Hoeneß und Herthinho: Der Abschied

»Wer füttert Dich jetzt?«

Dieter Hoeneß ist nicht mehr Manager von Hertha BSC. Doch was wird nun aus dem Verein, den er 13 Jahre lang führte? Vor allem: Was wird aus Herthinho, dem ihm treu ergebenen Maskottchen? Wir haben den Abschied der beiden protokolliert. Hoeneß und Herthinho: Der AbschiedImago Sonntag Nachmittag in Dieter Hoeneß' Büro. Ein herbstähnlicher Landregen peitscht gegen die Fenster, Hoeneß wirft lustlos Wimpel, Locher und Zigarren in einen Umzugskarton. Da steckt Hertinho, das Maskottchen des Hauptstadtklubs, seinen dicken Kopf durch die Tür.


Hoeneß (liebesbedürftig):
Ach, mein Bärchen. Komm doch mal zu Papa!

Herthinho hechelt herbei, hüpft auf den Schoß des Ex-Managers.

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Hoeneß (nostalgisch):
Mein Gott, wie die Zeit vergeht! Ich weiß noch ganz genau, wie ich dich vor dreizehn Jahren in der Geschäftsstelle gefunden habe. Ganz verwahrlost warst du, dein Fell war zottelig, und jede Rippe konnte man sehen.

Herthinho winselt vor schmerzlicher Erinnerung. Von irgendwoher erklingt die Titelmelodie des Disney-Dramas »Cap und Capper«.

Hoeneß (entrückt lächelnd):
Und wie ich dich dann im klapprigen Mannschaftsbus zu »Konnopke« gefahren habe, um dich aufzupäppeln. 82 rohe Würstchen! Hattest du einen Hunger!

Herthinho Lefzen werden feucht, ein Speichelfaden beschmutzt Hoeneß' Oberhemd.

Hoeneß (pathetisch):
Und so war es mit dem ganzen Verein! Ich habe ihn gesund gepflegt! Wie die Duschen aussahen! (angewidert) Überall Fußpilz! Was ich da wegkärchern musste! Naja, nicht ich persönlich... Aber ich habe den Kärcher bezahlt! Ich!

Herthinho knurrt anerkennend.

Hoeneß (verächtlich):

Und der Kader! Pah! Wer war denn hier, 1996? Altin Rrakli! Sixten Veit! Steffen Karl!

Herthinho heult die Neon-Röhre an.

Hoeneß (superstolz):
Und wen ich dann geholt habe! Die Crème de la Crème des internationalen Spitzenfußballs! Luizao – den Weltmeister! Piotr Reiss! Alphonse Tchami! Brian Roy! Alex Alves! Der mit dem schicken Pelz! So wie die du auch einen hast, mein kleiner, süßer, dicker Teddy-Teddy!

Hoeneß krault Herthinho hingebungsvoll am Bauch, der japst verzückt.

Hoeneß (plötzlich verbittert):
Aber seit dieser Schweizer hier ist, zählt das alles nichts mehr. War mir gleich suspekt, der Mann. »Faa-Wrö«, will er genannt werden. »Alles ist möglisch!«, hat er gesagt. Dass ich nicht lache! (lacht diabolisch) Faa-Wrö! Lü-ßiäng! Missjö!  

Hoeneß schmettert ein Airbrush-Gemälde, das er vom »Aktuellen Sportstudio« mitgebracht hat, in den Umzugskarton. Das Glas zerbricht, Herthinho fällt vor Schreck fast von Hoeneß' Schoß.

Hoeneß (tierlieb):
Ja, mein Honigbärchen, du bist auch traurig, nicht wahr? Wer füttert Dich jetzt bloß? Gegenbauer wohl kaum, der feine Herr. Und dieser Preetz! Eine Natter habe ich an meiner Brust genährt! Sowieso: »Pree-heetz raus!« – wie das klingt! »Hoeneß raus!« – das hatte Klasse!

Da schlendert Michael Preetz, Hoeneß' designierter Nachfolger, am Büro vorbei. Er spricht in ein badezimmerschrankartiges Riesentelefon.

Preetz (wichtig):

Ja, Lucien! Ich bin da ganz bei dir: Wir müssen close to the costumer sein! Above the line! Absolutely machbar, das ist keine rocket-science! Wir sehen uns im four-eyes-meeting um two pi-emm! Ciao-ciao!

Preetz legt auf, schraubt sich dann in Hoeneß Büro.

Preetz (leutselig):
Ah! Grüß dich, Dieter! Wie schön, dich beim Aufräumen zu sehen. Bitte saug dann auch noch mal fix durch, ja? Na, und du, Hertinho: Vergiss nicht, dass du in einer halben Stunde einen Termin mit deinem Personal-Trainer hast. Spinning, mein Lieber! Mit der Plauze gehst du mir nicht in die neue Saison!

Herthinho drückt sich angsterfüllt an Hoeneß.

Preetz (fremdenlegionärshaft):
Zackig, du Fettbär! Oder willst du den gleichen Weg gehen wie dein Herrchen da? Den Verein »auf eigenen Wunsch verlassen«? Nein? Nicht? Na, also.

Herthinho trollt sich mit hängenden Ohren.

Preetz (arrogant):
Geht doch.

Dieter Hoeneß bleibt allein im Büro zurück, die Neonröhre beginnt zu flackern.


Hoeneß (apokalyptisch):
Kauf ich mir halt ne Katze.  

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