Herbert Laumen über Gladbachs 11:0 gegen Schalke

»Friedel Rausch flehte: ›Hört bitte auf!‹«

7. Januar 1967: Am Vorabend der goldenen Fohlen-Jahre nimmt Gladbach den FC Schalke 04 mit 11:0 auseinander. Der dreifache Torschütze Herbert Laumen über Mitleid und eine süße Rache.

Herbert Laumen, wir möchten mit Ihnen über die goldene Ära von Borussia Mönchengladbach und ein Spiel in der Saison 1966/67 sprechen.
Sie meinen das 11:0 gegen Schalke 04?

Es war der zweihöchste Sieg der Bundesligahistorie. Wie kam es dazu?
Es klingt banal, doch wir waren einfach unglaublich gut vorbereitet.

Das war alles?
Die Straßen waren Anfang Januar 1967 seit Tagen vereist, die Plätze mit Schnee bedeckt. Hennes Weiseweiler ließ uns also eine Woche lang auf einem beschneiten Platz trainieren, ohne den Schnee beiseite zu schiffen. Er ahnte, dass wir auch bei jenem Spiel auf einer Schneedecke spielen würden.

Haben die Schalker mit falschen Schuhen gespielt?
Ich erinnere mich, dass Günter Herrmann, dieser Edeltechniker, tatsächlich mit Noppenschuhen spielte. Definitiv die schlechteste Wahl auf dem rutschigen Untergrund.

Erinnern Sie sich noch an die Tore?
Eines habe ich noch im Kopf. Ich setzte einen Ball per Fallrückzieher vom Sechzehner an die Unterkante der Latte, Schalkes Keeper Josef Elting flog durchs Tor und Bernd Rupp verwertete den Nachschuss.

Wieviel Mitleid hat ein Fußballer in solchen Situationen?
Zwischenzeitlich dachte ich wirklich, dass wir die Gegner der Lächerlichkeit preisgeben könnten. Doch was willst du machen: Es ist Bundesliga-Fußball, kein gemütlicher Spieleabend im Wohnzimmer. Und als Friedel Rausch irgendwann flehte »Herbert, hört doch bitte auf«, antwortete ich: »Tut mir leid, Friedel, es geht wirklich nicht darum, euch vorzuführen, es geht einfach um Tore.«

Zur Halbzeit stand es 4:0. Bäumten sich die Schalker in der zweiten Hälfte noch einmal auf?
Der Widerstand war gebrochen, als Günter Netzer zwei Minuten nach Wiederanpfiff das 5:0 machte. Die Schalker sind kaum noch gelaufen. Und ganz ehrlich: Wir waren auch baff, wie problemlos wir durch die Schalker Defensive spazieren konnten. Das war wie im Training.

Auf der Bank der Schalker saß mit Fritz Langner ein alter Bekannter. Er war bis 1964 Trainer bei Borussia Mönchengladbach. Spornte das an?
Total. Langner soll bei seinem Abschied aus Gladbach gesagt haben: »Ich kann aus Ackergäulen keine Rennpferde machen.« So war es jedenfalls in der Presse zu lesen. Das 11:0 machte nun deutlich: Die Gladbacher Ackergäule waren vielleicht keine Rennpferde, doch sie waren Fohlen.

Heute müsste ein Trainer nach einer 0:11-Peitsche mit großer Wahrscheinlichkeit seine Sachen packen. Ist es nicht erstaunlich, dass Langner bleiben durfte?
Zu seiner Ehrenrettung muss ich sagen, dass Schalke eine Woche später gegen uns im Pokal gewann. Wir gingen auch dort wieder in Führung, und dachten vermutlich, das muntere Scheibenschießen geht weiter. Doch Schalke rehabilitierte sich anständig.

Ein Jahr später unterlag Gladbach zu Hause sogar 1:6 gegen Schalke.
Dieses Auf und Ab spiegelt ganz gut die sechziger Jahre der frühen Fohlen-Elf wider. Wir traten oft sehr naiv auf. Wir hatten eine fantastische Offensive, vier Stürmer, die jede Saison 15 Tore oder mehr machten. Sehen Sie sich nur die Torschützen bei dem 11:0 gegen Schalke an: Bernd Rupp, Jupp Heynckes und ich trafen jeweils dreimal, Günter Netzer setzte noch einen drauf. Das war's.

Zu-Null-Spiele waren in jenen Jahren nicht gerade häufig.
Genau. Das Spiel gegen Schalke ist somit nicht exemplarisch für jene Zeit. Ich erinnere mich etwa an eine 4:5-Niederlage gegen Dortmund aus der Saison 1965/66. Eine aufregende Partie, ein toller Sturmlauf von uns. Und mit vier Toren solltest du ja durchaus ein Spiel gewinnen können – wenn man eben nicht fünf Dinger eingeschenkt bekommt.

Waren die Sechziger somit auch Lehrjahre für Hennes Weisweiler?
Weisweiler gewann lieber 5:4 als 1:0. Um auf Dauer konkurrenzfähig zu werden, um die Meisterschaft nach Gladbach zu holen, musste er aber umdenken. Also stärkte er die Defensive. Der Schlüssel zum Erfolg waren die beiden Verteidiger Ludwig Müller und Klaus-Dieter Sieloff. Beide kamen 1969. 1970 und 1971 wurden wir Deutscher Meister.

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