Herrscht Lionel Messi über Argentiniens Nationalelf?

Die Albtraummaschine

Lionel Messi will sich auf dem Weg zum WM-Titel von niemandem aufhalten lassen. Erst recht nicht von Nationaltrainer Sabella. Längst wirkt es, als würde der Spieler die Entscheidungen treffen.

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Argentiniens Einzug ins Achtelfinale war gerade perfekt, da wusste die Zeitung »Diario Popular« aus Buenos Aires schon, wem der Dank gebührte. »Danke Gott«, titelte das Blatt in überdimensionalen Lettern. Das machte Sinn, schließlich hatte die Mannschaft beim knappen 2:1 gegen Bosnien-Herzegowina und dem gefühlt noch knapperen 1:0 gegen Iran himmlischen Beistand in Form von kuriosen oder späten Toren erhalten. Auch beim wenig überzeugenden 3:2 zum Abschluss gegen Nigeria hatte Argentinien Glück.

Weil das mit der bildlichen Darstellung des Allmächtigen aber so eine Sache ist, druckte »Diario Popular« auf dem Titel einfach das Bild seines irdischen Vertreters: Lionel Messi, 27 Jahre alt, Argentinier.

Der Lehrer, dem die Meute auf Klassenfahrt abhanden kam

Die heldenhafte Verehrung für den Angreifer des FC Barcelona kennt in seiner Heimat inzwischen keine Grenzen. »Pagina 12« nannte ihn »eine Traummaschine«. Eine, die Argentiniens Obsession vom dritten WM-Titel mit Hoffnung nährt. Bosnien, den Iran und Nigeria fertigte der viermalige Weltfußballer allein ab. Von den insgesamt sechs Toren der Argentinier erzielte Messi vier. Hinzu kamen ein Eigentor des Bosniers Sead Kolasinac (von Messi eingeleitet) und ein Treffer von Marcos Rojo. Im heutigen Achtelfinale soll nun die Schweiz Messis linken Fuß zu spüren bekommen.

Lionel Messi scheint fest entschlossen, sich auf dem Weg nach Rio von niemandem aufhalten zu lassen. Nicht von den Schweizern und nicht von Alejandro Sabella. Der ist Argentiniens Trainer und wirkt wie ein Lehrer, dem die Meute während der Klassenfahrt abhandengekommen ist. Es gibt einige Anzeichen, die dafür sprechen, dass längst Lionel Messi die relevanten Entscheidungen verantwortet. Auch wenn das aus dem Kreis der Nationalspieler heftig dementiert wird.

Er sagte »müssen«, nicht »können«

Es war im ersten Spiel gegen Bosnien, als Messi sich auf dem Weg in die Halbzeitpause seiner Kapitänsbinde entledigte und mit bitterböser Miene Richtung Kabine eilte. Sabella hatte es gewagt, seine mit Offensivstars gespickte Mannschaft im defensiven 5-3-2-System auflaufen zu lassen. Nichts funktionierte, Messi war isoliert. Zur zweiten Halbzeit korrigierte Sabella zwar seinen Fehler, aber Messi tobte. Auf das in der zweiten Halbzeit praktizierte 4-3-3 sagte er: »Dieses System passt besser zu uns. So müssen wir weitermachen. Unter dem anderen leiden wir Stürmer.« Messi sagte müssen, nicht können oder sollten.

Fortan schickte Sabella seine Spieler stets im 4-3-3-System aufs Feld. Seinen Versuch mit dem 5-3-2 räumte er nach dem Spiel demütig als »klaren Fehler« ein und geißelte sich dafür. Argentinische Zeitungen spekulierten, Messi hätte in der Halbzeit veranlasst, das System zu ändern. Darauf angesprochen, verweigerte Sabella eine klare Aussage. Lieber betonte er etliche Male, Messi sei der beste Fußballer der Welt.

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