08.06.2012

Herkulesaufgabe für Polens Trainer Franciszek Smuda

Der Druck der Heimat

Franciszek Smuda hat den wohl schwierigsten Job aller Trainer bei der EM. Auf dem 63-Jährigen lasten die immensen Erwartungen der polnischen Gastgeber. Und der Vorwurf, er sei kein ganzer Pole.

Text:
Oliver Trust
Bild:
Imago

Franciszek Smuda blinzelt in sich gekehrt in die Sonne. Polens Nationaltrainer scheint die Ruhe zu genießen, die im Trainingslager im österreichischen Lienz herrscht. Smuda wollte in der Vorbereitung jeden Trubel vermeiden, nur ein kleines, unauffälliges Schild an der Westeinfahrt zur Stadt durften die Marketing-Leute der Gastgeberstadt aufhängen. »Welcome Polska Lienz Preparation Camp Uefa Euro 2012« steht darauf.

Smuda hat guten Grund dazu, sich und seine Mannschaft so lange wie möglich in größtmöglicher Abgeschiedenheit auf diesen Sommer vorzubereiten. Spätestens mit dem Anpfiff des Eröffnungsspiels am heutigen Freitag gegen Griechenland (18 Uhr, live in der ARD und im 11FREUNDE-Liveticker), wird es äußerst turbulent für ihn zugehen: 2009 hat er den schwierigsten Job Polens übernommen.

Und muss seither damit leben, nicht von allen als »ganzer Pole« akzeptiert zu werden.

Abgeschottet für den großen Traum

Der 63-Jährige ist in Oberschlesien geboren und Spätaussiedler. Mancher Hardliner nimmt ihm übel, dass er zwei Pässe besitzt. Einige Polen reagierten pikiert, als er seinen deutschen Pass kürzlich verlängern ließ. »Da heißt es, ich sei kein polnischer Trainer, sondern ein deutscher«, sagt er und schüttelt den Kopf. »Das muss ich als Trainer aushalten und den Druck dazu. Für mich sind wir alle eins, Polen, Deutschland. Für die jungen Menschen heute bedeuten Grenzen nichts mehr, das gefällt mir.«

In der Vorbereitung wollten die Polen vor allem Ruhe. Die haben sie in Lienz in Osttirol gefunden. Weit weg von der großen Erwartungshaltung daheim und noch weiter weg von den Schlagzeilen über das befürchtete Hooligan-Problem und Korruptionsskandale aus der Vergangenheit. Nach dem Trubel der acht Tage im türkischen Belek, als die Familien der Spieler in einem Entspannungs-Trainingslager dabei waren, schottete man sich im Grand-Hotel der 12 000-Einwohner-Stadt Lienz von der Außenwelt ab. So gut es ging.

Dass auch rund 50 Journalisten und viele Fans aus Polen anreisten, ließ sich nicht verhindern. Jede andere Form der Ablenkung hatte Franciszek Smuda unmissverständlich untersagt. Erst kurz vor dem Spiel gegen Griechenland kehrte das Team mit den Bundesligaspielern Lukas Piszczek, Jakub Blaszczykowski, Robert Lewandowski aus Dortmund und dem Mainzer Eugen Polanski in die Hauptstadt nach Warschau zurück. Es hatte durchaus Diskussionen gegeben, warum sich der Mitgastgeber der EM nicht daheim vorbereitet. Smuda aber ließ sich nicht beirren.

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