Herbert Widmayer und die erste Trainerentlassung der Bundesliga

Peinlich berührte Spieler

Die erste Bundesligasaison war gerade neun Spieltage alt, da wurde Herbert Widmayer als erster Trainer ihrer Geschichte entlassen. Dabei stand der Club zu diesem Zeitpunkt nicht einmal auf einem Abstiegsplatz. Wir erinnern uns an eine Premiere, der noch viele Aufführungen folgen sollten.

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Die erste Bundesligasaison 1963/64 begann für den seinerzeit erfolgsverwöhnten »Club« nach Wunsch. Die ersten fünf Spiele blieben die Nürnberger ungeschlagen. Drei Siege, zwei Unentschieden standen zu Buche. Die Folge: Platz drei. Doch dann folgte eine Serie von vier Niederlagen in Folge. Nach einer 0:5-Schlappe daheim gegen den 1.FC Kaiserslautern war das Kapitel Herbert Widmayer beim »Club« Geschichte.

Nun war die Entlassung an sich kein Novum. Auch 1963 waren Trainerentlassungen bereits gang und gäbe. So hatte die Saison schon vor Widmayer zwei Trainer ihren Posten gekostet. Sowohl Fritz Schollmeyer bei Arminia Hannover als auch Emil Iszo beim VfL Osnabrück, beides Teams aus der damals zweithöchsten Spielklasse, der Regionalliga, wurden ihrer Ämter enthoben. Die Entlassung Widmayers war dennoch in mehrfacher Hinsicht erstaunlich.

Da waren zum einen die sportlichen Erfolge, die Widmayer in der Vergangenheit aufzuweisen hatte. 1960 zum »Club« gekommen, wurden die Franken unter ihrem neuen Trainer 1961 prompt Deutscher Meister. 1962 gelang der erneute Final-Einzug, allerdings musste man sich dem 1.FC Köln mit 0:4 geschlagen geben. Dafür gewann das Team in diesem Jahr durch einen 2:1-Erfolg gegen Fortuna Düsseldorf den DFB-Pokal.

Die klassische Vaterfigur

Das Erfolgsgeheimnis der Nürnberger war die konsquente Einbindung der eigenen Jugend. Widmayers Vorgänger, der Österreicher »Bimbo« Binder, hatte diese Entwicklung forciert, ehe er dem Lockruf des PSV Eindhoven erlag. Für Widmayer waren dies optimale Voraussetzungen. Bereits zu Beginn seiner Trainerkarriere hatte er sich als Trainer des Fußballverbandes Hessen, und des Fußballverbandes Westfalen einen guten Ruf als Nachwuchstrainer erworben. Später sollte er von 1970 bis 1979 die Jugendnationalmannschaft des DFB führen. Er galt als klassische Vaterfigur.

Auch in Nürnberg gelang es ihm die junge Mannschaft hinter sich zu bringen. Unter der Führung des Routiniers und Weltmeisters von 1954, Max Morlock, schweißte Widmayer seine Mannschaft zu einer verschworenen Einheit. »Er liebte das persönliche Zusammensein mit seinen Spielern, die wie eine Eins hinter ihm standen«, sagte Nürnbergs Legende Ferdinand Wenauer einmal in einem Interview mit der »Süddeutschen Zeitung«.

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