Heimlicher Star der WM: Mexikos Miguel Herrera

Der Sendung mit der Laus

Er ist das entrückteste Gesicht dieser WM: Mexikos Trainer Miguel Herrera. Und wir? Sind entzückt.

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Fußballtrainer waren schon immer viel mehr als bloße Hütchenaufsteller und Taktikvorgeber. Trainer entscheiden nicht nur, wer spielt und wie man spielt. Sie sind auch Abbild dessen, was ihre Mannschaft charakterisiert.

Dortmunds Jürgen Klopp passt mit seinem emotionalen Dauerfeuer perfekt zum BVB, dessen Verantwortliche und Fans ja nicht müde werden zu betonen, dass es sich beim Dortmunder Fußball um eine Herzensangelegenheit handele. Sowjet-Trainer Walerij Lobanowski präsentierte der Öffentlichkeit über Jahrzehnte seinen immer gleichen Gemütszustand, für den selbst das Wort »stoisch« viel zu aufregend war. Wenn es je einen Mann gegeben hat, der das Hollywood-Klischee vom Eisernen Vorhang personalisiert hat, dann der gebürtige Ukrainer. Und José Mourinho passt mit seiner vorgelebten Mischung aus Perfektion, Arroganz, übertriebenem Ehrgeiz und Arschlochhaftigkeit ideal zum FC Chelsea des Roman Abramowitsch.

Van Gaal wie auf Partydrogen

Bei dieser Weltmeisterschaft haben sich die Trainer bislang ziemlich zurückgehalten. Heiß diskutiert werden die Schiedsrichter und die in Brasilien erstaunlich auffälligen Superstars. Gut, der sonst so elegante Jogi Löw wurde mal wieder beim Nasebohren erwischt, Louis van Gaal sieht noch immer aus wie auf frischen Partydrogen und die Kovac-Brüder hatten bei ihren Auftritten was von einem eiskalten Killer-Duo. Aber das war es dann schon auch.

Wie langweilig wäre dieses Turnier mit Blick auf den Seitenrand, wenn da nicht Mexikos Miguel Herrera wäre? »El Piojo«, die Laus. Ein 1,68 Meter kleiner Mann ohne Hals und Vorschlaghammer-Schädel.

Beim Sieg gegen Kroatien war Herrera eine echte Attraktion. Die Tore seiner Mannschaft bejubelte der 46-Jährige, als habe er soeben die Bandenkriminalität in seinem Heimatland ausgerottet. Die Kameras zeigten einen bulligen Derwisch, der sich mit Seemannsköpper in die Jubeltraube seiner Spieler schmiss und sich bei einer Umarmungsrolle mit seinen Leuten den teuren Anzug ruinierte. Als klar war, dass seine Riege das Achtelfinale bei dieser WM erreichen würde, flippte Herrera völlig aus: Diesen Gesichtsausdruck – hochroter Kopf, hervortretende Augen, herausgestreckte Zunge – kennt man normalerweise nur von Menschen, die gerade eine Fischgräte verschluckt haben und um ihr Leben ringen. Miguel Herrera rang um seinen Verstand.

Löw oder Capello im Herrera-Style? Unvorstellbar

Es gibt Trainer, zu denen ein solch entrücktes Verhalten nicht passen würde. Undenkbar, dass Fabio Capello auf Knien über den Rasen rutscht und dabei sein über Jahrzehnte aufgebautes Image vom knallharten Schleifer gefährdet. Und auch Jogi Löw können wir uns nicht dabei vorstellen, wie er mit schlackernder Zunge Bastian Schweinsteiger umtacklet und mit ihm durch die Coaching Zone rollt. Nein, für solchen Wahnsinn muss man schon gemacht sein.

Wie Miguel Herrera. Der trifft mit seiner Mannschaft im Achtelfinale übrigens auf die Niederlande und den Kollegen Louis van Gaal. Sämtlichen Pantomime-Künstlern dieser Welt sei eine 90-minütige Beobachtung der Trainerbänke dringend empfohlen. ARD und ZDF bieten das ja tatsächlich mit ihren Apps an. Es könnte wieder lausig werden. Mit frischen Partydrogen.

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