Heute vor zehn Jahren: Werder wird Meister

Mottoparty in München

In Zeiten wie diesen helfen Fans von Werder Bremen nur wehmütige Erinnerungen. Wie die von Alex Raack an einen wunderbaren Tag im Mai 2004, als Werder Bremen mit einem 3:1 in München Deutscher Meister wurde.

imago

Eigentlich hasse ich Mottopartys. Bad Taste, 70er, 80er, alle im Tierkostüm – gruselig. Nur beim Fußball mache ich eine Ausnahme. »Schickeria« hieß das Motto für unsere Fahrt von Celle nach München am 8. Mai 2004. Sonderlich einfallsreich war das nicht, aber auf Tierkostüme hatten wir nun mal keinen Bock.

Wir trafen uns am Celler Bahnhof. Morgens um 6 Uhr. Mein Outfit war größtenteils recht dürftig – graue Anzughose, Hemd, abgegriffenes Sakko aus dem Dachbodenfundus, da hatten sich die Jungs mehr Mühe gegeben. Allerdings hatte ich noch ein Ass im Ärmel bzw. auf dem Kopf. Von Natur aus mit reichhaltigen Haarwuchs gesegnet, der bei ausbleibenden Gängen zum Friseur schnell vogelnestartige Gebilde hervorbringt, trug ich in jenem Mai 2004 mal wieder einen stattlichen Nicht-Haarschnitt zur Schau. Eine komplette Tube Haargel später war das Nest gezähmt und ich zu einer Mischung aus serbo-kroatischem Daumenbrecher und Nachwuchs-Zuhälter mutiert (s. Foto). In Kombination mit einer Fliegerbrille, die Gläser orange gefärbt, eine gelungene Kostümierung. Ansonsten hatte ich alles dabei, was man an so einem wichtigen Tag als Fußballfan nun mal braucht: Bier und Buletten. Die Reise konnte losgehen.



Ich möchte die nachfolgenden Stunden gerne abkürzen, um nicht schon jetzt Leser zu verlieren. Vielleicht, aber nur ganz vielleicht, sind die meisten Erinnerungen nur dann wirklich Knaller-Erinnerungen, wenn man selbst dabei war. Was also zwischen 6 und 15 Uhr passierte in Spiegelstrichen:

- drei der 18 Mitreisenden erhielten bereits nach wenigen Minuten aufgrund ihres Outfits Spitznamen, die zum Teil bis heute Bestand haben: die Kobra, Fips und ich. Nur war meiner politisch nicht ganz korrekt und soll deshalb an dieser Stelle verschwiegen werden

- Anzahl der Heiratsanträge, die die bedauernswerte, aber dafür recht attraktive Schaffnerin auf der Fahrt Celle-München erhielt: fünf

- Anzahl der Nackttänze eines Mannes, den ich damals noch »die Klinge« (andere Geschichte) nannte: zwei

- Anzahl der von uns gesprengten volkstümlichen Tanzcombos auf dem Marienplatz: zwei

- Szenenapplaus erhielten drei Mitfahrer für ihren spektakulären Auftritt auf der Bühne des Roten Kreuzes. Eine dort zu Demonstrationszwecken aufbewahrte Puppe wurde zunächst wiederbelebt, eingekleidet und dann spontan zum Spiel eingeladen, was jedoch ein umsichtiger Rettungssanitäter verhinderte

- die Klinge ließ sich im Olympiapark von einer Dame mit Tuschkasten dazu überreden, für fünf Euro die Werder-Raute auf den Bauch malen zu lassen. Das Ergebnis (s. Foto auf der nächsten Seite) sorgt noch heute für Erheiterung

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