Heute Stadion, morgen Ruine?

Die Wiese der Zukunft

Dirk Gieselmann bestaunt die Fußballtempel der Gegenwart und fragt sich, was von den heutigen Prunk- und Protzbauten wohl in einigen hundert Jahren noch übrig sein wird.

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Wenn es ums Bauen geht, neigt der Fußball zum Protz. Da unterscheidet er sich kaum vom Augenarzt, der sich eine Villa aus italienischem Marmor in den Vorort stellt, samt Swimmingpool und Saunahütte. Betrachten wir allein die Münchner Arena: 340 Millionen hat sie gekostet, ihre Außenhülle leuchtet 75 Kilometer weit. Wer zufällig in einer klaren Nacht auf einem österreichischen Alpengipfel steht, den blendet sie wie ein künstlicher Stern des Südens. Sie ist ein Monument des Fußballs, das nie mehr verschwinden will.

Dass unsere Nachfahren unseren Lieblingssport eines Tages belächeln werden, so wie wir heute die primitiven Spiele der Sumerer und Kelten, gilt längst als ausgeschlossen.

Auch sie sollen noch in Scharen kommen, Tore beschreien, die Welle machen und eine Chipkarte in einen Schlitz stecken, wenn sie eine Bratwurst essen möchten.

Dafür wurden allenthalben Riesenstadien errichtet, Trutzburgen gegen die Vergänglichkeit – nicht dafür gedacht, einst von Archäologen ausgegraben und mühsam gedeutet zu werden. Als könnte man irgendetwas errichten, das bleibt! Es wird nichts bleiben. Ebenso wenig, wie es immer schon da war. Auch die Arenen von München, Dortmund, Gelsenkirchen werden verschwinden, eines fernen Tages, wie ein Kolosseum der Antike. Es ist nur eine Frage der Zeit.

»Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden«, schrieb einst der Dichter Andreas Gryphius. »Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein / Wo jetzt noch Städte stehen, wird eine Wiese sein / auf der ein Schäfers Kind wird spielen mit den Herden.« Augenärzte und Vereinsvorstände sollten mal darüber nachdenken.

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