Hitzfeld und Rehhagel - ein Vergleich

Die Dinos

Ottmar Hitzfeld und Otto Rehhagel sind die beiden erfolgreichsten Bundesligatrainer der letzten zwei Jahrzehnte. An einer Weltmeisterschaft nahmen sie bislang noch nie teil. Ein Vergleich der beiden Haudegen. Hitzfeld und Rehhagel - ein Vergleich Er wird sich etwas dabei gedacht haben. Vielleicht wollte er ein lange ersehntes Wiedersehen an der Seitenlinie einfädeln, den Fotografen damit schöne Motive bescheren. Wie dem auch sei: Der Fußballgott führte die beiden deutschen Trainer-Dinosaurier in die gleiche WM-Qualifikationsgruppe. Während sich Ottmar Hitzfeld mit der Schweizer »Nati« als Gruppenerster bereits direkt für Südafrika qualifiziert hat, muss Otto Rehhagel mit seinen Hellenen noch die K.o.-Runde überstehen. Dort trifft der Europameister von 2004 auf die Ukraine.

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Auch Hitzfeld ist Deutscher!

Die beiden deutschen Urgesteine auf der Trainerbank könnten sich also mit etwas Glück im Juni in Afrika wiedersehen. Für einige überraschend: Auch Ottmar Hitzfeld, der von nicht wenigen deutschen Beobachtern für einen Schweizer gehalten wird, ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Im südbadischen Lörrach, das auch Sebastian Deisler hervorgebracht hat, steht die Wiege des Schweizer Nationalcoachs. Von dort sind es nur gut 10 Kilometer bis ins linksrheinische Basel, was einer der Gründe für die kollektive Falschwahrnehmung sein könnte. Auch hatte Hitzfeld 17 Jahre in der Schweiz gespielt und trainiert, bevor er 1991 bei Borussia Dortmund anheuerte.

Vielleicht liegt es auch an Hitzfelds Ruhe und Bodenständigkeit, zwei Eigenschaften, die immer als charakteristisch für unser allzeit friedvolles südliches Nachbarland angeführt werden. Ottmar Hitzfeld ist zweifellos ein akribischer Arbeiter, er war bei seinen Stationen als Trainer nie auf den schnellen Erfolg, sondern immer auf einen langfristigen Aufbau konzentriert. In Dortmund formte er vier Jahre lang eine Mannschaft, bis sie titelreif war, zwei Meisterschaften gegen die deutsche Konkurrenz und die Champions League gegen einige der größten Individualisten der damaligen Zeit gewann.

Bereits in seinem ersten Jahr als Bayern-Trainer erreichte Hitzfeld 1999 erneut das Finale der europäischen Königsklasse. Rückblickend ist das Desaster von Barcelona aber lediglich ein kurzer, schmerzhafter Knick in der Erfolgskurve des Lörrachers. Zwei Jahre später rehabilitierte sich der FC Bayern unter Hitzfeld mit dem Triumph gegen Valencia. Auf dem Weg zum Finale hatten sich die Bayern ihrer Nemesis aus Nordengland mit zwei Siegen in typisch Hitzfeldscher Unaufgeregtheit entledigt.

Der Mann mit der Pickelhaube

Neben dem »Schweizer« Hitzfeld wird auch ein anderes Bild oft bemüht: Hitzfeld, der preußische General. Auf einer Meisterfeier in Dortmund setzte man dem Erfolgstrainer passenderweise eine Pickelhaube auf. So beschränkt aussagefähig und verzerrt solche Pauschalvergleiche sein müssen, transportiert diese Karikatur des südbadischen Fußballlehrers doch auch interessante Wahrheiten. Hitzfeld legt in der Außendarstellung unverbrüchliche Loyalität an den Tag und beherzigt intern wie extern feste Prinzipien.

»Schütze deine Stars« lautet eines seiner Dogmen, das er zwar in seiner zweiten Amtszeit bei den Bayern etwas aufweichte, um die wenig fokussierten Profis aufzurütteln, generell aber nach wie vor beherzigt. Hitzfeld repräsentiert seine Arbeitgeber in der Öffentlichkeit sachlich und korrekt, Ausbrüche à la Trapattoni wird man von ihm nie sehen, selbst kleinere PK-Ausraster nicht.

