Herrscht beim FC Bayern die pure Gier?

Prinzip Rummenigge

Keine Woche ohne eine neue Idee von Karl-Heinz Rummenigge. Nun fordert er eine Setzliste in der Champions League. Was ist nur los mit dem Bayern-Boss?

imago

Billige Phrasen dreschen, für die jeder CSU-Landrat im Wahlkreis hämisch ausgelacht würde? Kann man natürlich mal probieren und schauen, ob man damit durchkommt. Also hat Karl-Heinz Rummenigge neulich in Mailand verkündet, es werde womöglich demnächst doch mal eine Europaliga mit festen Teilnehmern geben. Man müsse schließlich den europäischen Spitzenfußball »den Anforderungen der Globalisierung anpassen«.

Der Bayern-Präsident wurde mit dieser Prognose landesweit zitiert, ohne dass sich irgendjemand die Mühe gemacht hätte, eine ziemlich simple Frage zu stellen: Welche Globalisierung bitte? Und warum ist eine Europaliga die Antwort darauf? Womöglich wäre Rummenigge dann ein wenig ins Stolpern geraten. Denn es gibt sie nicht, zumindest nicht so, wie sie der Funktionär gerne beschreibt.

Die Bayern als tapferster Kämpfer für deutsche Interessen

Globalisierung, das ist in Rummenigges Phantasiewelt der erbitterte Kampf der europäischen Fußballligen um globale Marktanteile, um Bekanntheit und Geld in Afrika, Asien und Nordamerika.

Die Bundesliga im heldenhaften Abwehrkampf gegen die englische Premier League und die spanische Primera Division, aber auch gegen die amerikanischen Profiligen NHL und NFL. Und natürlich sieht Rummenigge sich und den FC Bayern als tapfersten und entschiedensten Kämpfer für deutsche Fußballinteressen.

Es ist dies eine selten verlogene und scheinheilige Aufführung. Denn mal abgesehen davon, dass die weit überwiegende Zahl der deutschen Profiklubs nicht mit französischen und englischen Konkurrenten um die Vorherrschaft in Singapur kämpft und nur mittelbar, nämlich durch die internationalen Fernsehrechte, von der vermeintlichen Globalisierung betroffen ist, ist vor allem eines festzuhalten: Keinem Klub ist die vermeintliche Solidargemeinschaft Bundesliga so herzlich egal wie dem FC Bayern.

Und kein Funktionär war in den letzten Jahren so fleißig dabei wie Kalle Rummenigge, wenn es darum ging, auf dem Rücken der anderen Vereine den Reichtum seines Klubs zu mehren.

Nun wird ihm daraus niemand einen Vorwurf stricken. Das ist schließlich sein Job. Aber gleichzeitig gierig nach jedem Euro zu schnappen und den altruistischen Kämpfer fürs Gemeinwohl zu geben, das passt nicht zusammen.

Ständige Attacken auf die Zentralvermarktung

Wie rücksichtslos der FC Bayern inzwischen agiert, ist derzeit auf vielen Schauplätzen zu bestaunen. Da sind etwa die ständigen Attacken auf die Zentralvermarktung, einer der wichtigsten Säulen, um national wenigstens ansatzweise noch so etwas wie Chancengleichheit herzustellen.

Mal wird zufällig öffentlich, dass der FC Bayern beim Kartellamt wegen einer Reform der Rechtevergabe vorstellig wurde, mal droht Rummenigge den Zweitligisten unverhohlen mit der Trennung der beiden Bundesligen. In England sei wegen allzu frecher Forderungen unterklassiger Klubs die Premier League ge­gründet worden.

»Ähnlich war es in Italien, wo die Zweitli­gisten immer gieriger wurden.« Tja, immer gieriger – damit ist lustigerweise nicht das Gebaren der Zweitligisten, sondern das Wirken Rummenigges ziemlich exakt beschrieben. Denn schon jetzt profitiert der FC Bayern wie kein zweiter deutscher Klub von den bestehenden Verhältnissen. Seit Jahren sind die Münchner einer der weltweit umsatzstärksten Klubs, der FC Bayern schwimmt in nie dagewesener Weise im Geld.

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