Hoffenheims Ex-Trainer und der Streitfall Ba

Rangnick: »Demba Ba ist kein Söldner«

Vom Publikumsliebling zum Meuterer: Hoffenheims Angreifer Demba Ba scheint sich seinen Ruf durch Trainingsstreik und Wechselwünsche ruiniert zu haben. Jetzt bekommt der Senegalese Rückendeckung: Von seinem Ex-Trainer Ralf Rangnick. Hoffenheims Ex-Trainer und der Streitfall Ba

Die Tonlage im beschaulichen Hoffenheim ist rau geworden. Rauer jedenfalls, als es sonst in diesem so knallharten, aber verbal weich verpackten Geschäft üblich ist. »Wir haben uns ganz klar entschieden«, ließ Ernst Tanner, Manager der TSG 1899 Hoffenheim Anfang der Woche verlauten, »Unser Ziel ist es, ihn bis zum Ende der Transferperiode am 31. Januar zu transferieren. Sollte er trotzdem zurück nach Hoffenheim müssen, kann er trainieren und sich auf die Tribüne setzen.« »Er« ist Demba Ba, Aufstiegsheld, Publikumsliebling, Leistungsträger. In nur wenigen Wochen hat sich der groß gewachsene Angreifer zum Buhmann einer ganzen Branche gemacht. Weil er einen Wechsel noch in der Winterpause provozieren wollte, erschien Ba nicht zum Trainingslager der Hoffenheimer und während die TSG wutentbrannt auf die Einhaltung seines Arbeitsvertrages pochte, trat Ba einfach in den Streik. Hoffenheim reagierte schließlich auf ein Angebot von Stoke City, doch kurz vor der Vertragsunterzeichnung flog Ba durch die medizinische Prüfung der Briten. Jetzt geht das große Rätselraten um seine Zukunft weiter.

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Aktuell hält sich Ba bei seiner in London lebenden Familie auf, Kommentare von ihm zu seiner Situation gibt es nicht. Auf Anfrage von 11FREUNDE stimmte Ba zunächst einem Gesprächstermin zu, war dann allerdings nicht mehr zu erreichen. Derweil arbeiten in Deutschland verschiedene Seiten daran, den Ruf von Demba Ba komplett zu ruinieren. Für die Medien ist er inzwischen »Beliebt wie Föhnwetter beim Ski« (Tagesspiegel), Werder-Sportchef Klaus Allofs sprach vielen Beobachtern des Transferstreits aus der Seele, als er im »Doppelpass« betonte: »Selbst wenn er (Demba Ba) 35 Tore garantieren würde, würde ich ›nein‹ sagen. Die Bundesliga muss bei solchen Spielern zusammenhalten und darf solche Spieler nicht verpflichten.« Die Bundesliga ist für Demba Ba nur noch verbrannte Erde.

Demba Ba: »Der Verein hat mir die Ausstiegsmöglichkeit gegeben.«

Demba Ba reagierte dann doch. Nicht in Form eines Interviews, sondern mit einer ausführlichen Erklärung auf seiner Homepage. Darin bestätigt Ba zunächst seinen Respekt und »meine Liebe für dieses Trikot, den Verein und seine Fans« und gibt dann Einblick in sein Seelenleben: »Seit einiger Zeit träumte ich von einer sportlichen Herausforderung und ein Verein hat mir vorgeschlagen mit ihnen diese anzunehmen. Der plötzliche Abgang meines Trainers (...) hat meinen Wunsch verstärkt meine Chance zu suchen. (...) Der Verein hat mir die Ausstiegsmöglichkeit unter gewissen Umständen, die erfüllt worden sind, gegeben.« Wie diese »gewissen Umstände« im Detail aussehen, sagt Ba nicht. Mit ziemlicher Sicherheit lässt sich allerdings sagen, dass es sich dabei um eine Ablösesumme in entsprechender Höhe handelt. Eine Hoffenheimer Ausstiegsklausel für Demba Ba? Dann müsste der Prozess der vergangenen Wochen neu bewertet werden.

Rückendeckung erhält Ba nun von prominenter Seite. Auf Anfrage von 11FREUNDE sagt Ralf Rangnick, Hoffenheims Ex-Trainer: »Wenn das mit der Freigabe stimmt, dann erscheint die aktuelle Diskussion in einem etwas anderen Licht. Das rechtfertigt allerdings immer noch nicht seinen Beschluss, einfach nicht zum Training zu erscheinen. Wer auch immer ihm das geraten hat, hat ihm damit keinen Gefallen getan.« Auf Demba Bas Berater Karim Aklil ist die TSG Hoffenheim tatsächlich nicht gut zu sprechen. Bereits im Sommer 2009 versuchte Aklil Druck auf Hoffenheim auszuüben, um seinen Klienten zum VfB Stuttgart zu transferieren. Der Wechsel scheiterte damals, auch wegen eines nicht bestandenen Medizin-Checks. Ba musste viel Prügel einstecken, war nach kurzer Zeit allerdings wieder vollständig rehabilitiert. »Nach der Stuttgart-Posse im Sommer 2009 haben wir ihm klar gemacht, welche Fehler er gemacht hat«, erinnert sich Ralf Rangnick, »Noch wichtiger war allerdings, dass er der Mannschaft und den Fans signalisiert hat, dass er sehr wohl weiter mit vollem Herzen für die TSG spielen wird.«



