Hertha BSC vor dem Rückrundenstart

Klub des Lächelns

Für Herthas Spieler hat die Vorbereitung auf die Rückrunde begonnen – und damit auch der Kampf um den Verbleib in der Bundesliga. Stefan Hermanns über die verzweifelten Bemühungen der »Alten Dame« aus der Hauptstadt. Hertha BSC vor dem Rückrundenstart Friedhelm Funkel bekommt Herthas offiziellen Gesichtsausdruck des Jahres 2010 eindeutig am besten hin. Deutlich besser jedenfalls als Roman Hubnik, der neben ihm steht und ein ziemlich verkniffenes Gesicht macht. Aber vielleicht ist der Tscheche auch einfach nur überwältigt. Überwältigt davon, dass zu seiner Vorstellung und der seiner beiden neuen Kollegen Theofanis Gekas und Lewan Kobiaschwili eine ganze Armada von Fotografen und Kameraleuten gekommen ist. Funkel aber, der Trainer von Hertha BSC, hat zum gemeinsamen Fototermin wie auf Kommando sein Lächeln angeknipst: Mundwinkel nach außen, Zähne zeigen, und dann so bleiben. Funkel wird sein Lächeln nicht mehr ausknipsen, solange die Blitze zucken. Er weiß eben, was Hertha im Moment braucht: gute Laune und grenzenlose Zuversicht.  

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Das liegt daran, dass der Berliner Fußball-Bundesligist im vergangenen Jahr so gut wie alle Grenzen durchbrochen hat – nach unten. »Was 2009 war, interessiert mich nicht«, sagt Funkel. Wahrscheinlich ist das die einzig mögliche Haltung nach sechs Punkten aus 17 Spielen; nach nur einem Sieg in der kompletten Halbserie; dem Absturz auf Platz 18 und zehn Punkten Rückstand auf den ersten Nicht-Abstiegsplatz. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte sich Hertha fast etwas einbilden auf eine solche Bilanz. Die muss man erst mal hinkriegen.  

»2009 interessiert mich nicht«

Trotz allem hat Funkel seinen Spielern zwei Wochen Urlaub gegönnt, nur die Bayern sind gestern noch ein paar Stunden später in die Vorbereitung gestartet. Für Herthas Spieler begann des neue Jahr mit einem Laktattest, es folgte ein gemeinsames Mittagessen und dann am späten Nachmittag die erste Trainingseinheit – unter Flutlicht und auf Kunstrasen. Den ausgedehnten Urlaub für den Tabellenletzten hat der Boulevard in der fußballfreien Zeit natürlich dankend ausgeweidet, um ein bisschen Stimmung zu machen. Ob die lange Pause nicht ein Fehler gewesen sei, wird Funkel daher gefragt. „Wenn es ein Fehler gewesen wäre, hätte ich es nicht gemacht“, antwortet er. »Die Mannschaft wird gut vorbereitet sein auf das erste Spiel.«  

Nicht mal zwei Wochen sind es noch, bis Hertha mit dem Auswärtsspiel bei Hannover 96 das historisch beispiellose Unterfangen beginnt, den Verbleib in der Bundesliga doch noch zu sichern. »Es wird ein langer und schwieriger Weg«, sagt Manager Michael Preetz. Und doch lassen die Berliner nach außen nicht den geringsten Zweifel aufkommen, dass dieser Weg ein erfreuliches Ende finden wird. »Davon sind wir fest überzeugt«, sagt Preetz. »Wir werden alles dafür tun.«  

Die Zuversicht liegt auch an den drei Neuzugängen, die Hertha verpflichtet hat: Roman Hubnik für die Innenverteidigung, Lewan Kobiaschwili aus Georgien als linken Außenverteidiger und für den Sturm Theofanis Gekas, den früheren Torschützenkönig der Bundesliga. »Das sind erfahrene Spieler«, sagt Funkel. Kobiaschwili und Gekas sind mit der Bundesliga bestens vertraut, und auch den Abstiegskampf kennen sie, aus Freiburg respektive Bochum.  

Hubnik, Gekas und Kobiaschwili

Weitere Zukäufe wird es in diesem Winter nicht mehr geben, trotzdem kann sich der Kader noch verändern. Wie Ersatztorhüter Christopher Gäng und Routinier Pal Dardai, die in Berlin ihr Rehaprogramm fortsetzen sollen, werden auch Cesar und Kaka heute nicht mit ins Trainingslager nach Mallorca fliegen. Die beiden Brasilianer dürfen den Verein verlassen, wenn sie einen neuen Arbeitgeber finden. Das Gleiche gilt für André Lima, dessen Leihvertrag mit Botafogo am Jahresende ausgelaufen ist. Es gebe Interessenten für den Stürmer, sagt Preetz, vielleicht komme es schon in den nächsten Tagen zu einem Abschluss. Andernfalls müsste Lima erst einmal pro forma nach Berlin zurückkehren. Eine Rückkehr in die Mannschaft aber wird es für ihn nicht geben.  

Ganz anders als bei Arne Friedrich, dem Kapitän, um dessen Zukunft bei Hertha es in der Winterpause „ein bisschen Irritationen“ gegeben hat, wie Preetz es ausdrückt. Angeblich war Wolfsburg an Herthas Nationalverteidiger interessiert, angeblich auch nicht, aber Friedrich selbst hat nun eindeutig erklärt, dass er auf jeden Fall bis zum Saisonende in Berlin bleibe. Das deckt sich mit der Haltung des Vereins. »Es ist ausgeschlossen, dass wir Leistungsträger abgeben«, sagt Preetz.  

Was wäre denn das auch für ein Signal, jetzt, da das Lächeln bei Hertha offizieller Gesichtsausdruck ist?

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