Heute vor 40 Jahren: Der Bundesligaskandal

»Hyänen des Fußballs«

Heute vor genau 40 Jahren eröffnete der Präsident der Offenbacher Kickers, Horst-Gregorio Canellas, mit einer Tonbandvorführung an seinem 50. Geburtstag den Bundesligaskandal. Auszüge, Zitate und Dokumente. Heute vor 40 Jahren: Der Bundesligaskandal Am 6. Juni 1971 nahm eine Gartenparty im Hessischen einen spektakulären Verlauf. ­Offenbachs Präsident Canellas nutzte die ­Feier seines 50. Geburtstags, um heimlich mitgeschnittene Tonbänder vorzuspielen, die nahelegten, dass der Abstiegskampf der Bundesliga durch Schiebung und Betrug geprägt war. Die versammelte deutsche Fußballprominenz war entsetzt. Nachdem der DFB zuerst versuchte, das Problem auszusitzen, profilierte sich in der Folge der Kontrollausschuss-Vorsitzende Hans Kindermann als Schieberjäger. Das Ausmaß der ermittelten Machenschaften war gigantisch: Am Ende wurden 52 Spieler aus sieben Vereinen, zwei Trainer und sechs Klubfunktionäre verurteilt, Arminia Bielefeld und Kickers Offenbach wurde zudem die Lizenz entzogen. Allerdings erlahmte das Interesse des Verbandes an der vollständigen Aufklärung, als die WM 1974 näher rückte. Trotzdem zogen sich die Prozesse bis 1977 hin, was nicht zuletzt an den beschuldigten Schalker Spielern lag, die Meineide schworen und nur knapp um eine Gefängnisstrafe herumkamen. Die folgenden Zitate stammen aus Gerichtsprotokollen und Zeitungsartikeln. Sie dokumentieren Menschen am Rande des Nervenzusammenbruchs.

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»Boss, wir müssen Spiele kaufen, sonst sind wir draußen.«
Offenbachs Trainer Gutendorf schwant Böses

»Aber lassen Sie sich von dem Kerl eine Quittung geben.«
OFC-Präsident Horst-Gregorio Canellas instruiert seinen Unterhändler

»Sie, dat mit der Quittung is aber ein Ei. Die muss ich zurückhaben, damit da nich wat Dummes passiert.«
Kölns Torwart Manfred Manglitz später am Telefon zu Canellas

»Der Manglitz will mir dauernd Spiele verkaufen. Ich weiß gar nicht, was ich von dem halten soll.«
Canellas informiert den Bundestrainer

»Um Gottes Willen, lassen Sie mich da bitte raus. Ich bin doch nur ein Angestellter und möchte meine Existenz mit so etwas nicht belasten.«
Helmut Schön will nichts gehört haben

»Wenn die so dumm sind, wäre ich doof, wenn ich es nicht nehmen würde.«
Manglitz siehts pragmatisch.«

»Wir können gar nicht so schnell siegen, wie die anderen schmieren.«
Frankfurts Dr. Peter Kunter resigniert

»Budde, geh zur Seite!«
Die Schalker haben vergessen, Keeper Dieter Burdenski zu informieren

»Ich stand auf dem falschen Bein.«
Braunschweigs Torhüter Wolter rechtfertigt einen abenteuerlichen Patzer

»Geben Sie wenigstens 40 000 Mark. Die Jungs wollen doch alle in Urlaub.«
Sein Mitspieler Max Lorenz ist unzufrieden mit der Bielefelder Zahlungsmoral

»Ich kaufe nicht. Und wenn wir untergehen, dann gehen wir eben unter.«
Canellas hat die Schnauze voll

»Man werfe mir den Canellas nach, und Weiber.«
Bielefelds Trainer Piechaczek feiert im Hotelpool den Klassenerhalt