Rangnick, der Anfang des Jahres aufgrund der Transferstreitereien um Luiz Gustavo überraschend von seinem Posten als Chef-Trainer der TSG zurücktrat, hatte Demba Ba im August 2007 vom belgischen Klub Excelsior Mouscron zum damaligen Zweitligisten Hoffenheim gelotst und damit einen entscheidenden Transfercoup für die darauf folgende Erfolgsserie gelandet. Er entwirft ein anderes Bild, als das des geldgierigen Streikpostens, der laut Sport-Informations-Dienst in Hoffenheim eine »Persona non grata« ist: »Demba Ba war bei uns in der Mannschaft immer beliebt, auch und vor allem wegen seiner integrativen Fähigkeiten. Er hat jedem Spieler, der neu in die Mannschaft kam, geholfen, sich im Verein zurechtzufinden. Er ist kein Spieler, der nur zur Arbeit kommt und dann wieder geht, sondern jemand, der sich mit Mitspielern und dem Verein identifiziert hat.«

»Wenn Demba Ba fit war, war er Leistungsträger«

Doch ist der Ruf erst ruiniert: Auch Rangnick kann sich eine Rückkehr Bas in Hoffenheims Bundesliga-Kader nicht vorstellen. Zu deutlich sind die Aussagen von TSG-Manager Ernst Tanner, der auf die Frage nach einer möglichen Rehabilitierung des wechselwilligen Stürmers antwortete: »Das wäre der Mannschaft nicht zu vermitteln.« Bleibt die Frage, wo Demba Ba 2011 Fußball spielen wird. Ein Stürmer seines Kalibers auf der Tribüne in Sinsheim, dürfte jedem Trainer das Herz bluten lassen. Die Aussagen seines ehemaligen Förderers Ralf Rangnick sollte sich Ba jedenfalls ins Transferprofil kopieren lassen: »Wann immer Demba Ba fit war, war er nicht nur Stammspieler, sondern ein echter Leistungsträger, der auf jeder Position im Drei-Mann-Sturm einsetzbar war. Was ihn auszeichnet: Extreme Laufbereitschaft und ein unwiderstehlicher Zug zum Tor. In Bestform war er immer nur schwer zu stoppen.« Trotz des nicht bestandenen medizinischen Checks scheint die Option Stoke City jedenfalls noch nicht endgültig vom Tisch. Citys Teammanager Tony Pulis erklärte: »Wenn unser Klubarzt sagt, dass es drei, vier oder fünf Monate dauern wird, dann sehe ich keine Chance. Aber wenn es nur Wochen dauert, wer weiß, dann könnte es richtig sein, es zu tun.« Weiterhin unbeantwortet bleibt allerdings die Frage, welche körperlichen Defizite Stokes Ärzte daran hinderten, Grünes Licht für die Verpflichtung von Ba zu geben. Genauere Informationen aus England sind nicht bekannt.

Wie auch immer diese Geschichte endet, seinen Ruf in Deutschland wird Demba Ba wohl nicht mehr retten können. In seiner Homepage-Erklärung wagt er immerhin einen zaghaften Versuch: »Ich verlange und erwarte nur, dass der Verein zu seinem Wort steht und dass er diesen Transfer ermöglicht. Meine Name ist seit einigen Tagen durch den Schmutz gezogen worden, aber nirgends erwähnt man die zahlreichen Angebote, die ich abgelehnt habe, um meinem Verein treu zu bleiben und mit der Mannschaft zu wachsen.« Und auch sein ehemaliger Trainer Ralf Rangnick sagt: »Das Bild, das von Demba gezeichnet wird – der Prototyp des modernen Söldners – kann ich mit Blick auf die Zusammenarbeit in den vergangenen dreieinhalb Jahren nicht bestätigen. Ohne einen Demba Ba wäre die TSG 1899 Hoffenheim nicht in die erste Bundesliga aufgestiegen.«

Es geht um die Zukunft von Demba Ba

Rein sportlich scheint Demba Ba weiterhin interessant zu sein für die internationale Konkurrenz. Neben Stoke City sind bereits West Ham United und West Bromwich Albion an die TSG Hoffenheim herangetreten. Hoffenheim-Manager Ernst Tanner soll bereits auf dem Weg nach England sein. Es geht um einige Millionen Euro, die Lösung eines Problems – und die Zukunft von Demba Ba.

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Die Community von 11freunde.de diskutiert bereits eifrig über Demba Ba. 11freunde.de-User »Donaldo« findet etwa: »Die Meinung, Ba sei kein Söldner, hat Rangnick wohl ziemlich exklusiv. Gut, Rangnick hat öfter mal Meinungen und Ansichten exklusiv...aber u.a. die Begründung anzuführen, er sei Leistungsträger, überall im Sturm einsetzbar usw hat ja nichts mit Ba's Mentalität zu tun...und um die geht es ja wohl.«

Und User »schabernack« schreibt: »Im Profifußball läuft das halt trotz aller Kommerz- und Professionalisierung nunmal nicht nur mit handfesten Verträgen und schriftlichen Abmachungen. Die Spielerverträge sind nicht ausführlicher oder detailreicher als das, was du in handelsüblichen Fußballmanager-Simulationen anklicken kannst und passen auf eine DinA4-Seite.«

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