Héctor Rodolfo Veira: Trainer, Showmaster, Vergewaltiger

Der Fall Bambi

Héctor Rodolfo Veira, »El Bambino«, war als Spieler und Trainer jahrzehntelang erfolgreich und ist heute einer der beliebtesten Sportkommentatoren Argentiniens.

Wenn Eltern in Argentinien ihrem Nachwuchs die Geschichte von »Bambi« erzählen, dann ist die Rede nicht von einem kindgerechten Disney-Märchen über ein kleines Reh mit großen Augen und noch größerem Herz. In einem Land, in dem es seit 1922 rund um die großen und kleinen Stadien knapp 300 Tote gegeben hat, dort, wo sich Ultras in mafia-ähnlichen Strukturen organisieren und Staat wie Polizei macht- und willenlos zuschauen, ist kein Platz für romantische Märchen. Wo der Fußball Religion ist, erzählen sie die Geschichte von Héctor Rodolfo »El Bambino« Veira und Sebastian Candelmo.

Buenos Aires, 17. Oktober 1987: Auf dem Polizeirevier 10 erscheint ein aufgebrachter Mann, er schreit, er weint, er macht ungeheure Anschuldigungen. Ein bekannter und beliebter Fußballtrainer habe seinen Sohn vergewaltigt. Luis José Candelmo erstattet im Namen seines Sprößlings Sebastian Anzeige gegen Héctor Rodolfo Veira, der zu diesem Zeitpunkt die Mannschaft von Vélez Sársfield betreut und sich längst als erfolgreicher Spieler und Trainer in Argentinien einen Namen gemacht. Seine Visitenkarte: Drei argentinische Meisterschaften, eine Copa Libertadores, ein Weltpokal. Nun wird er festgenommen und ein Gerichtsprozess beginnt, der - zumindest in Argentinien – ähnliche mediale Aufmerksamkeit weckt wie die Causa Michael Jackson.

»Ich bat ihn um ein Autogramm, und er lud mich in seine Wohnung ein«

Was genau an jenem verhängnisvollen 17. Oktober 1987 passierte, liegt auch nach knapp 30 Jahren immer noch in Dunkelheit, doch was der junge Sebastian Candelmo, damals 13 Jahre alt, vor Gericht aussagt, schockiert die Gesellschaft: »Ich bat ihn um ein Autogramm, und er lud mich in seine Wohnung ein, weil er mir ein paar Fotos schenken wolle. Dort hat er mich dann vergewaltigt.« Das Ganze habe sich zugetragen, als er mit seinem Vater und einem Freund unterwegs gewesen sei: In der Calle Doblas 1103 bittet Sebastian seinen Vater, sein Auto zu stoppen, denn auf der Straße hat der junge Fußballfan Veira entdeckt, eines seiner Idole, weil Veira zu dieser Zeit River Plate trainiert. Sebastian hat selbst ernsthafte Ambitionen auf eine Karriere als Fußballspieler, ist wahnsinnig aufgeregt, als sein Vorbild ihn mit zu sich in die Wohnung nimmt. Bis dahin bestätigt Veira die Aussage des Jungen, die Ereignisse danach lassen sich nur aus der Sicht von Sebastian rekonstruieren.



Sebastian geht auf die Toilette, und als er wiederkommt, bittet Veira ihn, seine Hose auszuziehen - er wolle seine Beine begutachten. Er müsse ja sehen, ob Sebastian das Zeug zu einem ordentlichen Spieler habe. Der Junge hat Angst, gehorcht aber und entledigt sich auf Bitten von Veira auch noch seiner Unterhose. Jahre später wird er der Zeitschrift »Gente« sagen, dass er selbst bereits damals homosexuelle Tendenzen verspürt habe, und Veira der erste Mann in seinem Leben gewesen sei. Der schlimme Vorwurf: »Er hat seine Hose heruntergelassen und mich vergewaltigt.« »El Bambino« wehrt sich vor Gericht gegen die Anschuldigungen, führt seine Nichte Gabriela als Zeugin an, die sich zum Tatzeitpunkt auch in der Wohnung aufgehalten habe. Polizeichef Juan Pirker schenkt Veiras Version keinen Glauben, auch weil dieser in Anwesenheit des kleinen Sebastian immer nervöser wird und ihn beschuldigt, ihm eine »Falle« stellen zu wollen.

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