Herthas Erfolgsgarant Simunic
12.05.2009

Herthas Erfolgsgarant Simunic

Joe Unverzichtbar

Einst saß er im Loch und grub immer weiter. Doch in dieser Saison strotzt Herthas Josip »Joe« Simunic nur so vor Topform und avancierte zum besten Verteidiger der Liga. Wir zeichnen seinen Weg aus der Krise zum Platz an der Sonne nach.

Text:
René Scheufen
Bild:
Imago
Josip Simunic ist mit seinen 31 Lenzen einer der erfahrensten Spieler der Hertha aus Berlin. Seit nunmehr neun Jahren schnürt der Verteidiger seine Fußballschuhe in Deutschlands Hauptstadt. Doch diese neunte Saison stellt ein Novum in der Karriere des gebürtigen Australiers dar. Zwar gehört er seit Jahren zu den besten Verteidigern der Liga, doch anno 2008/2009 überstrahlt er seine prominente Konkurrenz à la Lucio, Demichelis, Mertesacker, Naldo in Sachen Zweikampfstärke und Stellungsspiel.



Man möchte meinen, dass die Hertha gerade ihm, den vor zwei Jahren noch viel gescholtenen »Brutalo-Treter«, den Höhenflug zu verdanken hat. Er könnte es sein, der maßgeblichen Anteil am ersten Meistertitel seit Gründung der Bundesliga der alten Dame haben wird.

Aber fangen wir von vorne an: Nach einem missglückten dreijährigen Gastspiel beim Hamburger SV wechselte er im Sommer 2000 in die deutsche Hauptstadt, um sein Glück dort zu finden. In seinem ersten Spiel in der Startelf im Dezember 2000 fand er als 22-Jähriger Jungspund in Werder Bremen seinen Meister - das Spiel ging 4:2 verloren. Die Experten zerrissen die Leistung des Verteidigers. Doch in den darauf folgenden Jahren wurde Joe zu einem beinharten, mit gutem Stellungsspiel und überzeugenden Zweikampfwerten ausgestatteten Aufpasser für die Top-Stürmer der deutschen Eliteklasse.

2006: »Das war nicht sein Jahr«

Sechs Jahre später, im Jahr der WM 2006, schien sein Stern jedoch zu verglühen. Die deutschen Gazetten schrieben von einem »psychisch labilen« Simunic, der maßgeblichen Anteil an Herthas schlechter Rückrunde gehabt habe. Drei Rote Karten in fünf aufeinander folgenden Heimspielen ließen Fans und Experten toben. Besonders der berüchtigte »Kung-Fu-Tritt« gegen Christian Schulz brachte das Fass beinahe zum Überlaufen. Lucien Favre bescheinigte dem kroatischen Nationalspieler bei seinem Amtsantritt kein gutes Zeugnis: »Als ich im Sommer 2007 kam, habe ich wenig Gutes von Joe auf DVDs gesehen. Das war vorher nicht sein Jahr.« Und auch die Weltmeisterschaft trug nicht zu einer Imageverbesserung bei. Simunic geht sogar als wahrscheinlich einziger Spiele in die Annalen der WM-Endrunden ein, der drei Gelbe Karten in einem Spiel gesehen hat, um erst dann von einem gewissen englischen Schiedsrichter namens Graham Poll des Feldes verwiesen zu werden.

Sein Standing unter Favre war bei dessen Amtsantritt also mit einem Makel belegt. Die Kritik nahm er jedoch als Anlass zu kämpfen: »Es war das erste Mal in meiner Karriere, dass ein Trainer an mir gezweifelt hat. Aber seine Kritik hat mich motiviert«, sagt Simunic rückblickend. Auch sein größter Fürsprecher im Klub, Dieter Hoeneß, glaubte immer an ihn. »Wenn bei Joe Kopf und Fitness stimmen, ist er absolut überragend. Nach der WM 2006 hatte er einen kleinen körperlichen Durchhänger. Dazu haderte er mit Gott und der Welt. Die Roten Karten waren Ausdruck innerer Zerrissenheit«, attestiert ihm der Manager der Hertha.

»Er ist wieder der Alte«

Doch in der Saison 2008/2009 ist Josip Simunic der »MVP« der alten Dame. Er stabilisiert die drittbeste Abwehr der Liga, lässt regelmäßig die Stürmer der Bundesliga alt aussehen und steht als Inbegriff des Höhenflugs der Hertha. Doch den Erfolg alleine bei sich zu suchen, liegt dem Verteidiger fern. Lieber nimmt er die Mannschaft als Ganzes in die Verantwortung: »Ich bin dagegen, einzelne zu loben. Die Auszeichnung als bester Verteidiger sehe ich als Kompliment für die ganze Mannschaft«, fasst der Hühne zusammen. Doch die Lobeshymnen auf ihn reißen nicht ab. DFB-Sportdirektor Matthias Sammer lobt: »Simunic ist überragend.« Favre und Hoeneß stimmen in das Lied ein. »Er hat große Fortschritte gemacht, ist in bestechender Form«, bestätigt ihm sein Schweizer Coach. Und der Manager ist froh: »Er ist wieder der Alte.«

Simunic will sein Wort halten

Diese Leistungskurve müssen Joe Simunic und sein Team jetzt noch in den restlichen Saisonspielen halten, um den Traum von der ersten deutschen Meisterschaft seit 1931 zu wahren.

Zudem hat der Mr. Unverzichtbar der Hertha ja auch noch ein Versprechen bei den Berliner Fans einzuhalten. Denn der Ersatz-Kapitän versprach vollmundig eine Feier auf dem Balkon des Rathauses – natürlich nach dem 34. Spieltag. Diese Ansage hat Josip Simunic nicht vergessen: »Daran glauben wir. Der Glaube ist das Wichtigste.« Er hält es getreu nach dem Motto »Versprochen ist Versprochen und wird niemals gebrochen.«

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