Herthas Pierre Lasogga will nach oben

Lasagne war gestern

Anfangs hatte Pierre-Michel Lasogga bei der Hertha seinen Spitznamen »Lasagne« weg, er war nicht austrainiert, schüchtern obendrein. Doch ein unermüdliches Engagement hat den Stürmer weit gebracht – und könnte ihn noch weiter bringen. Herthas Pierre Lasogga will nach oben

Pierre-Michel Lasogga kennt keine Scheu. Ob bei den Belustigungsspielen im Training, als am Mittwoch in Oberstaufen Wettbewerbe im Sackhüpfen und Baumstammwerfen auf dem Programm standen. Oder später beim Mannschaftsabend von Hertha BSC auf der Berghütte, als der Stürmer auf Wunsch des Trainers mit den Mannschaftskollegen »You'll never walk alone« anstimmte. Oder im Training, wenn der 19-Jährige die Kollegen vor einem Pass schon einmal anraunzt: »Hier bewegt sich ja keiner.«

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»Ich habe schon einen anderen Stellenwert als noch vor einem halben Jahr«, sagt Lasogga, »es gehört zur Entwicklung eines jungen Spielers, dass man Verantwortung übernimmt und ich glaube, dass ich Leute gut mitreißen kann.«

Lasogga hat sich seinen Rufnamen in die Schuhe nähen lassen

Das war nicht immer so bei dem mit 13 Treffern zweitbesten Torschützen und Senkrechtstarter der vergangenen Saison. Vor einem Jahr war er noch ein verschüchterter 18-Jähriger, gerade aus der A-Jugend von Bayer Leverkusen gekommen. In der Berliner Anfangszeit traute er sich nicht einmal, mit kleineren Wehwehchen zum Physiotherapeuten zu gehen. Dazu kam sein nicht voll austrainierter Körper, den Spitznamen »Lasagne« hatte er schnell weg. Mittlerweile hat er sich den spöttelnden Rufnamen in seine Fußballschuhe einnähen lassen, »weil er mich an meine Anfangsphase bei Hertha erinnert und daran, wie viel man durch harte Arbeit wettmachen kann«.

Sein unermüdliches Engagement hat Lasogga weit gebracht und könnte ihn noch weiter bringen. Von Herthas Offensivspielern ist ihm in der kommenden Saison der größte Entwicklungssprung zuzutrauen. Sogar die Nationalmannschaft wäre bei weiteren Fortschritten nicht außer Reichweite, hinter Mario Gomez und Miroslav Klose fehlt es an guten deutschen Mittelstürmern. »Ich konzentriere mich auf Hertha und die U21«, wiegelt Lasogga ab. In Berlin ist er im Sturm derzeit konkurrenzlos.

Alles dafür geben, »um beim ersten Spiel zu spielen«

Sein theoretischer Herausforderer Rob Friend trifft weder in Testspielen noch im Training das Tor. Adrian Ramos ist zurzeit mit Kolumbien bei der Copa America und zeigt dort, dass er auch als Linksaußen glänzen kann. Und der 18-jährige Abu Bakarr Kargbo schoss zwar fünf Tore in zwei Tests, aber spielte außen und zeigte, dass ihm technisch und taktisch noch einiges fehlt. So wirkt es wie Understatement, wenn Lasogga sagt, dass er »alles dafür gibt, um beim ersten Spiel zu spielen«.

Sein Trainer Markus Babbel schwärmt: »Er ist trotz des Medienrummels klar im Kopf und sehr lernwillig, er will sich ständig verbessern.« Der Trainer muss Lasogga eher bremsen, etwa, wenn der Stürmer mit den kräftigen Beinen wie ein junger Windhund den Bällen hinterherjagt. »Er muss noch lernen, sich die Kräfte einzuteilen.« Lasogga gibt ihm recht, aber »das ist meine Spielweise, ich habe selten im Kopf, dass ein Ball zu weit weg ist, ich denke oft, da geht noch was«, sagt der gebürtige Gladbecker. Doch er weiß, dass er an seiner Cleverness arbeiten muss und an der Konstanz, »es nützt ja nichts, wenn ich ein Spiel super spiele und im nächsten wie ein Karren Dreck«. Wie ein Karren Lasagne spielt er ohnehin längst nicht mehr.

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