Hoeneß, Rudi, Trapattoni: Best of Wutreden

Was erlauben Doll?

Die Bundesligasaison ist vergurkt, mit dem Pokalsieg hat es nicht geklappt. Aber BVB-Trainer Thomas Doll ist mit »Da lach' ich mir den Arsch ab« wenigstens noch ein Beitrag für das Schatzkästchen deutscher Wutreden gelungen. Hoeneß, Rudi, Trapattoni: Best of WutredenImago Ehre, wem Ehre gebührt. Franz Beckenbauer mag granteln können wie kein Zweiter, doch der Kaiser des Wutausbruchs ist und bleibt Giovanni Trapattoni. Das belegen die Klickzahlen auf gängigen Videoportalen im Internet. Dort gibt es den Original-Trappatoni Jahrgang '98 (»Was erlauben Strunz?, »Ich habe fertig!«), der das noch recht junge Genre der Wutrede vor laufender Kamera in Deutschland etabliert und sofort zu einsamer Größe geführt hat, längst auch englisch untertitelt (»What dare Strunz?«, »I have ready«). Ein Klassiker der Welt-Rhetorik.

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Was man früher Kabinenpredigt nannte, das Gebrüll hinter verschlossenen Türen in der Halbzeitpause, Trapattoni hat es als erster öffentlich gemacht. Es gibt seither viele Nachahmer. Hoeneß, Völler, notorisch Daum - und jetzt Doll. Mal schreien sie »Käse«, mal »Scheiße« - immer häufiger fordern sie mehr Respekt. Stil und wortfinderische Eleganz einer Trapattoni-Rede gehen ihnen dabei immer öfter (pardon) am Arsch vorbei.

Was treibt Menschen, in einer Zeit, in der alles öffentlich und fast alles live ist, in der deshalb Teleprompter und von Pressesprechern dreifach redigierte Redemanuskripte fast jedes öffentlich gesprochene Wort mit Netz und doppeltem Boden absichern, sich immer mal wieder komplett gehen zu lassen? Wahrscheinlich ist es der alte kreatürliche Reflex, in Notsituationen zu fauchen und den Gegnern die Krallen zu zeigen. Noch dazu können sich seit Trapattoni Wutredner weitgehend darauf verlassen, dass das Publikum auf ihrer Seite steht, wenn sie nur möglichst unflätig und unverschämt werden. Rudi Völler etwa hat kräftig gepunktet, nachdem er mit der deutschen Nationalelf 2003 auf Island einen Grotten-Kick abgeliefert hatte. Als unter anderem »ARD-Experte« Günter Netzer genau dies bemängelte, fauchte Völler zurück: »Was hat denn der Günter früher für'n Scheiß gespielt«. Moderator Waldemar Hartmann musste sich anhören, er habe wohl schon drei Weizenbier intus gehabt, als er das Interview begann. Und Fußball-Deutschland diskutierte am nächsten Morgen nicht etwa über die eklatante Sturmschwäche der Völler-Elf, sondern vielmehr über die Frage, ob es auf Island Weizenbier zu kaufen gibt.

Uli Hoeneß bringt es derzeit bei youtube auf 125 000 Klicks


Wir lernen: Wer sich entrüstet, wer einmal den viel zu engen Panzer guten Benehmens sprengt und schreit, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, der gewinnt Sympathien und meist auch einen wichtigen taktischen Vorsprung in den öffentlichen Diskussionen. Selbst die eigenen Truppen darf ein Ritter der unflätigen Rede kurzzeitig beleidigen. Bayern-Manager Uli Hoeneß etwa, der kritische Fans in der Jahreshauptversammlung im November 2007 anbrüllte (»Was glaubt Ihr denn, wer Ihr seid?«), musste sich hinterher nur halbherzig entschuldigen (»mir sind die Sicherungen durchgebrannt«). Im Internet ist seine Rede längst ein deutscher Exportschlager: »Manager Uli Hoeneß of FC Bayern München explodes« bringt es derzeit bei youtube auf 125 000 Klicks.




Jetzt also Doll. Auf die Medien hat er ín der BVB-Pressekonferenz am Mittwoch tapfer geschimpft. Mehr Respekt hat er gefordert. Und auch wenn die sprachliche und intellektuelle Qualität seiner Rede in Ungefähr das aktuelle spielerische Vermögen des BVB spiegelt: Immerhin beherzigt sie die Erkenntnis, dass jede Wutrede einen Refrain braucht, eine Botschaft, einen Slogan. »Da lach' ich mir den Arsch ab«, lautet er bei Doll.

Das wird sich einprägen. Das ist ein potenzieller Quoten-Hit. Unangenehmer Nebeneffekt: Aus den Tiefen des Internets wird die wachsende Fan-Gemeinde von Pleiten-, Pech- und Pannen-Videos diese Rede künftig mit der überaus unschönen Suchwort-Kombination »Doll & Arsch« hervorgoogeln.



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