22.04.2013

Herthas Aufstiegsparty – ein Ortsbesuch

Haken hinter

Elf Monate nach dem Relegationsspiel in Düsseldorf ist Hertha BSC Berlin wieder erstklassig. Doch die ganz große Aufstiegsparty bleibt aus. Berlin gibt sich prüde und recht einfallslos – hat dazu aber auch jeden Grund. Ein Ortsbesuch.

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Es läuft die 71. Minute, als Hertha-Trainer Jos Luhukay seinen Stürmer Pierre-Michel Lasogga zu sich ruft. Ein bulliger, zwanzigjähriger Stürmer soll ein ganzes Stadion erlösen, das seit der ersten Minute auf den  Torjubel wartet. Dabei hat der dauerverletzte Lasogga bis zu diesem Zeitpunkt noch kein einziges Saisontor erzielt.
 
Die Fans haben ihn dennoch gefordert. Sie spürten, dass irgendwas passieren musste, etwas Außergewöhnliches, schließlich war alles angerichtet für einen freudentrunkenen Aufstiegsnachmittag, zu dem zahlreiche Fangruppen aus allen Teilen der Stadt angereist waren: 50.000 Zuschauer wollten im Olympiastadion die zweite Aufstiegsparty binnen zwei Jahren feiern.

Der vermeintliche Sparringspartner
 
»Sandhausen haben wir auswärts 6:1 geschlagen. Die machen uns die Party heute nicht kaputt«, tönte etwa ein Fan, gekleidet im typischen Ostkurvenschal, schon an der S-Bahnstation am Ostkreuz über den Gast und vermeintlichen Sparringspartner. Doch genau dieser spielte bis zur 71. Minute nicht mit.
 
Mit einer Fünf-Mann-Abwehr und einem gutaufgelegten Torwart Michael Langer verschanzte sich das Team in der eigenen Hälfte und profitierte zugleich vom Unvermögen der Herthaner. Luhukay bewies gegen die Mauertaktik keinerlei Geduld. Er brachte bereits nach 24 Minuten Stürmer Sandro Wagner und löste zeitgleich seine Viererkette auf.
 
Trotz dieser Maßnahme passierte erst einmal nichts. Die Blau-Weißen spielten sich lethargisch in die Pause. »Die erste Halbzeit war schlichtweg enttäuschend«, fasste der ungeprüfte Keeper Thomas Kraft nach dem Schlusspfiff zusammen. Die Zuschauer begleiteten ihre angehenden Aufstiegshelden mit vereinzelten Pfiffen in die Kabine. Fast schon Länderspielverhältnisse.

Lasogga steht da, wo er zu stehen hat
 
In jener 71. Minute will Luhukay also korrigieren, der staksig wirkende Einwechselspieler Sandro Wagner muss Pierre-Michel Lasogga weichen. Jener Lasogga, der bereits vor zwei Jahren in Duisburg mit Hertha aufgestiegen ist, und dessen Saison eher mittelmäßig bis grauenhaft verläuft. Doch er erfüllt seine Aufgabe. Zehn Minuten später flankt Nico Schulz in den Strafraum, Adrian Ramos köpft ans Aluminium und Lasogga steht da, wo er zu stehen hat.
 
Ohne Umschweife läuft der Stürmer mitsamt Anhang in die Ostkurve. Zu den Fans, die erneut eine Saison lang die zweite Liga ausgehalten haben. Doch in einer Art und Weise, als sei der Torjubel bereits in der Kabine abgesprochen gewesen. Nach zwanzig Sekunden trudelt die Elf wieder brav in die eigene Hälfte. Schiedsrichter Christian Leicher muss nicht einmal höflich zum Wiederanpfiff bitten.

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