Henrik Larsson über das Duell Barca-Arsenal

»Ich war der König der Welt«

Im Champions-League-Finale 2006 zwischen Barca und Arsenal wurde Henrik Larsson als Einwechselspieler zum Matchwinner. Hier erinnert er sich an den größten Abend seines Lebens.

Witters

FC Barcelona — FC Arsenal 2:1
(Saint Denis, 2006)


Am 17. Mai 2006 haben fünf Minuten meine ganze Profikarriere verändert. Ich hatte bereits ein wichtiges Endspiel verloren. Im Uefa-Cup-Finale 2003 schoss ich zwei Tore für Celtic Glasgow, wir unterlagen dem FC Porto dennoch. Ich habe Jahre gebraucht, um diese Niederlage einigermaßen zu verarbeiten. Vielleicht habe ich es nie richtig geschafft. Diesen speziellen Schmerz, der nach so einer Niederlage in dir arbeitet, kennen wohl nur Profifußballer. Es ist dunkel in dir, leer, und jeden Tag stelle ich mir vor: Was wäre gewesen, wenn …

Diese Niederlage trieb mich aber auch immer an. Ich wollte noch einmal ein großes Endspiel erreichen und als Sieger vom Platz gehen. 2006 sollte es soweit sein. In der Mannschaft des FC Barcelona steckte ein großes Selbstbewusstsein. Für keinen Spieler bestand ein Zweifel daran, dass wir das Endspiel gewinnen würden. Für mich ging es aber erst einmal darum, überhaupt ins Team zu kommen, denn Trainer Frank Rijkaard musste sich entscheiden – zwischen mir, dem 34-Jährigen, der gerade eine Oberschenkelzerrung auskuriert hatte, und einem schüchternen 18-Jährigen, der an guten Tagen die Fußballwelt aus den Angeln heben konnte. Sein Name war Lionel Messi.

Ich wollte das Geräusch des Netzes hören. Swoosh!

Doch als wir den Rasen des Stade Saint-Denis zum Abschlusstraining betraten, spürte ich, dass kein Weg an mir vorbeiführen würde. Ich traf aus allen Lagen, rannte wie ein Verrückter, Frank Rijkaard lobte mich lautstark. Als alle anderen bereits in die Kabine gingen, blieb ich mit Samuel Eto’o draußen, um Abschlüsse zu üben. Ich wollte ein Gefühl für den Strafraum bekommen, das Geräusch des Netzes hören. Co-Trainer Henk Ten Cate schlug Flanken, Sami und ich schossen Ersatzkeeper Albert Jorquera die Bälle um die Ohren. Es hallte durch das leere Stadion. Swoosh! Musik in meinen Ohren.

Auf dem Weg in die Kabine traf ich Freddie Ljungberg, der mit Arsenal zum Abschlusstraining ankam. Wir plauderten ein we­nig, er folgte mir in die Kabine und verwickelte Giovanni van Bronck­horst in einen Smalltalk. Er lachte, klopfte Schultern, er war Freddie, wie er leibt und lebt. Fröhlich, offen, Mr. Nice Guy. Doch er schien nicht zu merken, dass er gerade eine Grenze überschritten hatte. Er war der Gegner und stand in unserer Kabine. In seinem Rücken versuchten ihn Carles Puyol, Mark van Bommel und Victor Valdes mit Blicken zu töten. Die Jungs waren im Gewinnermodus. Ich schaute Frank Rijkaard in die Augen. Sie glänzten.

Hier geht's zum großen Karriereinterview mit Henrik Larsson >>>

Im Hotel überredete mich Mark van Bommel, noch mit ihm auf dem Zimmer rumzuhängen. Er zeigte mir stolz seine neuen Schuhe, die ihm sein Ausrüster geschickt hatte. Sein Name, das Finaldatum und seine Landesflagge waren eingestickt, er war stolz wie ein kleines Kind. Und ich neidisch. Warum hatte mir mein Ausrüster keine Schuhe geschickt? Ich rief dort an, der gute Mann am anderen Ende kam gar nicht aus dem Entschuldigen heraus. Er tat mir leid, aber ich wollte nichts dem Zufall überlassen. Ich ging schlafen. Am nächsten Morgen standen nagelneue Fußballschuhe vor meinem Hotelzimmer. Mit Namen, Finaldatum und Landesflagge eingestickt.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!