»Der Mann ist voll. Wir müssen ihn in sein Zimmer schaffen, bevor er wieder zuviel schwatzt.«
Arminia-Präsident Wilhelm Stute sorgt sich

»Meine Herren, ich muss Ihnen sagen, dass mein Verein, die Offenbacher Kickers, durch Betrug aus der Bundesliga abgestiegen ist.«
Canellas sprengt seine Geburtstagsparty



»Ich muss mit Ihnen sprechen, etwas Schlimmes ist passiert. Der Canellas hat ausgepackt.«
Stute weckt Arminias Mäzen Rupert Schreiner

»Das ist mein Ende, jetzt kommt alles hoch.«
Bielefelds Gerd Roggensack meint nicht die Schnäpse vom Vorabend

»Der deutsche Fußball ist ein einziger Sumpf.«
Canellas nimmt Fahrt auf

»Bilden Sie sich nicht ein, dass Sie nur ein Mosaiksteinchen aus dem DFB-Gebäude herausbrechen können.«
DFB-Chefankläger Hans Kindermann ist zunächst skeptisch

»Von Mosaiksteinchen kann gar nicht die Rede sein. Bei Ihnen wackelt doch schon der Sims.«
Canellas retourniert

»Eher lasse ich mir die Hand abhacken – wir haben nicht geschoben.«
Präsident Stute geht ins Risiko

»Ich habe mit dem ganzen Komplex nichts zu tun.«
Oberhausens Trainer Günter Brocker mit weißer Weste

»Ich habe nichts genommen. Mein Gewissen ist rein.«
Herthaspieler Zoltan Varga ebenfalls

»Es gibt keinen Fall Bundesliga, nur einen Fall in der Bundesliga.
DFB-Pressesprecher Wilfried Gerhardt glaubt an den Weihnachtsmann

»Wir müssen eiserne Pfähle einbetonieren, sonst reißen alle Dämme.«
Chefankläger Kindermann schwant doch was

»Wenn wir das Vertrauen nicht zurück gewinnen, ist der Fußball tot.«
Noch mal Kindermann

»Ich bitte nicht, dass mir Gott hilft. Aber ich bitte Gott, dass er auch meinen verdammten Feinden nicht hilft.«
Oberhausens Präsident Peter Maaßen fordert gleiches Recht für alle

»Der Fußball ist nicht die Oase oder gar die Gedächtniskirche der Gesellschaft.«
Das »Wort zum Sonntag«, diesmal von Herthas Vorständler Wolfgang Holst

»Ich werde bedroht, ich habe beim Schlafen stets eine Sichel unter meinem Bett.«
Zeuge Petez Georg Friesdorf vor Gericht

»Männer, mit denen keiner von uns ein Bier trinken möchte.«
Richter Werner Kirsch über die Zeugen Friesdorf und Schmitz

»Hyänen des Fußballs.«
Kindermann über dieselben Zeugen

»Es war das mieseste Geschäft meines Lebens.«
Schalkes Rüssmann zieht nüchtern Bilanz

»Je mehr ich jetzt über meine Situation nachdenke, desto mehr komme ich zu der Überzeugung, dass fast alles seinen Ursprung in meiner Verwicklung in den Skandal hat. Ich hatte die Lust am Fußball verloren.«
Kollege Libuda, eher melodramatisch

»Es war eine der bittersten Situationen meines Lebens, so eine Schuldverstrickung ohne eigenen Vorteil. Wenn ich mich persönlich bereichert hätte, hätte ich mich in meinen Wagen gesetzt und wäre über ne Brücke gejagt.«
Wilhelm Stute nimmt »Thelma & Louise« vorweg

»Der Skandal war schlimmer, viel schlimmer. Mogadischu hatte noch menschliche Züge.«
Horst-Gregorio Canellas saß Jahre später in einem berühmten Flugzeug

»Es wurde noch viel mehr geschoben. Längst ist nicht alles ans Tageslicht  gekommen.«
Schlusswort Canellas

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