Vor dem ersten Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften in eben dieser Bundesliga hat sich Dietmar Hopp in einem persönlichen Brief an den Düsseldorfer Vorstandsvorsitzenden Peter Frymuth für seinen Anwurf entschuldigt. »Ich wollte mit meinem Beispiel natürlich auch deutlich machen, dass eben nicht die Tradition, sondern nur die sportliche Qualifikation der angemessene Maßstab für die Zugehörigkeit zur 1. Liga sein könnte«, schreibt Hopp. »Davon war die Fortuna 2008 ein großes Stück weit entfernt, aber zu meiner Freude hat sie es inzwischen ja geschafft.«
Verblüffend ist: Selbst in seiner Entschuldigung kann Hopp nicht den Komplex unterdrücken, dass sein Verein keine nennenswerte Tradition besitzt. Er disqualifiziert dieses Wort, indem er es klingen lässt, als würden den Spielern in leistungshemmender Absicht geerbte Schrankwände auf den Rücken geschnallt.
Halten wir dagegen und sagen: Tradition kann, Fortuna Düsseldorf zeigt es, auch beflügeln. Wenn ein Verein weiß, wohin er gehört, wird er über kurz oder lang dahin zurückkehren. Denn Tradition bedeutet Wissen, Identifikation und Begeisterung, die nicht an einer Serie von drei Niederlagen zerschellt.
Mag sein, dass uns diese romantische Einschätzung auf die Füße fällt, wenn im Jahre 2027 die TSG 1899 Hoffenheim ihren Titel im Finale der World Series gegen Red Bull Kabul verteidigt und der FC Bayern seinen Abstieg in die Kreisliga beweint, weil ihm die »sportliche Qualifikation« abhanden gekommen ist.
Aber es irrt der der Mensch nun mal, solang er strebt. Und dann ist es uns auch egal.