Heute vor fünf Jahren: Good bye, Highbury!

Gib zum Abschied leise Kuss

Heute vor fünf Jahren schloss das legendäre Highbury-Stadion vom FC Arsenal ein letztes Mal seine hölzerne Eimgangspforte. Wir erinnern an ein Monument englischer Fußball-Geschichte: Mit elf Anekddoten und noch mehr Bildern! Heute vor fünf Jahren: Good bye, Highbury!

Highbury – das klingt nach gemähter Wiese, singenden Männern und Blutgrätschen, die mit Applaus bedacht werden. Heute vor fünf Jahren feierte das legendäre Stadion vom FC Arsenal seinen rauschenden Abschied. Durch ein 4:2 gegen Wigan Athletic schaffte Arsenal im letzten Moment noch die Qualifikation für die Champions League, der fantastische Thierry Henry erzielte einen Hattrick und ein allerletztes Mal donnerten die Gesänge vom komplett in rot und weiß gekleideten »Clock End«.

Arsenal, in den neunziger Jahren unter Trainer Arsene Wenger vom hässlichen Entlein zu einem Vorzeigeobjekt in Sachen schöner Fußball gereift, zog schließlich um ins nur ein paar hundert Meter entfernte »Emirates Stadium«, jene moderne, aber folglich seelenlose Arena mit dem Namen eines Flugreisenanbieters. Kleiner Schwank am Rande: Wo absolvierte wohl der legendäre Niederländer Dennis Bergkamp, dessen Flugangst mindestens genauso groß war wie sein Potential an Übersteigern, sein Abschiedsspiel? Genau, in der Arena des Flugreisenanbieters.

Zum fünfjährigen »Jubiläum« präsentieren wir euch die elf wichtigsten und kuriosesten Highbury-Fakten, außerdem die schönsten Fotos aus 94 Jahren Stadiongeschichte! Viel Spaß.

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1.
Lange bevor sich HSV-Fans die letzte Ruhestätte unweit des Volksparks auswählen durften, hatte bereits der FC Arsenal die morbide Marketingidee und bot seinen Anhängern an, sich die eigene Grabstätte im Highbury auszusuchen. Stadion-Manager Lohn anno 1994: »Wir haben zwei Beerdigungen pro Woche, allerdings nicht unter dem Spielfeld.« Immerhin: »Jenseits der Seitenlinien können wir aber alle Sonderwünsche erfüllen.«

2.
Übrigens: Die insgesamt 500 Grabstellen eingefleischter Arsenal-Fans blieben auch nach dem Umzug ins »Emirats Stadium« erhalten: Neben dem »Memorial Garden« wurden ab 2006 ein nicht-öffentlicher Park sowie 711 Apartments auf das Stadiongelände gebaut, die denkmalgeschützte Osttribüne dient seither nur noch als hübsche Außenfassade.

3.
Unter englischen Fußballfeldern, ohnehin weltweit als grandiose Rasenteppiche berühmt, nahm der Platz im alten Highbury noch eine besondere Stellung ein. So gut war der Rasen, dass Platzwart Steve Braddock gleich mehrfach den Titel als bester Platzwart des Jahres abräumte. Wahrscheinlich gab es die goldene Harke.

4.
Die höchste Zuschauerzahl aller Zeiten hatte das am 6. September 1913 eröffnete Stadion am 9. März 1935 bei einem Heimspiel Arsenals gegen den FC Sunderland zu verzeichnen. 73.295 Menschen quetschten sich ins Bauwerk des Architekten Archibald Leitch (der übrigens auch die Stadien von Manchester United, Chelsea, Everton, Liverpool, Tottenham und den Glasgow Rangers entwarf) – und sahen ein schnödes 0:0. Durch diverse Umbaumaßnahmen und die komplette Entfernung sämtlicher Sitzplätze, durfte am Ende nur noch 38.419 Zuschauer ins Highbury.
Der »Battle of Highbury« >>

5.
1934 war Highbury Gastgeber des womöglich brutalsten Spiels aller Zeiten: Im »Battle of Highbury« zwischen der englischen und der italienischen Nationalmannschaft traten die Spieler beider Mannschaften 90 Minuten lang so hemmungslos aufeinander ein, dass die FA anschließend laut darüber nachdachte, die englischen Kicker vom internationalen Spielbetrieb zurückzuziehen. Was dann – Gottlob – doch nie passierte.

6.
Nicht nur einmal musste der FC Arsenal (vormals: Woolwich Arsenal) seine Heimspiele auf fremden Plätzen bestreiten: Weil die Regierung Highbury während des 2. Weltkriegs als zivile Schutzanlage gegen deutsche Luftangriffe nutzte, musste der FC Arsenal seine Partien ausgerechnet auf dem Rasen von Lokalrivale Tottenham Hotspur absolvieren. Zwischen 1999 und 2000 musste Arsenal dann für die Champions-League-Spiele ins Wembleystadion umziehen – das heimische Highbury war den Verantwortlichen für Spiele solchen Ausmaßes einfach zu klein geworden.

7.
Am 21. Mai 1966 war Highbury Stätte des legendären Rückkampfes zwischen dem Briten Henry Cooper und Boxlegende Muhammad Ali. Cooper, der am 1. Mai 2011 starb, verlor den Kampf vorzeitig wegen einer stark blutenden Platzwunde durch technischen K.o.

8.
Das letzte Spiel im legendären Highbury fand schließlich am 7. Mai 2006 statt. Im Rennen um den letzten Champions-League-Platz musste Arsenal ein besseres Ergebnis erzielen als Konkurrent Tottenham gegen West Ham. Die Hotspurs, von einer Lebensmittelvergiftung geschwächt, verloren mit 1:2. Arsenal lag zunächst ebenfalls mit 1:2 hinten, doch ein Hattrick von Superstar Thierry Henry drehte die Partie zum 4:2-Erfolg. Nach seinem letzten Treffer, dem tatsächlich allerletzten Tor im Highbury, sank Henry danieder und knutschte den heiligen Rasen. So wird man zur Legende.




9.
Um den Anhang mit Versatzstücken aus dem heiligen Stadion zu versorgen, leierte Arsenals Vereinsführung anschließend eine große Versteigerung an. Unter den Hammer kamen: Teile des Rasens, die Torpfosten und der Schreibtisch des ehemaligen Managers George Graham. Unter den Hammer kamen auch: die Sitzschalen. Sie wurden allerdings bald zurückgezogen. Es stellte sich heraus, dass die Dinger zum Teil hochgiftiges Cadmium enthielten. Vorher war das scheinbar keinem aufgefallen.

10.
Das legendärste Einrichtungsstück des alten Highbury, die große Uhr (drei Meter Durchmesser) über der nach dem Zeiteisen benannten »The Clock End«, wurde allerdings weder verkauft, noch eingemottet, noch versteigert: Sie wanderte mit ins neue Stadion und hat seit der Einweihung der hypermodernen Arena einen Ehrenplatz. Und auch der Name blieb erhalten: die Fans auf der Südtribüne stehen, pardon: sitzen, weiterhin im »Clock End«.

11.
Zum Schluss noch ein paar Rekorde: den höchsten Sieg aller Zeiten feierte Arsenal beim 11:1-Erfolg im FA-Cup gegen Darwen am 9. Januar 1935. Am 14. Februar 1925 (gegen Huddersfield Town) und am 11. November 1998 (gegen den FC Chelsea) verlor Arsenal jeweils mit 0:5 – Negativ-Rekord.

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