Wo Hitzfeld analysiert, ist Rehhagel Philosoph. Während die Ausführungen des 71-jährigen gelernten Malers und Lackierers oft blumig und mitunter gestelzt klingen, wo er sich mit prominenten Dichtern und Denkern umgibt, dringt beim elf Jahre jüngeren Sport- und Mathelehrer ebenjene Fächerkombination durch alle Statements. Man könnte sagen: Hitzfeld will nicht mehr sein als er ist. Deswegen sind ihm Husarenstücke wie die Rehhagels nicht zuzutrauen. Umgekehrt kann Rehhagel als Alleinherrscher über seine real existierenden Luftschlösser nicht in fremden Königreichen bestehen.

Rehhagel gibt den Zampano, der er ist


Der Theaterliebhaber Rehhagel ist an der Seitenlinie ganz Schauspieler, jedoch weit entfernt von Aufgesetztheit. Fingergepfeife, hektische Gesten, Bandensprünge und Trinkflaschenwürfe kommen allesamt aus Ottos Innerem. Rehhagel gibt den Zampano, der er ist. Ihn auf diese eine Facette zu reduzieren greift jedoch zu kurz. Auch als Vaterfigur und »Kümmerer« ist Rehhagel bei seinen ehemaligen Spielern eindrücklich in Erinnerung, wobei für diese Rollen kaum purer Altruismus, eher schon Erfolgsorientiertheit den Grundstein legte.

Ein Beispiel: Am Tag vor dem Halbfinale der EM 2004 kam Kapitän Zagorakis zu Rehhagel und beschwerte sich über das schlechte Hotel der Spielerfrauen. Rehhagel sorgte dafür, dass sie eine Etage in der Spielerunterkunft bekamen. Umfeld gut, Spieler gut.

Während Hitzfeld im Moloch Ruhrgebiet und in der Weltstadt München die größten Erfolge feierte, ist Rehhagels Erfolgskarriere nur in der Provinz denkbar. Bremen, Kaiserslautern, Griechenland – als Großer unter Kleinen fühlt sich Otto am wohlsten. Der Essener ist Autokrat, sein Konzept ist er selbst, sein Erfolgsgeheimnis beruht auf der Absenz von Großwesiren in seinem Umfeld, einer genauen Auslese der Fußballer, die spieltaktisch und menschlich in sein ewiges System passen – sowie auf der fast unheimlichen Fähigkeit, aus diesen Spielern 120 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit zu holen.

Als König Otto vom Thron fiel

Rehhagel erreicht dies mit einer Mischung aus taktischer Finesse und zwischenmenschlicher Väterlichkeit. Er baut seinen Spielern ein warmes Nest und erreicht durch väterliche Zuneigung unverrückbare Loyalität bei seinen Schützlingen. »Otto... find ich gut« - diesen Uralt-Werbespruch würden all die Schaafs, Rufers, Ratinhos, Marschalls und Charisteas’ jederzeit und noch heute unterschreiben. Auf der Kappe von Franz Beckenbauer war er damals nicht mehr als ein Werbe-Gag. Aufgesetzt. Neben einem Kaiser findet ein König keinen Platz. Im pluralistischen München, wo Hitzfeld triumphierte, erlebte König Otto folgerichtig seinen einzigen Thronsturz.

Rehhagel und Hitzfeld verbindet bei allen Unterschieden auch eine Menge. Beispielsweise die Gewissheit, dass erfolgreicher Fußball im Zweifelsfall dem schönen oder auch modernen Spiel vorzuziehen ist. Hitzfeld ließ noch mit Dreierkette spielen, als das längst keiner mehr tat, Rehhagels Systemtreue ist legendär. Beide sind keine Duzkumpel, sondern wollen in der Mannschaft als Respektspersonen wahrgenommen werden. Beide zehren natürlich mittlerweile von ihrer jahrzehntelangen Erfahrung im Geschäft.

Nimmt man die gewonnenen Titel von Rehhagel und Hitzfeld zusammen, liest sich das Ganze wie der schönste Trainertraum: Meisterschaft, Pokalsieg, Europapokal der Pokalsieger, Champions League, Weltpokal, Europameister.

Nur einer fehlt: Weltmeister. Aber das kann ja noch kommen. Mit 60 und 71 ist man ja noch im besten Traineralter.

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