispiel für »modernen Eklektizismus«, wir nennen es schlichtweg »die verzweifelte Suche nach dem Ich«. Eine Analyse des neuen Hoffenheimer Vereinsliedes. Hoffenheims neues VereinsliedImago Jetzt ist es soweit, auch die TSG 1899 Hoffenheim hat ein Vereinslied. Direkt nach dem Badener-Lied dröhnt es seit der Rückrunde vor Spielbeginn durch die nigelnagelneue Arena. Beim Akademiker-Fanclub Hoffenheim stößt der Song von den »Rhein-Neckar Helden« auf Zustimmung. Aber als aufklärerischer Leuchtturm im Dunkel der Fußballkultur können wir die »Rezension« der Akademiker Hoffenheims nicht ohne eigenes Urteil stehen lassen. Selbst wenn wir damit alle beide verärgern.

Liebe Zuschauer im Telekolleg, schauen wir uns den Text doch einmal genauer an:

Hoffe, Hoffe! Wir sind Hoffe!
1899 Hoffenheim.
Wir kämpfen, siegen, geben niemals auf,
super Hoffe TSG!

Hoffe, Hoffe! Wir sind Hoffe!
In den Farben Blau und Weiß
1899 Superhoffenheim
Nur damit es jeder weiß!


Schon der Beginn des Refrains verweist deutlich auf die Herkunft der Hoffenheimer - sinngemäß das Nichts. Diese Unzulänglichkeit macht eine selbstbewusste Vorstellung notwendig. Als Trichter der Homogenität für ein heterogenes Gebilde wie die Fangemeinschaft der TSG dient dabei der einheitsbildende Neologismus »Hoffe«. In seinem neckischen Klang eindeutig an den großen Wortschöpfer unserer Zeit, Ailton, angelehnt (»Schieße Tore viel, hoffe, hoffe Meisterschaft für das Werder!«).

Die Intention des Refrains fasst im Übrigen der letzte Vers treffend zusammen: Es geht um eine Art Täterprofil, eine Beschreibung dieser unbekannten Truppe mit den vielen Namen (»Hoffe«, »1899«, »TSG«, »Hoffenheim«, »Superhoffenheim«, »Traditionsverein«), kurz: Es geht um den Ausgang des Fußballfans aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit, um Aufklärung. Wenn Anhänger anderer Vereine jemanden sehen, der blauweiß ist, kämpft, siegt, trotzdem (sic!) niemals aufgibt und Geräusche wie die Lokomotive Emma aus der Augsburger Puppenkiste von sich gibt (»Hoffe, Hoffe, Hoffe…«), dann handelt es sich um dieses unbekannte Völkchen der Hoffenheimer. »Nur damit es jeder weiß!«

Viel mehr als diese Erkenntnisse ist im Subtext nicht zu finden (Achtung: Entgegen weit verbreiteter Annahmen ist mit »Subtext« nicht das Kleingedruckte am unteren Ende des Textblattes gemeint!).

Bezug zur Geburtssituation des Säuglings

Auch die spärlich eingestreuten Verse dienen vor allem der Identitätsstiftung:

Unser Stolz, unsere Heimat, unsere Liebe Hoffenheim,
der Kraichgau tobt und wir sind mittendrin, und stimmen alle ein:


[…]


In der Rhein-Neckar-Arena sind wir daheim,
mit den besten Fans im Rücken, da heizen wir euch ein.


In unreinen Paarreimen wendet sich der Text an »Hoffe«-Anhänger und andere Fußballfans gleichermaßen. Unterstützt wird dieser appellative Charakter durch die durchaus ungewöhnliche Kombination von Jamben, getragenen Hebungen (Rhaainn-Näckaaarr-Areeennaaaa) und allem, was sich weit entfernt von Alexandriner und Hexameter aufhält. Die dadurch entstehende Unruhe im Versmaß unterstreicht die Botschaft eines »tobenden« Kraichgaus und dem »Einheizen« des Gegners.

Interessant ist an den Strophen vor allem zweierlei: Zum Einen der nach Freud deutlich zu erkennende Bezug zur Geburtssituation des Säuglings (»der Kraichgau tobt und wir sind mittendrin«), was Unschuld suggeriert und die Geschichte von »Hoffe«, dem lustigen Heim aus der Puppenkiste, an ihren Beginn zurückversetzt. Tradition verblasst davor, reduziert auf die technokratische Zahlenkombination Achtzehn-Neunundneunzig. Zum Anderen verändert sich die Appellstruktur nachhaltig im letzten Vers, der gegnerische Mannschaften und Fans direkt anspricht. »Da heizen wir euch ein« wird so zur unverhohlenen Drohung, in ihrer Schärfe lediglich abgefangen durch das Mantra-artige Wiederholen des selbstreferentiellen Refrains.

Ein Stück deutsches Liedgut, gefangen in der Ambivalenz eines Anspruchs auf Einzigartigkeit, der durch Wiederholungen und Verwechselbarkeit mit jedem anderen Vereinslied scheitern muss. Doch: »Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen.« Wir danken für die Aufmerksamkeit.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!