Historische Duelle: Deutschland vs. Österreich

Die Geburt der Superzeitlupe

Vor dem Duell Deutschland gegen Österreich wird uns der liebe Nachbar wieder Geschichten aus Cordoba erzählen. Nervig? Nervig! Wir erinnern hier an weit wichtigere Spiele.

Historische Duelle: Deutschland vs. Österreichimago

Das »Anschlussspiel«:
3. April 1938: Österreich – Deutschland 2:0
Im März 1938 hatte Adolf Hitler den Eintritt Österreichs ins Deutsche Reich verkündet. Die neue Zusammengehörigkeit sollte drei Wochen später in einem letzten Aufeinandertreffen, das unter dem Namen »Anschlussspiel« in die Geschichte einging, auch sportlich dokumentiert werden.

Im mit 58.000 Zuschauern ausverkauften Wiener Praterstadion wehten die Hakenkreuzfahnen. DFB-Präsident Felix Linnemann hatte den Spielern recht deutlich zu verstehen gegeben, dass ein Remis das politische Wunschergebnis sei.

Dem Wiener Mittelstürmer Matthias Sindelar gefiel es jedoch weniger, dass es mit dem österreichischen Fußball nun zu Ende war. Nach dem die Österreicher schon in der ersten Halbzeit hoch überlegen waren und äußerst auffällig Chance um Chance vernebelten, schob Sindelar schließlich in der zweiten Hälfte zum 1:0 ein und jubelte demonstrativ vor der Haupttribüne.

Karl Sesta erhöhte kurz später mit einem Freistoß aus 45 Metern zum 2:0 Endstand. Das Spiel taucht heute in keiner Statistik mehr auf, weder beim DFB, noch beim ÖFB. Matthias Sindelar, der sich anschließend vehement weigerte für das gesamtdeutsche Team zu spielen,  wurde wenige Monate später Tod in seiner Wohnung aufgefunden. Die Ursache wurde nie geklärt.  

Das Wunder von Basel
30. Juni 1954: Deutschland – Österreich 6:1
Viel zugetraut hatte man der deutschen Mannschaft nicht bei dieser WM. Umso erstaunlicher war der hohe Halbfinalsieg gegen den Favoriten aus Österreich. Bei den Alpenkickern erwischte vor allem Torwart Walter Zeman einen rabenschwarzen Tag. Stammtorhüter Kurt Schmied musste pausieren, hatte sich beim 7:5 Viertelfinal-Sieg gegen die Schweiz bei 40 Grad einen Hitzeschlag eingefahren und war orientierungslos auf dem Feld umhergeirrt (»Ich konnte mich danach an nichts mehr erinnern«).

Auch alle anderen Österreicher waren noch schwer gezeichnet von der Hitzeschlacht von Lausanne, hatten dem deutschen Team an diesem Tag nicht viel entgegenzusetzen. Herberger fand endlich seine Stammelf. »Die Zuschauer haben gelacht und gejohlt, wie sicher, trickreich, witzig, einfallsreich die Deutschen ihren Rivalen deklassierten, spieltechnisch, nicht kämpferisch«, schrieb der Kicker anschließend. Fritz Walter war alleine an fünf der sechs Tore beteiligt. Noch konnte keiner ahnen, was wenige Tage später in Bern passieren würde.  

Die Schande von Gijon
25. Juni 1982: Deutschland – Österreich 1:0
Ein Spiel, bei dem es nur Verlierer gab: Die FIFA, deren Regelwerk kläglich versagt hatte, Algerien, die trotz zweier Siege ausscheiden mussten und die 22 Kicker auf dem Platz, die sich nach dem hin- und her Geschiebe auch noch erdreisteten, den Nichtangriffspakt zu rechtfertigen (Hans Krankl: »Ich weiß nicht, was man will. Wir sind qualifiziert.«) Nach Hrubeschs Führungstreffer in der elften Minute waren jedenfalls beide Mannschaften für die Zwischenrunde qualifiziert.

Algerien hatte das letzte Gruppenspiel schon ausgetragen und hoffte auf den Ausgleichstreffer oder mindestens einen 3:0-Sieg für Deutschland. Stattdessen mussten sie zum Entsetzen aller mit ansehen, wie der Spielstand 80 Minuten lang »verwaltet« wurde. Ob es bereits vor dem Spiel oder erst in der Halbzeit zu Absprachen kam, lässt sich nur vermuten.

ARD-Kommentator Eberhard Stanjek weigerte sich ab einem gewissen Zeitpunkt, das Spiel zu kommentieren, sein österreichischer Kollege Robert Seeger forderte die Zuschauer gar zum Abschalten der Fernsehgeräte auf. Die FIFA reagierte. Seit 1984 werden die letzten Gruppenspiele zeitgleich ausgetragen.

Das letzte Cordoba
29.10. 1986: Österreich – Deutschland 4:1
Dass man in Österreich seit nunmehr 33 Jahren an Cordoba erinnern muss, bedeutet vor allem eins: Die Erfolgserlebnisse gegen den »großen Bruder« sind überschaubar. Der letzte Sieg wird sich im Oktober bereits zum 25. Mal jähren, sollte die DFB-Auswahl wieder nicht geschlagen werden.

Beim Freundschafsspiel im Oktober 1986 traf ein gewisser Toni Polster doppelt. Österreich gewann mit 4:1. Olaf Thon erinnert sich: »Es war eine Katastrophe. Ich habe einen Handelfmeter verschuldet und Matthäus wurde wegen Meckerns nach einer guten Stunde mit Rot vorzeitig zum Duschen geschickt.«

Die Wut des Capitanos
16.06.2008: Österreich – Deutschland 0:1
Ein ganz schön zerstrittener Haufen war die DFB-Elf dieser Tage, wie Philipp Lahm einmal berichtete. Michael Ballack hatte den armen David Odonkor in der Kabine nach dem Kroatien-Spiel derart zusammengestaucht, dass dieser den Tränen nah war. Doch der Capitano ließ auch Taten folgen.

Ganz im Gegensatz zu Mario Gomez, der es nach fünf Minuten fertig brachte, den Ball zwei Meter vor dem leeren Tor nicht hinter Linie unterzubringen, zimmerte Ballack den Ball mit aller Wut im Bauch in den Winkel. Es war der Einzug ins Viertelfinale – und die Geburt der Superzeitlupe.

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